Antisemitiomus

Alice Walker und die Reptilienmenschen

Offen antijüdisch: Alice Walker Foto: dpa

Antisemitiomus

Alice Walker und die Reptilienmenschen

Die Autorin von »Die Farbe Lila« begeistert sich für eine wahnhafte Verschwörungstheorie

von Michael Wuliger  16.07.2013 14:27 Uhr

Schlagzeilen, wenn auch nicht im engeren Sinne literarische, hat die afroamerikanische Schriftstellerin Alice Walker zuletzt im Juni 2012 gemacht, als die Verfasserin des von Steven Spielberg erfolgreich verfilmten Sklavereiromans Die Farbe Lila eine israelische Ausgabe ihres Buchs aus politischen Gründen untersagte.

Der Umgang Israels mit den Palästinensern sei schlimmer als alles, was sie zu Zeiten der Rassentrennung in den USA erlebt habe, erklärte die 69-Jährige, die auch schon bei der Gaza-Flottille mitgemacht hatte.

riesenechsen Jetzt hat Alice Walker noch einmal nachgelegt. In ihrem vor zwei Monaten erschienenen Essayband The Cushion in the Road schreibt sie von einem israelischen »Genozid« an den Palästinensern, wirft dem jüdischen Staat »ethnische Säuberungen«, »Verbrechen gegen die Menschheit« sowie »diabolische Folterungen« vor.

Das ist der übliche antizionistische Diskurs, wie man ihn meist aus der linken Ecke hört. Doch Walker geht noch weiter, spricht von den Juden als einem Volk, dass »verzweifelt nach dem giert, was andere Völker haben«. Sie bezieht sich auch auf die Tora und schreibt von »Vergewaltigungen, Morden, Raubzügen, Versklavung der Eroberten, Landnahme«, die »Israels Verhalten bis heute bestimmen«. Das sei schon kein bloßer Antizionismus mehr, konstatierte die Anti Defamation League, sondern »unverhüllter Antisemitismus«.

Eine Wurzel für Walkers Abneigung gegen Israel und die Juden hat kürzlich Jonathan Kay in der amerikanischen Zeitschrift »Commentary« öffentlich gemacht. Kay hatte in Walkers Blog einen Eintrag der Autorin gefunden, in dem sie sich begeistert über die Publikation Human Race Get off Your Knees von 2010 äußerte, ein 750 Seiten dickes »Sachbuch« des britischen Autors David Icke.

Der ehemalige Fußballprofi »enthüllt« dort, dass die Erde von außerirdischen Reptilien beherrscht wird, mithilfe von Angehörigen einer Zwischenrasse, die vor langer Zeit aus einer Kreuzung besagter Reptilien mit abtrünnigen Vertretern der Gattung homo sapiens entstand. Vertreter dieser Reptilienmenschen sind laut Icke unter anderen Queen Elizabeth, Georg W. Bush und Barack Obama, vor allem aber die »Rothschild-Zionisten«.

Kein Wunder. Schließlich haben die außerirdischen Reptilien – bei Icke heißen sie »Annunaki« – die Erde nur deshalb im Visier, weil sie Gold brauchen, um ihr Nervensystem im Gang zu halten. Und wer besitzt bekanntlich das Gold? Alice Walker weiß es: »Sie wollten Gold, und sie brauchten Sklaven, um es abzubauen. Na, an wen erinnert uns das? Ich frag’ ja nur ...«

»protokolle« Wem das zu kryptisch ist, der bekommt bei David Icke Ross und Reiter explizit genannt. Mehrfach zitiert der selbst ernannte »Sohn des Messias« in Human Race Get off Your Knees zustimmend die Protokolle der Weisen von Zion, unter anderem auf Seite 127, wo er schreibt, es handele sich um »die detaillierte Geschichte der letzten 100 Jahre, erzählt, bevor es geschah«.

Daran anknüpfend macht Icke das »Rothschild-Zionisten-Netzwerk« nicht nur für den Aufstieg Hitlers und Stalins verantwortlich, sondern auch für die Ermordung Lincolns. Auch die arabische Welt ist unterwandert. »Das Königshaus der Sauds ist eine Fassade, hinter der das Haus Rothschild steckt. Die Familie Saud ist weder arabisch noch moslemisch. Ihre Wurzeln gehen auf einen Juden zurück, der im Jahr 851 lebte.«
Das alles ist, wohlgemerkt, nicht schlechte Science Fiction oder Satire. Icke meint seine Behauptungen ernst.

Deshalb ist er selbst in der Esoterik- und Verschwörungstheoretikerszene umstritten. Alice Walker ficht das jedoch nicht an. In einer populären BBC-Radiosendung empfahl sie im Mai allen Zuhörern, unbedingt Human Race Get off Your Knees zu lesen. Auf ihrer Website hat sie Icke gar mit dem ermordeten afroamerikanischen Führer Malcolm X verglichen.

Wie Malcolm X werde der Brite von seiner Wahrheitsliebe angetrieben, die ihn zu »manchmal schockierenden« Erkenntnissen führe. Der Blogeintrag schließt mit den Worten: »Wir erwachen. David ist bereits erwacht.«

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