Uni Jena

Akademiker werden rehabilitiert

Friedrich-Schiller-Universität in Jena Foto: FSU/Kasper

Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU), denen in der NS-Zeit der Doktortitel aberkannt wurde, werden rehabilitiert. In einem symbolischen Akt werde der Senat am 9. November die vor acht Jahrzehnten getroffenen Entscheidungen der Fakultäten aufheben, teilte die Hochschule am Mittwoch in Jena mit.

In den meisten Fällen sei der Verlust des Doktortitels mit der Ausbürgerung von NS-Verfolgten einhergegangen, die Deutschland verlassen hätten. Den Emigranten sei die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden; die Universitäten hätten Anweisung gehabt, den Promovierten den Doktortitel zu entziehen.

Bedauern »Wir können das begangene Unrecht nicht ungeschehen machen, aber wir werden mit einem öffentlich sichtbaren Akt der Rückbesinnung und des tiefen Bedauerns die Entscheidungen der damaligen Universitätsgremien zurücknehmen«, sagt FSU-Präsident Walter Rosenthal.

Insgesamt konnten 61 sogenannte Depromotionen im Universitätsarchiv Jena nachgewiesen werden. Eine Kommission habe nach gründlichem und zeitintensivem Aktenstudium Kriterien entwickelt, um die einzelnen Fälle beurteilen zu können. Richtschnur sei dabei die Frage gewesen, ob die Entziehung des Doktortitels als NS-Unrecht angesehen werden müsse oder nicht, da in einigen Fällen die Entziehung des Doktorgrades nach einer strafgerichtlichen Verurteilung erfolgt sei.

»Rassenschande« Die Kommission habe insbesondere Verurteilungen wegen »Rassenschande«, »widernatürlicher Unzucht« (Homosexualität) und »gewerbsmäßiger Abtreibung« als NS-Unrecht qualifiziert und eine Aufhebung der mit diesen Begründungen erfolgten Entziehungsentscheidungen empfohlen.

Bei der Gedenkveranstaltung sollen die Namen der Wissenschaftler verlesen werden, denen posthum der Doktortitel wieder zuerkannt wird. Auf Beschluss des Senats betrifft das 26 Fälle. Auch werde die Rehabilitierung von 20 Betroffenen bekräftigt, denen der Doktortitel bereits im Sommer 1945 wieder zuerkannt worden sei.

In weiteren vier Fällen konnte nach Angaben der Hochschule nicht eindeutig geklärt werden, ob von NS-Unrecht beim Entzug des Doktorgrades ausgegangen werden muss. In drei Fällen hätten für eine abschließende Klärung schlicht die nötigen Akten gefehlt. epd

Sachbuch

Tee mit Groys

In einem neuen Gesprächsband erzählt der Philosoph Boris Groys aus seinem Leben und verliert kein Wort über den Krieg. Warum unser Rezensent das Buch trotzdem zufrieden zuklappte: eine sehr persönliche Lektüre

von Dmitrij Belkin  25.10.2026

Aufgegabelt

Fenchel-Tarte-Tatin mit Trauben und Oliven

Rezept der Woche

von Yotam Ottolenghi  25.10.2026

Kino

Ali G ist zurück – und stößt auf Ablehnung

Nach 24 Jahren schlüpft Sacha Baron Cohen wieder in die Rolle seiner Kultfigur. Doch die Branche will ihn boykottieren

von Nicole Dreyfus  25.10.2026

Shkoyach!

Alles auf Pro oder Die Sehnsucht nach neuer Übersichtlichkeit

Die Einteilung in Pro-Dieses und Pro-Jenes halte ich für profan. Aber für Prokrastination bin ich immer zu haben

von Eugen El  25.10.2026

Zahl der Woche

90,8 Prozent

Funfacts & Wissenswertes

 25.10.2026

Film

Serienhit geht weiter: Warum will jeder »Nobody Wants This«?

Eine freizügige Sex-Podcasterin und ein charmanter Rabbiner verlieben sich. Ihre Geschichte ist ein gelungener Gegenentwurf zu klischeehaften Rom-Coms. So geht die Erfolgsserie weiter

von Simone Andrea Mayer  23.10.2026

Berlin

Wenn Wolf Biermann den roten Bademantel trägt

Die Stasi wollte den Liedermacher zum Alkoholmissbrauch verleiten und seine Beziehungen zerstören. Ein Film zeigt, wie er das überstand - und was er mit fast 90 macht: Kraulen in der Ostsee zum Beispiel

von Lisa Forster, Sven Gösmann  23.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus  22.10.2026