Judenhass

Adidas hält an Kanye West fest

»Ich kann antisemitische Dinge sagen und Adidas kann mich nicht fallen lassen«: Kanye West Foto: picture alliance / empics

Dem amerikanischen Musiker Kanye West wird seit mehreren Wochen Antisemitismus vorgeworfen. Unter anderem hatte er auf Twitter geschrieben, dass er auf »Death con 3 gegenüber jüdischen Menschen« gehe, eine Anspielung auf den Alarmzustand der US-Streitkräfte.

Das Modeunternehmen Balenciaga beendete am Freitag die Zusammenarbeit mit West. Nun reagierte West auf die Versuche mancher seiner Kritiker, auch seinen langjährigen Geschäftspartner Adidas zu einer Kündigung des Vertrags mit ihm zu drängen.

In dem populären Podcast »Drink Champs« sagte West: »Ich kann antisemitische Dinge sagen und Adidas kann mich nicht fallen lassen.« Die Podcast-Betreiber haben die Folge zwar mittlerweile von ihrer Website genommen, das Video kursiert jedoch weiter im Internet. In dem knapp drei Stunden langen Video spricht West wiederholt über die vermeintliche Macht der »jüdischen Medien«.

Sportartikel Adidas ist einer der größten Sportartikelhersteller der Welt und kooperiert mit West seit acht Jahren bei der Konzeption und Vermarktung der Sneaker-Reihe »Yeezy«. In einer Pressemitteilung von 2016 nannte der Konzern mit Sitz im bayerischen Herzogenaurach die Zusammenarbeit mit dem Künstler »die bedeutendste Partnerschaft aller Zeiten zwischen einer Sportmarke und einem Nicht-Athleten«. Laut dem »Handelsblatt« hat Adidas zeitweise bis zu einer Milliarde Dollar im Jahr mit der Produktreihe umgesetzt.

Die Anti-Defamation League (ADL), eine NGO mit dem Ziel der Antisemitismusbekämpfung mit Sitz in New York, veröffentlichte eine Petition, in der es heißt: »Wenn Adidas zulässt, dass Kanye seine hasserfüllte Rhetorik ohne Konsequenzen weiter verbreitet, schafft das einen gefährlichen Präzedenzfall.«  West verbreite »widerliche Verschwörungstheorien« und »antisemitische Sprüche über die Kontrolle der Medien durch das jüdische Volk«.

In einer Zeit, »in der der Antisemitismus zunimmt«, sei das Verhalten von Kanye West gefährlich, schreibt die Anti-Defamation League.

In einer Zeit, »in der der Antisemitismus zunimmt«, sei das Verhalten von Kanye West gefährlich, heißt es weiter. »Während Adidas sich geweigert hat, Kanye Wests Antisemitismus zu verurteilen, feiern und fördern Hassgruppen wie White Lives Matter und die Goyim Defense League die Kommentare von Kanye West.«

Tatsächlich beziehen sich rechtsextreme Gruppen in den USA positiv auf Wests Aussagen über Juden. So berichtete etwa die »Los Angeles Times«, dass am Wochenende mehrere Menschen in LA mit einem Banner protestierten, auf dem stand: »Kanye hat Recht mit den Juden.« Auf einer Aufnahme ist zu sehen, dass sie dabei den faschistischen Gruß zeigen.

Die Petition der ADL endet mit dem Aufruf, Adidas dazu aufzufordern, »Kanyes Antisemitismus zu verurteilen und die Partnerschaft neu zu bewerten«. Bisher hat Adidas zu den Äußerungen von Kanye West keine Stellungnahme veröffentlich. Auch eine Anfrage der Jüdischen Allgemeinen ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Verbindungen Andere Akteure der Modewelt haben dagegen mittlerweile die Verbindungen zu Kanye West abgebrochen. Wie das Magazin »WWD« berichtet, hat das französische Modeunternehmen Balenciaga beschlossen, die Partnerschaft mit Kanye West aufzukündigen. »Balenciaga hat keine Beziehung mehr zu diesem Künstler und plant auch keine zukünftigen Projekte mit ihm«, sagte am Freitag eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber »WWD«.  

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat sich auch die Mode-Ikone und Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour von Kanye West distanziert. Für West dürfte der Bruch mit Wintour ein erheblicher Image-Schaden bedeuten – und der Druck auf Adidas, sich zu den umstrittenen Aussagen seines Partners zu positionieren, dürfte weiter wachsen.

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  10.07.2026

Musik

Der Mann, der die 13 fürchtete

Zum 75. Todestag des Komponisten Arnold Schönberg

von Axel Brüggemann  10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Die Kontroverse um den Auftritt der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres israelischen Chefdirigenten hält an: Zwei Französinnen verkündeten nun, dass sie nicht wie geplant im Brüsseler Bozar auftreten wollen

 09.07.2026

Los Angeles

Chalamet und Villeneuve stellen »Dune: Teil 3«-Trailer vor

Der dritte Teil der Science-Fiction-Reihe kommt kurz nach Chanukka in die Kinos. Mit dem Regisseur stimmt der jüdische Hauptdarsteller jetzt mit einem düsteren Trailer auf das Werk ein

 09.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  09.07.2026

Speyer, Worms und Mainz

SchUM-Stätten feiern fünfjährigen »Welterbe-Geburtstag«

Vor fünf Jahren erhielten sie wegen ihrer wichtigen Bedeutung für das mittelalterliche Judentum den Welterbe-Titel. Nun feiern die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste mit einer Veranstaltung in Speyer

 09.07.2026

Berlin

Bücher als portatives Vaterland

»Altneuland« ist der erste säkulare hebräische Verlag in der Diaspora seit 1948. Ein Besuch in Neukölln

von Ayala Goldmann  09.07.2026

Zahl der Woche

1. Maccabiah-Goldmedaille

Fun Facts und Wissenswertes

 08.07.2026