27. Januar

Abziehfolie als Erinnerung

Aus Anlass des diesjährigen Holocaust-Gedenktags am 27. Januar wird in den kommenden Tagen überall in Kiel das ikonische Foto eines Chanukka-Leuchters zu sehen sein. Foto: Yad Vashem

Es soll ein leuchtendes Signal gegen Hass und Ausgrenzung sein: Mit der Aktion »Licht zeigen« wollen der Freundeskreis Yad Vashem und die »Kieler Nachrichten« das Erinnern an den Holocaust mitten in die Gesellschaft hineintragen.

Aus Anlass des diesjährigen Holocaust-Gedenktags am 27. Januar wird in den kommenden Tagen überall in Kiel das ikonische Foto eines Chanukka-Leuchters zu sehen sein, welches dort vor 91 Jahren entstand. Fast 70.000 Exemplare dieses Fotos werden als Abziehfolie über die gesamte Druckauflage von »Kieler Nachrichten« und »Segeberger Zeitung« verteilt.

KOOPERATION Die Aktion ist in ein Themenpaket zum jüdischem Leben in Kiel damals und heute eingebettet. Sie wurde in Kooperation mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem konzipiert. Das Ziel: Eine ganze Region bekennt sich symbolisch zum Licht und wendet sich gegen das Dunkel von Ausgrenzung, Gewalt und Vergessen.

Arthur Posner war der letzte Kieler Rabbi vor Beginn der Schoa. Seine Frau Rahel machte 1931 das berühmte Bild: der Chanukka-Leuchter auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers – im Hintergrund auf der anderen Straßenseite hängen bereits riesige Nazi-Flaggen. Foto und Leuchter sind heute in Yad Vashem in Jerusalem ausgestellt. Nun sollen sie – auch über Kiel hinaus – zum sichtbaren Signal gegen Vergessen und Ignoranz werden.

Für Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer vermittelt der historische Chanukka-Leuchter eine »kostbare Botschaft«: den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. »An die Stelle von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit setzt Kiel Solidarität und zeigt gemeinsam Licht, so Kämpfer.

ANGST Stefanie Gollasch, Chefredakteurin der Kieler Nachrichten, sagte: «Für uns war sofort klar, dass wir gerne mitmachen – uns als Medienmarke ist es wichtig, uns gegen ausgrenzende Strömungen in unserer Stadt zu positionieren.» Recherchen der Redaktion zu jüdischem Leben in Kiel hätten gezeigt, dass Juden aus Angst vor antisemitischen Anfeindungen nicht trauten, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen.

Israels Botschafter in Deutschland, der als Schirmherr von ‚Licht zeigen‘ fungiert, erklärte: «Wir müssen Antisemitismus bekämpfen und die Erinnerung an die Schoa respektieren und ehren. Die Stärke der Demokratie wird sich an der Entschlossenheit messen lassen, Fanatismus, Ausgrenzung und Intoleranz konsequent abzulehnen und entgegenzutreten. Die Verbrechen des Nationalsozialismus dürfen niemals vergessen werden. Ich freue mich, dass sich die Aktion ‚Licht zeigen‘ genau diesem Ziel verschrieben hat und danke allen Beteiligten.»

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte: «Yad Vashem ist nicht nur als Gedenkstätte, sondern auch durch sein Archiv das Gedächtnis der Schoa. Bis heute finden Nachfahren dort endlich Gewissheit über das Schicksal ihrer Familien. Gegenstände wie der Chanukka-Leuchter aus Kiel tragen dazu bei, heutigen Generationen zu veranschaulichen, was damals geschah. Es ist das Verdienst des Freundeskreises von Yad Vashem, mit der Kampagne ‚Licht zeigen‘ die Erinnerung wachzuhalten. Ich hoffe, dass sich viele Menschen in Deutschland der Kampagne anschließen werden. In Zeiten eines wachsenden Antisemitismus und zunehmender Geschichtsvergessenheit ist dieses Engagement wertvoller denn je.»

ZEICHEN «Es ist unsere gemeinsame Verantwortung neue Formen des Erinnerns zu finden», so Ruth Ur, Geschäftsführerin des Freundeskreises Yad Vashem und Initiatorin des Projekts «Licht zeigen». Die Aktion sei eine mögliche Antwort auf die Frage nach neuen Wegen der Erinnerung. Es gehe darum, mithilfe der Exponate von Yad Vashem einzelne Schicksale neu zu betrachten.

Kai Diekmann, Vorsitzender des Freundeskreises Yad Vashem, erklärte: «Das ikonische Foto von Rahel Posner ist atemberaubend, mehr Aussagekraft als einen Chanukka-Leuchter im Vordergrund und ‚die Nazi-Flagge dahinter kann ein Bild kaum haben. Ich bin froh, dass ‚Licht zeigen‘ dieses Bild mit seiner außergewöhnlichen Geschichte nun zurück nach Kiel bringt und jeder die Möglichkeit bekommt, ein Zeichen gegen Hass und Gewalt zu setzen.» ja

Weitere Informationen zu dem Projekt «Licht zeigen» sowie eine digitale Version des Stickers sind hier abrufbar.

Amulette

Erfurter Ausstellung zeigt israelische Kunst

Die Galerie Waidspeicher zeigt Werke israelischer Künstlerinnen und 555 Hamsa-Amulette aus Jerusalem. Das Motiv der Hamsa in Form einer geöffneten Hand ist im Judentum, im Islam und im Christentum gebräuchlich

von Matthias Thüsing  10.03.2026

München

Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt

Der Kolumnist bedient sich bei einem Podcast eines Slogans der Nationalsozialisten, um damit den AfD-Nachwuchs zu kritisieren. Deshalb wird gegen ihn ermittelt - jedoch nicht besonders lang

 10.03.2026

TV-Tipp

Die Puppe mit dem Hitlergruß: Das turbulente Leben der Unternehmerin Käthe Kruse

»Ich kauf‘ Euch keine Puppen - macht Euch selber welche!« Max Kruses junge Geliebte nahm diese brüske Absage wortwörtlich und wurde berühmt. Arte zeichnet die bewegte Biografie von Käthe Kruse nach

von Manfred Riepe  10.03.2026

New York

Ben Stiller: »Krieg ist kein Film«

Immer wieder nutzt die US-Regierung bekanntes Film- oder Musikmaterial für eigene Videoclips - wohl ohne zu fragen. Jetzt beschwert sich deswegen Schauspieler Ben Stiller

 10.03.2026

Comedy

Streichelzoo mit Fischen

Die Serie »JoJo & Simha: Exploring Berlin3000« erzählt auf Social Media von drei tollpatschigen jüdischen Handwerkern der Zukunft

von Pascal Beck  09.03.2026

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Sprache

»Wat willste?«

Die Autorin Lea Streisand hat ein Buch über den vielleicht schönsten Dialekt des Deutschen geschrieben, das Berlinerische. Ein Besuch zwischen »ick«, »icke« und »dufte«

von Katrin Richter  08.03.2026

Berlin/Los Angeles

Weimer lädt Chalamet in die Oper ein: »Kann mal daneben liegen«

Interessiert sich wirklich niemand mehr für Oper und Ballett? So findet es zumindest »Marty Supreme«-Star Timothée Chalamet. Wie der Kulturstaatsminister den Oscar-Anwärter umstimmen will

 08.03.2026