Thüringen

900 Jahre jüdisches Leben

Die Thüringer Staatskanzlei Foto: imago images / Schöning

Mit einem Konzert am 1. Oktober im Erfurter Kaisersaal soll das Themenjahr »Neun Jahrhunderte Jüdischen Leben in Thüringen« starten. Das gleichnamige Kuratorium ist knapp drei Monate zuvor am Montag in der Erfurter Staatskanzlei zum ersten Mal zusammengekommen.

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Das Themenjahr geht auf eine Initiative der beiden großen christlichen Kirchen und der Jüdischen Landesgemeinde zurück und soll in den folgenden zwölf Monaten den Beitrag der Juden für die Kultur und das Leben in der Region wieder sichtbar machen und für die Zukunft bewahren.

Vorsitz Dem Kuratorium gehören neben dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, und den beiden Bischöfen Friedrich Kramer von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und Ulrich Neymeyr vom Bistum Erfurt unter anderem Vertreter des öffentlichen Lebens wie der Präsident der Universität Jena, Walter Rosenthal, der Musikalische Leiter der Achava-Festspiele, Jasha Nemtsov, und der Chef der Staatskanzlei sowie Antisemitismusbeauftragte des Freistaats, Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), an.

Wesentliche Ereignisse sollen die »Jüdisch-Israelischen Kulturtage«, der »Yiddish Summer« und das »Achava«-Festival sein.

Er sei der Landesregierung für die Einrichtung des Gremiums sehr dankbar, mit dessen Hilfe die Vorhaben des Themenjahres einer breiteren Öffentlichkeit bekanntgemacht würden, sagte Schramm.

Nach Luther-Dekade und Reformationsjubiläum setze man jetzt einen christlich-jüdischen Akzent. Aus Schramms Sicht ist der auch bitter nötig. »Die Nazis haben ganze Arbeit geleistet, und die Erinnerung an die Juden in Politik, Kunst und Wissenschaft in Deutschland fast völlig ausgelöscht«, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zu den Höhepunkten zählt die Vollendung der neuen Tora-Rolle, die seit vorigen Oktober entsteht.

Zukunft Nach den bisherigen Planungen soll das Erbe jüdischen Lebens der alten Reichsstädte des Mittelalters wie der Residenzstädte der Neuzeit und im ländlichen Raum sichtbar gemacht werden. Das Themenjahr stehe damit gleichermaßen für die Bedeutung jüdischen Lebens heute und für das große Potenzial für die Zukunft des Landes, hieß es aus der Staatskanzlei.

Wesentliche Ereignisse des Themenjahres sollen die bereits seit einigen Jahren etablierten »Jüdisch-Israelischen Kulturtage«, der »Yiddish Summer« und das »Achava«-Festival sein. Zudem beteiligen sich nach aktuellem Stand 40 Einrichtungen im Freistaat am Programm. Sie bereiten laut Staatskanzlei mehr als 100 Veranstaltungen, darunter Konzerte, Ausstellungen und Lesungen, vor.

Höhepunkte Einer der Höhepunkte ist aus Schramms Sicht die Vollendung der neuen Tora-Rolle, die seit vorigen Oktober entsteht. Der Berliner Rabbiner Reuven Yaacobov setzt dabei als ausgebildeter Sofer Buchstaben für Buchstaben – insgesamt 304.805 – auf das Pergament.

Die Tora-Rolle ist ein Geschenk der evangelischen und katholischen Christen in Thüringen an die Jüdische Landesgemeinde.

40 Einrichtungen bereiten mehr als 100 Veranstaltungen und Konzerte vor.

Yaacobov will in den kommenden Monaten immer wieder nach Erfurt kommen, um öffentlich an der Tora-Rolle zu arbeiten. Bei den Veranstaltungen dürfen sich auch Christen an der Schreibarbeit beteiligen. Allerdings greifen sie nicht selbst zur Feder, sondern legen ihre Hand auf den schreibenden Arm des Rabbiners.

Im vorigen Herbst kam diese Ehre unter anderem den beiden Bischöfen zuteil. Geht alles gut, soll die neue Tora zum Ende des Themenjahres am 30. September 2021 fertig sein. epd

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