Schweiz

Zürich zahlt halbe Million Franken an UNRWA

Im Rathaus der Stadt Zürich hat der Gemeinderat eine umstrittene Entscheidung getroffen. Foto: IMAGO/imagebroker

Die Stadt Zürich soll »schnellstmöglich einen substanziellen Beitrag oder eine substanzielle Spende« zugunsten von Gaza sprechen: Das Zürcher Stadtparlament hat am Mittwochabend einen solchen Vorstoß mit 58 Ja zu 47 Nein-Stimmen an den Stadtrat überwiesen, mit fünf Enthaltungen.

Brisant an der Sache ist der umstrittene Empfänger: Das gespendete Geld soll an das Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) gehen. Der Vorstoß, der von Seiten der SP, Grünen und Alternative Liste (AL) kam, trug eine klare Botschaft: Wenn der Bund »nur« zehn Millionen Franken zur Verfügung stellt, müsse dafür die Limmatstadt aufkommen. Das forderten die Gemeinderatsmitglieder Severin Meier (SP), Selina Walgis (Grüne) und Tanja Maag Sturzenegger (AL). Der Stadtrat müsse angesichts der humanitären Lage in Gaza und der drohenden Hungersnot einen »substanziellen Beitrag« an das Uno-Hilfswerk leisten.

Heftige Debatte im Rathaus

Der Vorstoß führte zu einer scharfen Diskussion im Zürcher Gemeinderat. Die terroristischen Angriffe der Hamas auf Israel vom vergangenen Oktober seien aufs Schärfste zu verurteilen, sagte Severin Meier (SP). Gleiches gelte für die in der Folge begangenen Verletzungen des humanitären Völkerrechts durch Israels Armee.

»Es geht um humanitäre Hilfe, nicht um den Nahen Osten«, sagte Meier. Die Stadt Zürich könne zwar weder den Hamas-Terror beenden noch die Einhaltung des Völkerrechts sicherstellen, »aber sie kann einen Beitrag zur Linderung der humanitären Not leisten«, sagte Meier vor dem Stadtparlament. Es sei verheerend, dass die Schweiz voraussichtlich nur einen Teil des ursprünglich versprochenen Geldes an die UNRWA ausbezahlen werde.

Das Palästinenserhilfswerk der Uno sei »nicht perfekt«, brachten die Grünen in die Diskussion ein. Dies sei aber kein Grund, der Organisation kein Geld zu spenden. Denn ohne Geld gehe in Gaza derzeit nicht viel. Zürich müsse zeigen, »dass uns das Elend und der Hunger in Gaza nicht egal sind«.

Auch die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch bezeichnete die humanitäre Lage in Gaza als katastrophal: »Das ist eine Feststellung, keine Parteinahme.« Sie erwähnte zudem, dass Zürich bereits im Januar je 100.000 Franken zur Unterstützung der israelischen und der palästinensischen Bevölkerung gespendet habe. Es gelte, Antisemitismus und Islamophobie entschieden entgegenzutreten.

FDP und Grünliberale dagegen

Widerstand kam von den Mitte-Parteien, die sich gegen das Postulat aussprachen: Außenpolitik sei Sache des Bundes, hieß es von bürgerlicher Seite. So sah es auch die FDP: Die Erwähnung des umstrittenen Uno-Flüchtlingshilfswerks UNRWA zeige, dass die Postulanten die Außenpolitik des Bundes übersteuern wollen, der seinen Beitrag gekürzt habe, sagte Michael Schmid (FDP).

Der Fraktionspräsident der FDP nannte die ursprüngliche Formulierung der Linken eine Machtanmaßung. Mitnichten gehe es der Linken um humanitäre Hilfe, sondern um Außenpolitik, sagte er. Die Grünliberale Partei (GLP) schlug daher vor, die UNRWA aus dem Vorstoß zu streichen. Die Stadt solle den Bund in Sachen Entwicklungshilfe nämlich nicht ersetzen, sondern sich ihm anschließen.

Das fand auch Ronny Siev, GLP-Gemeinrat: Es wäre auch möglich, dass die Stadt eine andere Organisation begünstige, etwa das World Food Programme. Gegenüber dieser Zeitung sagt er: »Dass die Stadt und damit auch Zürichs Juden eine Organisation mitfinanzieren, die in Symbiose mit der Hamas steht und das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust ausgeübt hat, ist der Gipfel der Perversion.«

Es stehe dem Gemeinderat zudem nicht zu, Außenpolitik zu machen. GLP, Mitte und EVP wären mit einer Änderung des Textes zu einer Zustimmung zum Postulat zu bewegen gewesen. Ohne Anpassung sei es »ein Affront gegen die jüdische Bevölkerung Zürichs«, sagte Marita Verbali von der FDP. Doch der Antrag blieb chancenlos. Andere Organisationen als die UNRWA könnten vor Ort keine Hilfe leisten, brachten sie vor. Den linken Parteien reichten die eigenen Stimmen, um den Vorstoß durchzubringen.

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

WM 2026

Schweizer Fußball-Stars begeistern jüdische Kinder

Kinder und Jugendliche einer jüdischen Schule in San Diego haben mit der Schweizer Nationalmannschaft Fußball gespielt

von Nicole Dreyfus  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026

Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Zack Polanski gehört ebenso wie Jeremy Corbyn zu den Unterstützern einer Kampagne, die sich gegen britische Staatsbürger im israelischen Militär richtet

 05.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Großbritannien

Unterhausabgeordneter unterstellt Israel »Blutdurst«

In einer Parlamentsdebatte zu Israels Krieg gegen die Hisbollah im Libanon verstieg sich ein Parlamentarier zu antisemitischen Aussagen

 04.06.2026

Essay

Sündenfall des Big Apple

New Yorks Bürgermeister macht den Nahostkonflikt zur Innenpolitik und feiert BDS, während seine Frau den 7. Oktober rechtfertigt. Hinter der Fassade der Wohltäter steht die harte Ideologie der Ausgrenzung

von Louis Lewitan  04.06.2026

Brnenec

Museum in Oskar Schindlers Fabrik - Politiker sagen Unterstützung zu

Auf dem Gelände der früheren Fabrik von Oskar Schindler gibt es heute ein Museum. Noch zwickt es dort finanziell ordentlich. Aber Hilfe für die NS-Gedenkstätte ist zumindest am Horizont

von Alexander Brüggemann  03.06.2026