Charlie Hebdo

Zeichner Georges Wolinski unter den Opfern

Georges Wolinski (1934–2015) Foto: dpa

Bei einem Anschlag auf die Büros des französischen Satiremagazins »Charlie Hebdo« in Paris sind am Mittwochvormittag zwölf Menschen getötet worden. Wie französische Medien meldeten, handelt es sich um das bisher schlimmste Attentat in der französischen Geschichte.

Nach Zeugenaussagen stürmten mindestens zwei vermummte Täter das Redaktionsgebäude, erschossen Mitglieder der Redaktion und eröffneten bei der Flucht das Feuer auf die Polizei. Nach neuesten Informationen waren zehn der zwölf Todesopfer Journalisten, es starben zwei Polizisten.

Karikaturen Die vermutlich islamistischen Täter sollen sich »Charlie Hebdo« als Zielscheibe ausgesucht haben, weil die Zeitung immer wieder durch Kritik am Islam auffiel. 2006 hatte sie die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung »Jyllands-Posten« nachgedruckt.

Unter den Todesopfern sind auch die bekannten Karikaturisten Charb, Cabu, Tignous und Wolinski. Der 80-jährige Georges Wolinski, Sohn eines polnischen Juden und einer tunesischen Jüdin, galt als Mythos und als einer der produktivsten zeitgenössischen Karikaturisten Frankreichs. Zwischen 1970 und 1981 war er Chefredakteur von »Charlie Hebdo«.

Er zeichnete jedoch auch für andere Zeitungen und Nachrichtenmagazine wie »Libération« oder den »Nouvel Observateur« und drehte Werbespots. Sich selbst bezeichnete er als »Chronisten des aktuellen Geschehens«. In einem Interview sagte Wolinski, er selbst und sein Kollege Charb versuchten einfach, gute Zeichnungen zu machen und die Leute zum Lachen zu bringen. Sie seien keine Provokateure.

crif
Der Vorsitzende des Conseil Représentatif des Institutions juives de France (CRIF), Roger Cukierman, nannte den Anschlag in der Online-Ausgabe des »Algemeiner.com« einen fürchterlichen Angriff auf die französische Demokratie. Islamisten wollten die Scharia in der restlichen Welt einführen, sagte Cukierman. »Wir müssen verstehen, dass dies eine Sache von Leben und Tod für westliche Demokratien ist.«

Der französisch-jüdische Parlamentsabgeordnete Meyer Habib sagte im israelischen Radio: »Das ist unser 11. September.« Habib erinnerte an die Anschläge vor einer jüdischen Schule im März 2012 und im Jüdischen Museum Brüssel im Mai 2014. »Wir haben davor gewarnt, dass sich dies auf ganz Frankreich ausbreitet – zu unserem Bedauern ist es genau so gekommen.«

krisentreffen Wie Habib sagte, werden Vertreter jüdischer Gruppen am Donnerstag zu einem Krisentreffen zusammenkommen. Dabei soll es vor allem um die Sicherheit von Juden und jüdischen Einrichtungen gehen. Bei dem Anschlag am Mittwoch seien Juden zwar nicht das spezielle Ziel der Täter gewesen, »aber sie stehen immer an vorderster Front«, sagte Habib. »Ich fühle mich bedroht, wie alle Juden.«

Frankreichs Oberrabbiner Haïm Korsia erklärte über Facebook: »Ich bin entsetzt und schockiert. Ich spreche den Familien der Opfer mein Beileid aus. Die gesamte Nation trauert. Sie muss mit den leidtragenden Familien brüderlich und solidarisch zusammenstehen.«

Auch Moshe Kantor, Präsident des European Jewish Congress, drückte den Familien der Ermordeten sein tiefstes Mitgefühl aus. »Wir stehen solidarisch Schulter an Schulter mit den Franzosen«, sagte Kantor. »Das ist ein Krieg gegen die Meinungsfreiheit.«

Ukraine

Im Schatten der Drohnen

In Odessa, wo Strom, Wasser und die Sicherheit knapp sind, zeigen selbst jene, die kaum etwas haben, Solidarität und Mitmenschlichkeit – ganz nach dem Prinzip »Sei a Mentsch«. Ein Ortsbesuch

von Andreas Tölke  25.02.2026

Liechtenstein

Kein Ort, keine Geschichte

Vom Eschnerberg bis Vaduz: Jüdische Spuren im sechstkleinsten Staat der Welt

von Mark Feldon  25.02.2026

Großbritannien

»Intellektuell bankrott«: Für Englands Grüne ist Zionismus gleich Rassismus

Ein Antrag zum Parteitag der Greens erkennt Israel das Existenzrecht ab und fordert stattdessen einen Staat Palästina. Selbst der jüdische Grünen-Vorsitzende will zustimmen

von Michael Thaidigsmann  25.02.2026

Frankreich

Wahlkämpfer beleidigen Rentnerin als »dreckige Jüdin«

Im 19. Bezirk wurde einem Bericht des Senders »Europe 1« zufolge am Sonntag eine jüdische Frau von Mitgliedern der israelfeindlichen Partei »La France Insoumise« angegangen

 24.02.2026

London

Epstein-Skandal: Peter Mandelson festgenommen

Nach Ex-Prinz Andrew wird nun auch das frühere Kabinettsmitglied Peter Mandelson wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Sexualstraftäter Epstein festgenommen

 23.02.2026

Frankreich

Ermittlungen nach Hitlergruß vor Rabbiner in Lyon

Nach einem Hitlergruß gegenüber einem Rabbiner in Lyon hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Gedenkmarsch für einen getöteten rechten Aktivisten am Wochenende?

von Johannes Peter Senk  23.02.2026

Mailand

Jüdischer Eishockey-Star Jack Hughes schießt USA zu historischem Olympia-Gold

Der 22-Jährige erzielt den entscheidenden Treffer gegen Kanada und beendete damit eine 46 Jahre lange Durststrecke der amerikanischen Männer-Auswahl

 23.02.2026

Großbritannien

Hoffen auf ein Wunder

Eine der letzten Synagogen des Londoner East End könnte trotz aller Rettungsversuche zu einer Moschee werden

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  22.02.2026

Nachruf

»Grey’s Anatomy«-Star Eric Dane im Alter von 53 Jahren gestorben

Nach Angaben seiner Familie erlag er Komplikationen infolge seiner ALS-Erkrankung

 20.02.2026