Griechenland

»Wir müssen genau hinsehen«

David Saltiel Foto: pr

Herr Saltiel, in Griechenland sitzt seit einer Woche die rechtsnationale Partei Laos mit auf der Regierungsbank. Was bedeutet das für die jüdische Gemeinde des Landes?
Griechenland befindet sich in einer ausgesprochen schwierigen Lage. Unser Land kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Angesichts dessen haben die beiden großen Parteien – die sozialdemokratische Pasok und die konservative Nea Dimokratia – beschlossen, eine Koalitionsregierung zu bilden. Allerdings sind wir ein wenig bestürzt darüber, dass Laos an der Regierung beteiligt ist.

Protestieren Sie dagegen?
Nein, denn diese Koalitionsregierung ist eine Notwendigkeit. Wir sind davon überzeugt, dass der neue Premierminister Lucas Papademos keinen Verfassungsbruch zulassen und den Kampf gegen Antisemitismus fortsetzen wird. Wir glauben, dass die Demokratie erhalten bleibt. Aber wir müssen die Situation genau beobachten. Wir unterstützen die neue Regierung und wünschen uns, dass wir die Schuldenkrise überstehen.

Können die Juden im Land dieser Regierung wirklich trauen?
Laos stellt nur einen sehr geringen Teil des Kabinetts, lediglich einen Minister und einen Staatssekretär. Wir müssen abwarten und genau hinsehen. Natürlich hoffen wir, dass alles reibungslos verläuft. Wir vertrauen der Persönlichkeit des neuen Ministerpräsidenten Papademos.

Führende Laos-Politiker leugnen den Holocaust, äußern sich in der Öffentlichkeit antisemitisch – und die jüdische Gemeinde im Land findet sich damit ab, dass die Rechten mitregieren?
Wir haben da nichts mitzuentscheiden. Es sind die Parteien, die beschließen, wer zur Koalitionsregierung gehören soll. Das Einzige, was wir tun können, ist, die Lage sehr genau zu beobachten. Es geht darum, Griechenland vor der wirtschaftlichen Katastrophe zu bewahren. Deshalb braucht es diese Regierung bis zu den Wahlen Anfang nächsten Jahres.

Mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Griechenland sprach Tobias Kühn.

Rituelles Schlachten

Religionsfreiheit in Gefahr

In einer spektakulären Anhörung legten Vertreter jüdischer Gemeinden ihre Standpunkte dar

von Anina Valle Thiele  09.07.2020

ZOOM

Virtuell gedenken

In einem Online-Gottesdienst erinnerten Europas jüdische Gemeinden an die Toten der Corona-Pandemie

 09.07.2020

Brasilien

Verteidiger der Demokratie

Mit Luiz Fux wird erstmals ein jüdischer Jurist Präsident des Obersten Bundesgerichts

von Andreas Knobloch  09.07.2020

Osteuropa

Geste der Anerkennung

Ein neues Rentenprogramm von Claims Conference und Auswärtigem Amt unterstützt bedürftige »Gerechte unter den Völkern«

von Jérôme Lombard  09.07.2020

Schwerin

Trauer um Rabbiner William Wolff

Der langjährige Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern ist im Alter von 93 Jahren gestorben

 08.07.2020 Aktualisiert

Interview

»Zum Glück war ich unausgeglichen«

Der Psychiater Boris Cyrulnik über Trauma und Resilienz aus psychiatrischer Sicht und Corona-Lockerungen in Frankreich

von Ute Cohen  08.07.2020

Vor EuGH-Termin

Juden und Muslime kritisieren Schächtverbot

Mündliche Verhandlung zum Verbot der koscheren Schlachtung in der Flämischen Region Belgiens geplant

 07.07.2020

Würdigung

Österreich schafft Auszeichnung gegen Antisemitismus

Die Ehrung wird nach dem Publizisten und Schoa-Überlebenden Simon Wiesenthal benannt

 07.07.2020

Österreich

Der Handaufleger

Der Wiener Dennis Weinmann versucht, bei Menschen und Tieren Selbstheilungskräfte zu wecken

von Tobias Kühn  06.07.2020