Niederlande

Wer verriet das Versteck von Anne Frank?

Das Haus in der Prinsengracht, in dem sich Anne Franks Familie verstecken musste. Foto: imago images/Richard Wareham

Das Versteck von Anne Frank und ihrer Familie in Amsterdam vor den Nationalsozialisten soll nach neuen Untersuchungen sehr wahrscheinlich von einem jüdischen Notar verraten worden. Dieses Ergebnis eines Untersuchungsteams wurde am Montag in niederländischen Medien präsentiert.

Demnach soll der Notar Arnold van den Bergh offenbar den deutschen Besatzern eine Liste mit Verstecken von Juden in Amsterdam übergeben haben, um das Leben seiner eigenen Familie zu retten. Fünf Jahre lang hatte ein internationales Team den Fall mit den neuesten Techniken untersucht.

Hauptbeweis sei die Kopie eines anonymen Briefes, den Annes Vater Otto Frank 1946 bekommen hatte. Darin wird der Name des Notars bereits genannt. Das Original des Briefes ist zwar verschwunden, im Amsterdamer Stadtarchiv war jedoch eine Kopie gefunden worden. Diese Spur war nach Angaben der Untersucher bisher nie ausführlich untersucht worden.

Zweifel In den Niederlanden gibt es unterschiedliche Reaktionen auf die Veröffentlichung. Ronny Naftaniel, der Vorsitzende des Central Jewish Board of the Netherlands findet es doch sehr spekulativ, wie er twitterte. Den Verrat Anne Franks einem Mitglied des Jüdischen rates anzuhängen, gehe doch sehr weit. Er könne sich nicht mehr wehren.

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Deportation Die jüdische Familie Frank sowie vier weitere Menschen waren von 1942 bis 1944 in einem Hinterhaus in Amsterdam untergetaucht. Dort hatte Anne (1929-1945) ihr weltberühmtes Tagebuch geschrieben. Im August 1944 wurde das Versteck verraten. Die Familie wurde in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Nur Vater Otto überlebte.

Der Notar war Mitglied des Jüdischen Rates, hatte daher viele Kontakte und war zunächst vor Deportation geschützt. Doch 1944 fiel dieser Schutz weg, und soll er in seiner Verzweiflung die Verstecke verraten haben, um seine Frau, seine drei Töchter und sich selbst zu retten.

77 Jahre nach Kriegsende gebe es zwar keine absolute Gewissheit, sagte der ehemalige Ermittler des amerikanischen FBI, Vince Pankoke, der maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war. »Unsere Theorie hat aber eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent«, sagte er im Radio. dpa, ja

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