Argentinien

»Weisheit und Feuer«

Pablo Jacoby (1953–2016)

Ein einfacher jüdischer Anwalt aus dem Once», so bezeichnete Pablo Miguel Jacoby sich selbst. Once, so heißt das traditionelle jüdische Viertel von Buenos Aires. Doch Pablo Jacoby, der deutsch-jüdische Wurzeln hatte, war alles andere als ein einfacher Anwalt – er gehörte zu den besten seiner Zunft in Argentinien. Auch in Bescheidenheit und Understatement war der stets liebenswürdige Jurist, der sowohl die argentinische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besaß, kaum zu übertreffen. Nun ist er mit 63 Jahren völlig unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben.

2011 vertrat Pablo Jacoby die deutsche Bundesregierung in einem Prozess um Verbrechen, die in den 70er-Jahren in El Vesubio begangen wurden, einem Geheimgefängnis und Folterzentrum der argentinischen Militärdiktatur (1976–1983). Eines der Opfer, die in El Vesubio festgehalten wurden, war die Deutsche Elisabeth Käsemann. Im Mai 1977 wurde sie tot aufgefunden – einer Obduktion zufolge war sie von hinten erschossen worden. Pablo Jacoby und die anderen Anwälte in dem Prozess erreichten langjährige Haftstrafen für mehrere ehemalige Militärs und Gefängniswärter.

AMIA Jacoby vertrat auch etliche Angehörige, die seit mehr als 20 Jahren Gerechtigkeit für die Opfer des Bombenanschlags auf das jüdische Gemeinschaftszentrum AMIA in Buenos Aires fordern. Er war Anwalt der Vereinigung Memoria Activa. Die brachte vergangene Woche ihren Schmerz über Jacobys plötzlichen Tod zum Ausdruck: «Er war vor allem ein Freund, der uns immer begleitet hat», schrieben die Angehörigen der Anschlagsopfer und hoben Jacobys Weisheit und Geduld, seine didaktischen Fähigkeiten und seinen Humor hervor.

Pablo Jacoby war als Spezialist für Medienrecht und Verteidiger der Pressefreiheit bekannt. Er vertrat argentinische Journalisten und Zeitungen, darunter Página/12 und das Satireblatt Barcelona. Die renommierte Anwaltskanzlei JC Abogados y Asociados, die Jacoby 2006 mitgründete, hat eine ihrer Säulen verloren. Seine Kollegen werden seine Menschlichkeit und Großzügigkeit vermissen, und – wie ein junger Kollege es formulierte – «die Leidenschaft und das innere Feuer», mit dem Pablo Jacoby den Anwaltsberuf ausübte.

Umfrage

Ahnungslos in Frankreich

Studie der Claims Conference zeigt große Wissenslücken zum Holocaust unter jüngeren Menschen auf

von Michael Thaidigsmann  22.01.2020

Rückblick

Der Weg zum Schoa-Gedenktag

Der 27. Januar ist ein Tag des Innehaltens und Nachdenkens über die Vergangenheit

 21.01.2020

Grossbritannien

Lord Speaker

Die Labour-Partei schlägt vor, den früheren Parlamentschef und Tory-Politiker John Bercow zu adeln

 20.01.2020

Italien

Salvini spricht sich für Jerusalem als Hauptstadt Israels aus

Zugleich fordert der Chef der rechtspopulistischen Lega ein Verbot der antisemitischen BDS-Bewegung

 20.01.2020

Frankreich

»Die Täter sind tabu«

Der Historiker Georges Bensoussan über muslimischen Antisemitismus, Islamismus und Terror

von Karl Pfeifer  18.01.2020

Ägypten

Kiddusch in Alexandria

Berliner Beter besuchen Synagogen und folgen Maimonides’ Spuren. Eine Reportage

von Gerhard Haase-Hindenberg  18.01.2020

Kanada

Brettspiel nach Protesten jüdischer Gruppen zurückgezogen

»Secret Hitler« zählte bei Amazon zu den Bestsellern im Spielwarensegment

von Michael Thaidigsmann  16.01.2020

USA

Vom Stamme der Laguna

Mit Raquel Montoya-Lewis wird erstmals eine indianisch-jüdische Frau Mitglied eines Obersten Gerichts

von Michael Thaidigsmann  16.01.2020

Zivilklage

Jeffrey Epstein soll bis 2018 junge Frauen missbraucht haben

Der Missbrauchsskandal hat anscheinend noch größere Ausmaße als bisher bekannt

 16.01.2020