Russland

US-Reporter Gershkovich wird vor Gericht gestellt

Evan Gershkovich steht vor dem Moskauer Stadtgericht in einem in den Saal eingebauten Käfig. (Juni 2023) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die russische Staatsanwaltschaft hat den seit über einem Jahr in einem Moskauer Gefängnis inhaftierten Journalisten Evan Gershkovich jetzt offiziell wegen Spionage angeklagt. Dem 32-jährigen US-Amerikaner, der für die Wirtschaftszeitung »Wall Street Journal« (WSJ)arbeitet, soll in Jekaterinburg der Prozess gemacht werden, teilte das Büro des Generalstaatsanwalts der Russischen Föderation am Donnerstag mit.

Gershkovich war am 29. März 2023 in Jekaterinburg verhaftet worden, wo er über die Wagner-Gruppe recherchierte. Die russischen Behörden werfen ihm Spionage vor, was Gershkovich, das WSJ und die US-Regierung vehement bestreiten. Zur Anklage heißt es jetzt von russischer Seite, die Ermittlungen hätten den Verdacht bestätigt, dass Gershkovich im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA geheime Informationen über das Rüstungsunternehmen JSC NPK Uralvagonzavod beschaffen wollte. Bislang war nur unspezifisch von einem ausländischen Geheimdienst als angeblichem Auftraggeber die Rede gewesen. Gershkovich hatte zum Zeitpunkt seiner Verhaftung eine offizielle Akkreditierung als ausländischer Medienvertreter in Russland.

Racheakt Moskaus

Wenige Tage vor seiner Verhaftung hatten die US-Behörden einen russischen Staatsbürger wegen Spionage für den russischen Auslandsgeheimdienst SWR angeklagt. Die Verhaftung von Gershkovich, dessen Eltern aus der früheren Sowjetunion stammen und Ende der 1970er-Jahre in die USA flohen, war von vielen als Reaktion darauf Anklage bewertet worden. Außerdem gilt Gershkovich als Faustpfand für mögliche Gefangenenaustausche.

Das WSJ und dessen Mutterkonzern Dow Jones haben nach den Ankündigungen der russischen Staatsanwaltschaft noch einmal Gershkovichs sofortige Freilassung gefordert. Die Anklage sei falsch und haltlos und der nächste Schritt hin zu einem Schauprozess, heißt in dem ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Statement von Dow-Jones Vorstandschef Almar Latour und WSJ-Chefredakteurin Emma Tucker. Wann und unter welchen Bedingungen der Prozess gegen Gershkovich stattfinden soll, ist bislang nicht bekannt. Er ist der erste ausländischen Journalist seit Ende des Kalten Krieges, der in Russland inhaftiert wurde. Im Fall einer Verurteilung könnten ihm mehr als 20 Jahre Haft drohen.

Großbritannien

Frauen haben Besseres verdient

Die Journalistin Marina Gerner beklagt in ihrem Buch fehlende Innovationen im Bereich Frauengesundheit – und eckt nicht nur mit dem Titel an

von Amie Liebowitz  28.11.2025

Kultur

André Heller fühlte sich jahrzehntelang fremd

Der Wiener André Heller ist bekannt für Projekte wie »Flic Flac«, »Begnadete Körper« und poetische Feuerwerke. Auch als Sänger feierte er Erfolge, trotzdem konnte er sich selbst lange nicht leiden

von Barbara Just  28.11.2025

Niederlande

Demonstranten stören Vorlesung in Gedenken an Nazi-Gegner

An der Universität Leiden erzwangen antiisraelische Studenten die Verlegung einer Gedächtnisvorlesung zum Andenken an einen Professor, der während der Nazi-Zeit gegen die Judenverfolgung protestiert hatte

von Michael Thaidigsmann  28.11.2025

Großbritannien

Verdächtiger nach Anschlag auf Synagoge in Manchester festgenommen

Der Angriff auf die Synagoge am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur sorgte international für Bestürzung. Jetzt wurde ein weiterer Tatverdächtiger festgenommen

von Burkhard Jürgens  27.11.2025

Bereit fürs ICZ-Präsidium: Noëmi van Gelder, Arthur Braunschweig und Edi Rosenstein (v.l.n.r.)

Interview

»Meinungsvielfalt gilt es auszuhalten« 

Am 8. Dezember wählt die Gemeindeversammlung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ein neues Präsidium. Ein Gespräch mit den Kandidaten über Herausforderungen an die Gemeinde, Grabenkämpfe und Visionen

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Schweiz

Antisemitismus auch in der queeren Szene benennen

Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich teils unsicher, wenn in der queeren Szene über Israel gesprochen wird. Der Verein Keschet will das ändern

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Das Ausmalbuch "From the river to the sea" in einer Buchhandlung in Zürich.

Meinung

Mit Kufiya und Waffen

Ein Kinderbuch mit Folgen

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.11.2025

USA

Personifizierter Hass

Menschen wie Nick Fuentes waren lange ein Nischenphänomen. Nun drängen sie in den Mainstream - und sind gefährlicher denn je

von Sophie Albers Ben Chamo  26.11.2025

Meinung

Die polnische Krankheit

Der Streit um einen Tweet der israelischen Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem zeigt, dass Polen noch immer unfähig ist, sich ehrlich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen

von Jan Grabowski  26.11.2025