Analyse

Wie der Kreml die Lage in Israel für den Krieg in der Ukraine nutzen will

Der Kreml auf dem Roten Platz Foto: picture alliance / Westend61

Russland wird aus Sicht von US-Experten die Angriffe der Terrororganisation Hamas gegen Israel auch für seinen Krieg gegen die Ukraine auszunutzen. In einer Informationskampagne werfe der Kreml dem Westen vor, die Konflikte im Nahen Osten zugunsten der Unterstützung für die Ukraine vernachlässigt zu haben, schrieb das Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington am Samstag (Ortszeit) in einer Analyse.

Die Experten verwiesen etwa darauf, dass das russische Außenministerium den Westen beschuldigt habe, zuletzt die Bemühungen des Nahost-Quartetts, zu dem neben Russland die USA, die EU und die Vereinten Nationen gehören, blockiert zu haben.

Gespräche Russland hat nach Angaben des Außenministeriums in Moskau auch Kontakte zur islamistischen und im Gazastreifen herrschende Terrororganisation Hamas, die von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft wird. So führte etwa der Nahost-Beauftragte des Kreml, Vizeaußenminister Michail Bogdanow, mehrfach in diesem Jahr Gespräche mit Hamas-Vertretern – am Telefon und bei persönlichen Begegnungen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies nach Angaben des Ministeriums auch am Samstag wieder auf Moskaus Initiative für eine Zweistaatenlösung hin.

Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew, der Vizechef im nationalen russischen Sicherheitsrat ist, meinte im Messaging-Dienst Telegram, dass die Gewalt zwischen der Hamas und Israel zu erwarten gewesen sei. »Damit hätten sich mal Washington und seine Verbündeten beschäftigen sollen«, schrieb Medwedew. Die USA seien in dem Konflikt zwischen Israel und Palästina ein Schlüsselakteur.

Angelegenheiten Statt sich mit einer israelisch-palästinensischen Lösung zu befassen, hätten diese »Trottel« sich aber in Russlands Angelegenheiten eingemischt, meinte Medwedew. Sie hätten mit ihrer Unterstützung für die Ukraine zwei sich nahe stehende Völker gegeneinander aufgebracht. Russland hatte den Krieg gegen die Ukraine im Februar 2022 begonnen.

Russische Kommentatoren gingen davon aus, dass der Krieg der Hamas gegen Israel die Aufmerksamkeit von der Ukraine ablenken werde, weil der Westen nun das »ewige Feuer« im Nahen Osten löschen wolle.

Russische Politiker äußerten indes die Hoffnung, dass etwa die wegen Moskaus Krieg gegen die Ukraine nach Israel geflohenen IT-Spezialisten und andere Experten vor der neuen Gewalt dort fliehen und in ihre Heimat zurückkehren könnten. Israel gehört zu den begehrtesten Auswanderungszielen für Russen mit jüdischen Wurzeln, die dort vergleichsweise leicht die Staatsbürgerschaft bekommen. dpa

Interview

Lachen in Zeiten des Krieges

Der Comedian Modi über eine Pause vom Horror und die Kraft der »Moshiach Energy«

von Sophie Albers Ben Chamo  03.12.2023

Dubai

Nazi-Vergleich: Bundesregierung kritisiert Kolumbiens Präsidenten

Das Außenamt wirft Gustavo Petro inakzeptable Äußerungen vor

 02.12.2023

Porträt

Ex-Außenminister der USA und Graue Eminenz der Weltpolitik

In Fürth geboren - in der Welt zuhause: Henry Kissinger starb mit 100 Jahren

von Joachim Heinz  30.11.2023

Nachruf

Henry Kissinger ist tot

Der frühere Außenminister mit deutsch-jüdischen Wurzeln wurde 100 Jahre alt

von Julia Naue  30.11.2023

Tschechien

Ziemlich beste Freunde

Prag ist ein enger Verbündeter Israels – dies hat eine lange Tradition

von Kilian Kirchgeßner  29.11.2023

Russland

Kremlinterne Antisemitismus-Studie geleakt

Mehrere Umfragen zeigen das manipulative Spiel mit dem Judenhass

von Alexander Friedman  29.11.2023

USA

Wenn Hummus essen politisch wird

Eine neue Initiative wirft der israelischen Küche Kolonialismus vor und ruft dazu auf, Speisen und Restaurants zu boykottieren

von Dana Wüstemann  28.11.2023

London

Tausende gegen Antisemitismus

Auch der frühere Premierminister Boris Johnson beteiligte sich

 27.11.2023

Großbritannien

BBC-Mitarbeiter dürfen nicht zu Demo gegen Antisemitismus

Der Sender hat auch jüdischen Journalisten untersagt, an einem Protestmarsch am Sonntag in London teilzunehmen

 24.11.2023