Australien

Unterstützung für die Opfer der Buschbrände

Luftaufnahme: Waldbrand an Australiens Küste Foto: imago images/ZUMA Press

Australien

Unterstützung für die Opfer der Buschbrände

Jüdische Organisationen initiieren Hilfsaktionen und rufen zu Spenden auf

von Milan Marcus  30.01.2020 13:56 Uhr

Australiens Juden hatten am 26. Januar Grund zur Freude. Mehr als 40 von ihnen wurden zum Australia Day für ihr gesellschaftliches Engagement geehrt. Und da der Nationalfeiertag in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, war auch der Montag zum Feiertag erklärt worden. An jenem Tag hat im jüdischen Kalender der Schewat begonnen, der Monat, in dem das Neujahrsfest der Bäume, Tu Bischwat, begangen wird.

Es scheint daher passend, dass in vielen Synagogen am Samstagmorgen der Toralesung ein Gebet für den Regen folgt. Doch der Grund dafür ist weniger fröhlich: Die Buschfeuer betrüben die Feierlaune im gesamten Land, in vielen Orten wurde auch das Feuerwerk zum Nationalfeiertag abgesagt.

Asche Zwar konnten inzwischen viele der schlimmsten Feuer unter Kontrolle gebracht werden, doch das heißt lediglich, dass keine Gefahr einer weiteren Ausbreitung besteht. Seit September wüten die Buschfeuer wie selten zuvor: Auf einer Fläche so groß wie Island bleiben fast nur Schutt und Asche zurück. Mehr als 30 Menschen sind den Bränden zum Opfer gefallen, Tausende mussten fliehen. Man schätzt, dass eine Milliarde Tiere durch das Feuer ums Leben gekommen sind.

Jetzt liegt der Fokus vor allem auf Unterstützung der Feuerwehrleute und der Betroffenen.

Auch die jüdische Gemeinschaft initiierte Hilfsaktionen. Der Executive Council of Australian Jewry, die Vertretung australischer Juden, ruft seine Mitglieder dazu auf, »großzügig zu spenden«. Das New South Wales Jewish Board of Deputies hatte schon im November zusammen mit der Organisation »Stand Up« zu einer Spendenaktion aufgerufen.

Laut dem Vorsitzenden des Board of Deputies, Vic Alhadeff, haben die Gemeindemitglieder bisher umgerechnet rund 4,3 Millionen Euro gespendet. Man unterstütze die Betroffenen »in dieser noch nie da gewesenen nationalen Katastrophe, ob als freiwillige Feuerwehrleute, durch Spenden oder das Kochen Hunderter Mahlzeiten«, sagt Alhadeff.

Der Großteil der Juden in Australien lebt in den Metropolregionen Sydney und Melbourne, die zwar vom Rauch erfasst wurden, nicht aber von den Bränden.

Der Großteil der Juden in Australien lebt in den Metropolregionen Sydney und Melbourne, die zwar vom Rauch erfasst wurden, nicht aber von den Bränden. Einige Juden leben jedoch in ländlichen Gegenden, die direkt vom Feuer betroffen waren.

Zwei von ihnen sind Corinne und Hallie Fernandez-Markov. Das jüdische Paar lebt seit 20 Jahren »im Busch«, etwa auf halbem Weg zwischen Sydney und Melbourne im Bega-Tal. Dort wütete um den Jahreswechsel ein Buschfeuer unkontrollierbar, sie mussten ihr Haus verlassen. Als sie nach mehreren Tagen zurückkehrten, war die Hitze noch in der Erde zu spüren. Der Himmel war abwechselnd glühend orange oder dunkelgrau und die Luft voller Rauch. Das Atmen fiel schwer.

Das Paar ist relativ glimpflich davongekommen. Abgesehen von der Asche, die überall liegt, ist ihr Eigentum unbeschädigt geblieben. Viele ihrer Freunde hatten weniger Glück; ihre Schuppen und Traktoren wurden zerstört, die Tiere verbrannten oder verdursteten.

Hoffnung »Es ist schwierig, den Leuten in der Großstadt zu erklären, wie es ist, wenn man das Haus verlässt und nur Asche sieht«, meint Corinne. So fuhr sie vergangene Woche mit aktuellen Fotos und einer PowerPoint-Präsentation nach Melbourne und rief zur Spendenaktion für einen Freund auf, dessen Abzäunung einer gut 550 Hektar großen Fläche zerstört wurde.

Mehrere Tausend Dollar kamen zusammen. Corinne weiß, dass dies nur ein kleiner Beitrag ist. »Wir können natürlich bei Weitem nicht jedem helfen«, sagt sie. Doch sei es enorm wichtig, durch gemeinschaftliche Aktionen den Opfern der Brände die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben. Die Betroffenen würden noch lange unter der Erinnerung der traumatischen Ereignisse leiden. Daher sei eine stärkere Reaktion der Regierung gefragt.

Vor allem Premierminister Scott Morrison wird wegen seines Umgangs mit der Situation kritisiert. Der Regierungschef weigerte sich lange, einen Zusammenhang zwischen den Bränden und dem Klimawandel zu sehen. Im Dezember zog er den Zorn der Australier auf sich, weil er in den Urlaub flog, als die Feuer durchs Land tobten.

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Eine iranisch-islamistische Terrorgruppe bekennt sich zu einem Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.03.2026

London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

Das Engagement des Monarchen für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« passe eng zur Arbeit des Community Security Trust, so die Organisation

 25.03.2026

Nachruf

Chuck Norris ist doch sterblich

Der Actionstar und Meme-König wurde 86 Jahre alt. Und war immer ein großer Freund Israels

von Sophie Albers Ben Chamo  25.03.2026

Russland

Kleines Haus, große Herausforderung

Einst trugen Schoa-Überlebende in Sankt Petersburg eine Ausstellung zusammen. Nun ist daraus ein Museum geworden, das auch jungen Menschen die jüdische Geschichte näherbringt

von Polina Kantor  24.03.2026

Belgien

Zwei Festnahmen nach Brandstiftung in Antwerpen

Zwei Minderjährige sollen an der Grenze zum jüdischen Viertel ein Auto angezündet haben

 24.03.2026

Großbritannien

Vier Krankenwagen vor Synagoge in Brand gesteckt

Die Londoner Polizei geht von einem antisemitischen Motiv aus

 23.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  20.03.2026 Aktualisiert