Kanada

Trauer um Schoa‐Überlebenden George Brady

George Brady (2009 bei der Verfilmung der Erzählung »Hanas Koffer«) Foto: dpa

Der kanadische Holocaust‐Überlebende tschechischer Herkunft George Brady ist tot. Der 90‐Jährige starb an Herzversagen in Toronto, meldete am Samstag die tschechische Agentur CTK unter Berufung auf Bradys Neffen, Tschechiens Ex‐Kulturminister Daniel Herman.

Brady, der aus einer jüdischen Familie stammte, hatte während des Zweiten Weltkriegs die nationalsozialistischen Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt. Seit 1951 lebte er in Kanada.

VERDIENSTE Über seine Holocaust‐Erfahrungen referierte Brady laut CTK auf der ganzen Welt. Für sein Engagement erhielt er unter anderem den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Brady hatte die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt.

George Brady wurde am 9. Februar 1928 als Jiri Brady in Nove Mesto (Neustadt) in Mähren geboren. Während des Zweiten Weltkriegs starben sowohl seine Eltern als auch seine Schwester in Konzentrationslagern. Brady gelang im Januar 1945 während eines Todesmarsches die Flucht.

Das Schicksal seiner Schwester Hana, die nicht einmal 14 Jahre alt wurde, machte er gemeinsam mit der Kinderbuchautorin Karen Levine einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Kanada kennt fast jedes Kind die Erzählung von Hanas Koffer.

MUSEUM Das Gepäckstück des in den Gaskammern ermordeten Mädchens wurde von einer Kuratorin des Holocaust‐Museums in Tokio entdeckt, die Brady daraufhin kontaktierte.

In Kanada kennt fast jedes Kind Bradys Erzählung »Hanas Koffer«.

Für Kontroversen sorgte 2016 die Weigerung des tschechischen Präsidenten Milos Zeman, Brady zum Nationalfeiertag einen Orden zu verleihen. Das Parlament hatte den Holocaust‐Überlebenden vorgeschlagen.

Hintergrund soll ein Treffen des damaligen Ministers Herman mit dem Dalai Lama, dem geistigen Oberhaupt der Tibeter gewesen sein. Kritiker warfen Zeman vor, Brady, den Onkel Hermans, als Reaktion darauf von der Nominierungsliste der Auszuzeichnenden entfernt zu haben.

Zeman soll dem Minister von dem Treffen abgeraten haben, um die Beziehungen zu China nicht zu belasten.  dpa

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