Wien/Zürich

Simon-Wiesenthal-Preis für LIKRAT

Wolfgang Sobotka, österreichischer Nationalratspräsident, mit Beatrice Kricheli von »LIKRAT«, Jonathan Kreutner, dem Generalsekretär des SIG und Katharina von Schnurbein, Juryvorsitzende des Simon-Wiesenthal-Preises, im Wiener Parlament (v.l.n.r.) (Hinweis: Nicht auf allen Versionen dieses Bildes sind alle vier Personen zu sehen.) Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

»LIKRAT – Lass uns reden!«, ein Dialogprojekt, das junge Nichtjuden mit gleichaltrigen Juden zusammenbringt, ist der Gewinner des Simon-Wiesenthal-Preises. Das Programm, das mit dem Projekt »Meet a Jew« vom Zentralrat der Juden in Deutschland vergleichbar ist, wurde am Dienstagabend im Wiener Parlament mit der Ehrung bedacht. Ausgezeichnet wurde sowohl die österreichische, als auch die schweizerische Version von LIKRAT.

Übergeben wurde der mit 15.000 Euro dotierte Hauptpreis durch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und die Juryvorsitzende Katharina von Schnurbein. Die Deutsche ist seit neun Jahren Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission.

Mit seinen Treffen für Jugendliche will LIKRAT antisemitische Vorurteile bekämpfen und ein pluralistisches Bewusstsein generieren. In Österreich und der Schweiz leben jeweils nur etwa 15.000 Juden. Viele nichtjüdische Schüler haben daher noch nie Juden getroffen.

Trauriger Höhepunkt

Bei Zusammenkünften dieser Art stellt sich in der Regel heraus, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Auf diese Weise können sich Stereotype und Judenhass schnell auflösen. Die Teilnehmer fungieren außerdem oft als Multiplikatoren, die ihren Freunden und Familien von der Begegnung erzählen. So wird eine Streuwirkung erzielt.

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) erklärte nach der Preisverleihung an das von der jüdischen Dachorganisation betriebene LIKRAT-Projekt: »Für den SIG ist dieser Preis eine große Ehre, der auch die Arbeit des Verbandes im Kampf gegen den Antisemitismus in der Schweiz würdigt.«

»Die Auszeichnung mit dem Simon-Wiesenthal-Preis setzt ein starkes Zeichen in einer Zeit, die auch in der Schweiz von einer besorgniserregenden Zunahme an antisemitischen Vorfällen geprägt ist. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war der brutale Messerangriff auf ein jüdisches Gemeindemitglied in Zürich vor wenigen Tagen.«

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner sprach in seiner Dankesrede von der Bedeutung, die LIKRAT in der Schweiz habe. Er betonte den Wert der grenzübergreifenden Zusammenarbeit: »Gerade in der momentan schwierigen Zeit, seit dem 7. Oktober 2023, ist ein Präventionsprojekt wie LIKRAT wichtig, um gegen den grassierenden Antisemitismus ein Signal zu setzen. Dies auch mit starken Partnern wie LIKRAT Österreich«.

Der Austausch, auch mit den Schwesterprojekten »Meet a Jew« Deutschland und LIKRAT Moldova, gebe allen Beteiligten wertvolle Impulse, sagte Kreutner.

LIKRAT wurde vom Literaturwissenschaftler Alfred Bodenheimer und dem Anwalt und Finanzexperten Josef Bollag im Jahr 2001 in der Schweiz gegründet. Laut SIG ist das Projekt in den letzten Jahren stetig gewachsen und konnte daher auch ins Ausland ausgeweitet werden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch in der Schweiz verbreitet sich der Judenhass. Dies zeigte sich Anfang des Monats, als ein Jude in Zürich von einem muslimischen Angreifer mit einem Messer lebensgefährlich verletzt wurde. Am Dienstag legte der SIG seinen Jahresbericht für 2023 vor, der das erschreckende Ausmaß antisemitischer Vorfälle in der Schweiz offenbart.

Ignorierte Anfeindungen

Neben dem Hauptpreis wurden weitere Ehrungen vergeben, die ebenfalls zum Simon-Wiesenthal-Preis gehören, darunter der Preis für zivilgesellschaftliches Engagement. Er ging an die spanische Initiative Asociación Cultural Mota de Judíos.

Letzteres Projekt wurde in dem Dorf Castrillo Matajudios in der Provinz Burgos innerhalb der autonomen Gemeinschaft von Kastilien und León gegründet. Die Übersetzung des Dorfnamens lautet in etwa »Ort, an dem Juden getötet werden«.

Aufgrund des offensichtlich judenfeindlichen Namens, beschlossen die Dorfbewohner im Jahr 2015, ihr Zuhause umzubenennen. Es heißt seither wieder Castrillo Mota de Judíos (»Ort der Juden«), wie dies vor dem Jahr 1632 der Fall war. Die Initiative der Bewohner ignorierte Anfeindungen, die es wegen des Namenswechsels gab und setzten diesen um.

Jüdische Lebenswelten

Auch CENTROPA aus Österreich erhielt einen der Preise. Laut einer Erklärung des Parlamentes in Wien dokumentiert diese Organisation die Erinnerung von Zeitzeugen. Hier geht es sowohl um den Holocaust als auch um »jüdische Lebenswelten vor dem Zweiten Weltkrieg«. Konkret wurde CENTROPA jedoch um seine Bemühungen ausgezeichnet, Bildung zum Holocaust in der Ukraine trotz des andauernden Eroberungskrieges Russlands fortzusetzen.

Auch wurden die folgenden Zeitzeugen jeweils direkt mit dem Simon-Wiesenthal-Preis bedacht: Helga Feldner-Busztin und Jeno Friedman aus den Vereinigten Staaten, Octavian Fülöp aus Rumänien, Naftali Fürst und Otto Nagler aus Israel, Maria Gabrielsen aus Norwegen, Viktor Klein, Katharina Sasso und Liese Scheiderbauer aus Österreich sowie Marian Turski aus Polen. In all diesen Fällen erfolgte die Ehrung für Beiträge zur Antisemitismus-Prävention.

Letztes Jahr wurde die israelische Initiative Zikaron BaSalon mit dem Simon-Wiesenthal-Preis ausgezeichnet.

Der Preis selbst erinnert an den Architekten, Publizisten und Schriftsteller Simon Wiesenthal (1908-2005), der auch als »Nazijäger« bekannt war. Vergeben wird er vom »Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus«.

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thadigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026