Buenos Aires

Schweigemarsch für Alberto Nisman

Allein im Zentrum der Hauptstadt Buenos Aires versammelten sich am Mittwoch nach Polizeiangaben rund 400.000 Menschen. Foto: dpa

Bei Schweigemärschen haben in Argentinien Hunderttausende Menschen des toten Staatsanwalts Alberto Nisman gedacht. Allein im Zentrum der Hauptstadt Buenos Aires versammelten sich am Mittwoch (Ortszeit) nach Polizeiangaben rund 400.000 Menschen. Zehntausende demonstrierten außerdem in den Großstädten Rosario, Córdoba und Mar del Plata sowie in zahlreichen weiteren Ortschaften des Landes, wie die Tageszeitung »Clárin« meldete.

Der 51-jährige Nisman war vor einem Monat erschossen in seiner Wohnung aufgefunden worden. Es ist nicht endgültig geklärt, ob es sich um Suizid oder Mord handelte.

amia Als Sonderstaatsanwalt war Nisman für die Aufklärung des Anschlags auf das jüdische Kulturzentrum AMIA in Buenos Aires im Jahr 1994 zuständig. Für die Tat mit 85 Toten macht die argentinische Justiz den Iran verantwortlich. Nisman hatte wenige Tage vor seinem Tod Präsidentin Cristina Kirchner und Außenminister Héctor Timerman beschuldigt, die Ermittlungen zu dem Anschlag zu verschleiern.

Zu dem Schweigemarsch in Buenos Aires, der vom Kongressgebäude zum Präsidentenpalast führte, hatte eine Gruppe von sechs Staatsanwälten aufgerufen. Im strömenden Regen bestimmten vor allem die aufgespannten Regenschirme das Bild auf der zentralen Avenida de Mayo.

destabilisierung
Die Regierung kritisierte den Demonstrations-Aufruf als Versuch einer politischen Destabilisierung. Regierungstreue Politiker und Organisationen waren deshalb den Veranstaltungen ferngeblieben. Regierungskritische Gewerkschaften und die politische Opposition riefen dagegen zur Teilnahme auf, verzichteten jedoch auf politische Embleme und Transparente.

Nismans Nachfolger, Staatsanwalt Gerardo Pollicita, hält den Vorwurf der Verschleierung gegen die Präsidentin aufrecht. Ein Richter muss nun entscheiden, ob die Verdachtsmomente ausreichen, um Ermittlungen gegen Kirchner aufnehmen zu können. epd

USA

Aus dem »Deep Shtetl« zur »New York Times«

Yair Rosenberg soll es richten. Der Journalist schreibt fortan über jüdisches Leben und Antisemitismus in den Vereinigten Staaten

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Nachruf

Louise Lasser, die Frau, die Mary Hartman erfand, ist tot

Die Schauspielerin vertrat Barbra Streisand auf dem Broadway und war mit Woody Allen verheiratet. Sie wurde 87 Jahre alt

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Spanien

Bericht: Jüdische Touristen von Menschenmenge verfolgt

Erneut ist es in Barcelona zu einem antisemitischen Vorfall gekommen: Zwei jüdische Touristen wurden eigenen Aussagen zufolge von mehreren Menschen verfolgt, bespuckt und beleidigt

 07.07.2026

Religionsfreiheit

Oberrabbiner sieht religiöse Praktiken europaweit unter Druck

Bei einem Symposium in Amberg diskutierten Politiker, Vertreter von Religionsgemeinschaften und Juristen über die Einschränkungen der Religionsfreiheit

von Christoph Renzikowski  05.07.2026

Terrorismus

In diesem Land gibt es keinen Platz für Islamisten. Sie sollten konsequent abgeschoben werden

Eine Klarstellung

von Jessie Katz  05.07.2026

Ungarn

Ein Löffel Paprika, eine Prise Identität

Lili Lantos präsentiert auf Instagram ihr digitales Kochbuch mit jüdischen Familienrezepten. Dabei schafft sie Nähe, ohne viele Worte zu verlieren

von Nicole Dreyfus  05.07.2026

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026