Schweden

Schule, Kita, Sportverein

So soll das Gebäude aussehen, wenn es Ende Dezember endgültig fertig ist.

Noch dringt Baulärm durch die offenen Fenster hinaus auf die angrenzenden Straßen. Ein Bauzaun versperrt den Weg zum Haupteingang. Bis Ende des Jahres soll das Haus fertig sein, doch eingeweiht wird es schon am Sonntag.

Das »Bajit«, Stockholms »Haus für jüdische Ausbildung und Kultur«, feiert am 18. September seine Eröffnung. Die Judaica‐Stiftung will mit dem Gebäude dem jüdischen Leben in Schwedens Hauptstadt und im ganzen Land einen festen Platz sichern.

Seit der Einweihung der Großen Synagoge und des Gemeindehauses im Jahr 1870 hat es keine so deutliche Manifestation der jüdischen Kultur in Stockholm gegeben. Das mehr als 26 Millionen Euro teure Gebäude in der Riddargatan, das neben dem alten, modernisierten Lehrerinnenseminar einen beachtlichen Neubau umfasst, bietet 7000 Quadratmeter Fläche.

aktivitäten Alle Generationen sollen die Räume zu verschiedenen Aktivitäten nutzen können. Auch Nichtjuden, das ist die Vision der Bauherren: »Bajit ist ein Haus, in dem alle willkommen sind«, »ein Botschafter der Vielfalt«, der »aktiv die positive Bedeutung der Minderheit für die Entwicklung der Gesellschaft vermitteln« will, so steht es auf der Homepage.

Fünf Mietparteien beherbergt das Haus: die Jüdische Gemeinde, die jüdische Hillelschule samt Kindergarten, Paideia, das Europäische Institut für Jüdische Studien in Schweden, das Unternehmen Kosherian, das hier ein Restaurant betreibt sowie Lebensmittel und Catering anbietet, und schließlich den jüdischen Sportverein Makkabi. Der wird nach Unterrichtsschluss die Schulsporthalle nutzen. Auf diese Weise lassen sich die Räume effektiv auslasten.

Fabian Arnheim, der Geschäftsleiter der Stiftung Judaica, berichtet, dass Bajit auch mit religiösen Vereinigungen zusammenarbeitet. »Beispielsweise wird Adat Jeschurun, Stockholms orthodoxe Betergemeinschaft, im Haus ihre Gottesdienste abhalten«, sagt er.

Die Schule, eine der besten in Stockholm, hat allerdings den weitaus höchsten Raumbedarf: 350 Kinder besuchen den Kindergarten und die Schule, weitere 170 warten auf einen Platz. Die Stiftung Judaica widmet sich vor allem der Kinder‐ und Jugendarbeit und der jüdischen Schule. Auf den Nachkommen ruht die Hoffnung der Erwachsenen, die jüdische Kultur zu leben und weiterzuentwickeln. Veranstaltungen wie ein Gespräch zwischen dem israelischen Autor David Grossman und der Regisseurin Suzanne Osten, die sein Werk Aus der Zeit fallen am Stockholmer Dramaten‐Theater in Szene gesetzt hat, binden »Bajit« in die städtische Kulturszene ein.

Architekt Das Bajit‐Projekt wurde 2006 beschlossen. »Es war eine knifflige Aufgabe«, sagt der Architekt Aleksander Wolodarski. »Einerseits wollen wir die jüdische Kultur in der Öffentlichkeit hervortreten lassen und das Jüdische als ein Teil des Schwedischen zeigen. Andererseits müssen wir den Kindern Außenflächen und Sicherheit bieten.« So habe man den Garten aufs Dach verlegt, und die nach außen liegenden Räume werden nicht von den Kindern genutzt – da befindet sich das Treppenhaus.

Wachleute und eine Schleuse sichern den vorübergehenden Eingang in der Riddargatan. Das Fotografieren ist verboten, sowohl innen als auch außen.

Nach den antisemitischen Terroranschlägen in Kopenhagen und Paris 2015 ist die Angst unter Juden in Skandinavien gewachsen. Auch in Stockholm haben jüdische Einrichtungen ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Das stellt Bajit vor die Herausforderung, ein offenes Haus zu sein und gleichzeitig die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

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