Vatikan

»Schalom, liebe ältere Brüder«

Papst Franziskus Foto: dpa

Papst Franziskus hat am Montag eine offizielle Gruppe jüdischer Repräsentanten im Vatikan empfangen. Italienische Medien berichteten, er habe die Delegation des International Jewish Committee on Interreligious Consultations (IJCIC) mit »Schalom« begrüßt und sie mit »liebe ältere Brüder« angesprochen. Sein Vorgänger, Benedikt XVI., – hatte diese Formulierung zuletzt vermieden.

Herzlich Wie Teilnehmer berichteten, war das Klima der ersten großen vatikanisch-jüdischen Begegnung von Herzlichkeit geprägt. Der Papst habe darauf hingewiesen, dass die Erklärung »Nostra Aetate« (1965) bis heute bindend sei für die Beziehungen der katholischen Kirche zum jüdischen Volk.

»Ein Christ kann nicht Antisemit sein – wegen unserer gemeinsamen Wurzeln«, sagte Franziskus. Die Ursprünge des Christentums gingen auf das Judentum zurück, deshalb müssten »aller Hass und alle antisemitischen Ausdrucksformen entschieden verurteilt werden«.

Franziskus beschwor die Fortsetzung des christlich-jüdischen Dialogs und der konkreten Zusammenarbeit. Die Welt »braucht unser gemeinsames Zeugnis für den Respekt der Würde« des Menschen »und für den Frieden«, sagte er.

Fortsetzung Die jüdischen Gäste lobten den neuen Papst: »Er ist ein sehr guter Freund des jüdischen Volkes, und es freut uns, dass er den Weg seiner Vorgänger weiter gehen wird«, sagte Rabbiner David Rosen, Direktor für internationale interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Committee (AJC). An dem Treffen am Montag nahmen auch Vertreter des Jüdischen Weltkongresses und der Rabbinical Assembly teil. ja

Eva Erben

»Oft weiß man gar nicht, wie viel Kraft in einem steckt«

Die 95-jährige Holocaustüberlebende war aus Israel nach Prag gekommen, um bei der Verlegung der »Stolpersteine« für ihre in der Schoa ermordeten Eltern dabei zu sein

von Michael Thaidigsmann  26.06.2026

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  26.06.2026

Frankreich

Gesinnung von der Stange

Antisemitismus und eine feindliche Haltung gegenüber Israel stehen in der Modewelt hoch im Kurs. Längst gehören sie zum ideologischen Accessoire so mancher Marke

von Ute Cohen  25.06.2026

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Nachruf

Erfinder des »Greenspeak«

Alan Greenspan prägte als Chef der US-Notenbank eine 19 Jahre währende Boom-Phase der Börsen und Konjunkturen

von Philip Fabian  23.06.2026

Nachruf

Clive Davis: Der Mann, der den Sound ganzer Generationen prägte, ist tot

Der jüdische Musikmanager entdeckte und förderte Bands und Künstler wie Earth, Wind & Fire, Chicago, Santana, Whitney Houston, Barry Manilow und Barbra Streisand

 23.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

St. Petersburg

Im Licht der Weißen Nächte

Die Mitternachtsdämmerung des Nordens weckt Erinnerungen an Märchen und führt unseren Autor zurück in seine Kindheit im damaligen Leningrad

von Vladimir Vertlib  18.06.2026