London

Reporter oder doch Terroristen? BBC prüft Liste in Gaza getöteter Journalisten

BBC-Zentrale in London Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Die BBC überprüft eine von ihrem arabischsprachigen Dienst veröffentlichte Liste von Journalisten, die während des Gaza-Krieges getötet wurden. Nach einem Bericht der Zeitung »Daily Telegraph« geht es dabei um 53 Personen, bei denen Verbindungen zu palästinensischen Terrororganisationen festgestellt wurden.

Seit Beginn des Gaza-Krieges Ende 2023 führt die BBC eine Liste mit den Namen von Journalisten, die bei israelischen Angriffen im Gazastreifen ums Leben gekommen sein sollen. Die Zusammenstellung wurde regelmäßig aktualisiert und zuletzt im August 2025 überarbeitet. Insgesamt enthält sie mehr als 180 Namen.

Bei den nun überprüften 53 Personen handelt es sich laut »Telegraph« um Menschen, die nach ihrem Tod von der Hamas oder anderen palästinensischen Terrororganisationen als Märtyrer gewürdigt wurden. Zehn von ihnen werden sowohl vom arabischen als auch vom englischsprachigen BBC-Dienst als »Journalisten« geführt; die übrigen 43 tauchten ausschließlich in der Liste des arabischen Dienstes auf.

Verbindungen zu Terrororganisationen

Auch das Committee to Protect Journalists (CPJ), eine in den USA ansässige Organisation zum Schutz von Journalisten, hat mehrere der Betroffenen inzwischen von seiner eigenen Liste gestrichen. Nach Angaben des »Telegraph« betrifft dies zwölf Personen. Bei einer Überprüfung seien Hinweise auf Verbindungen zu Terrorgruppen oder eine Beteiligung am Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 zutage getreten.

Zu den Fällen gehört Abdullah Darwish, den »BBC Arabic« als Kameramann des Senders »Al-Aqsa TV« geführt hatte. Laut dem Bericht wurden nun Fotos bekannt, die ihn in der Uniform der Al-Qassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, zeigen. Zudem soll er an den Angriffen vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein. Daraufhin entfernte das CPJ seinen Namen aus seiner Aufstellung.

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Auch Yaqoub Al-Barsh wurde aus der CPJ-Liste gestrichen. Er war von »BBC Arabic« als Direktor des Radiosenders Namaa bezeichnet worden. Nach den vom »Telegraph« wiedergegebenen Erkenntnissen war er Mitglied der Al-Qassam-Brigaden. Die Organisation führt ihn auf ihrer Internetseite als »Märtyrer«.

Namen auf dem Prüfstand

Bei weiteren 20 der insgesamt 53 Personen fanden sich dem Bericht zufolge Nachrufe, die von Terrororganisationen veröffentlicht worden waren. Dazu zählt Mohammed Al-Zaq, dessen Nachruf vom Palästinensischen Islamischen Dschihad stammen soll. Mustafa Bakir wurde von der Hamas als »Feldkommandeur« bezeichnet. Abdullah Iyad Baris wiederum soll von der Organisation als »Ritter« ihrer Khan-Yunis-Brigade gewürdigt worden sein.

Bei den verbleibenden 21 Namen stießen man bei Recherchen auf Bilder, die offenbar die Betroffenen mit Waffen oder in militärischer Kleidung zeigen. Ahmed Samir Muhammad Washah etwa soll auf einem im Internet veröffentlichten Foto beim Training mit einem Granatwerfer zu sehen sein. Amr Abu Odeh wiederum wurde den Angaben zufolge als »Held der Al-Qassam-Brigaden« bezeichnet.

Die BBC sieht sich bereits seit längerem mit Vorwürfen konfrontiert, im Zusammenhang mit Israel und dem Gaza-Krieg nicht ausgewogen berichtet zu haben. Im vergangenen Jahr hatte ein Whistleblower dem arabischsprachigen BBC-Dienst vorgeworfen, das Leid israelischer Opfer herunterzuspielen und Israel in der Berichterstattung als Aggressor darzustellen.

Nach Darstellung des »Telegraph« kritisierte der Informant zudem, BBC Arabic habe Journalisten mit antisemitischen Äußerungen eine Plattform gegeben. Als Beispiel wurde ein Mann genannt, der dazu aufgerufen haben soll, Juden »wie Hitler« zu verbrennen. Er sei innerhalb von eineinhalb Jahren 244-mal bei BBC Arabic aufgetreten. Ein weiterer Gast, der Juden als »Teufel« bezeichnet habe, sei im selben Zeitraum 522-mal zu sehen gewesen. im

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