Ausstellung

Raum fürs Erinnern

Eröffnung der Ausstellung »Sobibor« Foto: Auswärtiges Amt

Im Lichthof des Auswärtigen Amtes ist am Dienstagnachmittag die Ausstellung »Sobibor« eröffnet worden. Die kleine Schau stellt ein internationales Projekt zur Errichtung eines Museums und Gedenkortes auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibor vor, das dem Vergessen entgegenwirken und stellvertretend an die Opfer der Schoa erinnern soll.

Sobibor gehörte zusammen mit den Vernichtungslagern Belzec und Treblinka zu den drei Orten, an denen im Rahmen der »Aktion Reinhardt« etwa zwei Millionen Juden und Roma aus dem von Deutschland besetzten Polen und der Ukraine ermordet wurden. Von März 1942 bis Oktober 1943 kamen allein in Sobibor zwischen 180.000 und 250.000 Menschen ums Leben. Anders als beim früheren Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, dessen gut ausgebaute Museums- und Gedenkorte jedes Jahr von Millionen Menschen besucht werden, ist der Zustand des historischen Ortes in Sobibor nicht gut.

Das hat zum einen Gründe, die in der Geschichte selbst liegen: So kam es im Oktober 1943 zu einem Aufstand der Häftlinge. Viele wurden dabei getötet, einige wenige konnten fliehen. Die SS ermordete die übrig gebliebenen Häftlinge und machte das Lager dem Erdboden gleich. Ein speziell aufgeforsteter Jungwald und ein neu errichteter kleiner Bauernhof sollten jede Spur des Lagers überdecken.

Vergessen Sobibor bleibe »ein vergessener Ort«, der kaum im Bewusstsein sei, erklärte Piotr Zuchowski in seiner Rede bei der Ausstellungseröffnung. Der Staatssekretär im polnischen Ministerium für Kultur und Nationales Erbe empfand dennoch ein wenig Genugtuung. Schließlich sei es gelungen, den »verbrecherischen Plan der Täter, die völlige Auslöschung der Erinnerung an die Opfer, zu durchkreuzen«. Zwar ließ der polnische Staat 1961 ein Mahnmal auf dem Aschefeld errichten, und 1993 wurde zudem ein kleines Museum eingerichtet. Doch die Erinnerung an die jüdischen Opfer kam zunächst nicht und dann nur unzureichend vor – zumal das Wissen um die örtlichen Begebenheiten höchst beschränkt war.

Das änderte sich erst, als sich ab 2008 Polen, Israel, die Niederlande und die Slowakei zum Internationalen Sobibor-Komitee zusammenschlossen und größere archäologische Arbeiten initiierten. Auf deren Basis begann man mit den Planungen für ein neues Museum und eine Gedenkstätte.

Dariusz Pawlos, Vorsitzender der Stiftung »Polnisch-Deutsche Aussöhnung« und einer der beiden Ausstellungsmacher, berichtet im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen, dass in diesem Jahr eigentlich mit den Bauarbeiten begonnen werden sollte. »Doch dann gab es Bedenken wegen der Baupläne am Ort der Gaskammern«, erzählt Pawlos. Die Ausgrabungen haben neue Erkenntnisse über deren Lage geliefert, sodass das Konzept angepasst werden muss. Pawlos hofft jetzt, dass bis Herbst nächsten Jahres alles fertig ist.

Geldmangel Der zweite Grund für den lange Zeit erbärmlichen Zustand dieses historischen Ortes ist schlicht der Geldmangel. Dabei hat sich auch die Bundesrepublik nicht mit Ruhm bekleckert. Jahrzehntelang trug allein Polen die Kosten für die Gedenkstätten der Vernichtungslager. Lediglich im Fall von Auschwitz gibt es eine Stiftung, die alljährlich Restaurierungsarbeiten bezahlt. Noch im Herbst 2013 sorgte Cornelia Piper, die damalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, für einen Eklat, als sie jede Kostenübernahme ablehnte.

Dies ist nun offenbar anders. Staatssekretär Stephan Steinlein bekannte sich in seiner Ansprache bei der Ausstellungseröffnung zur »deutschen Verantwortung für die Stätten des Terrors«. Es sei gut, dass die Ausstellung in Deutschland gezeigt werde, sagte er und verwies darauf, dass die Didaktik der Gedenkstätten immer wichtiger werde, weil es immer weniger noch lebende Zeitzeugen gebe. Das kann Dariusz Pawlos bestätigen: Von den acht Überlebenden des Aufstandes von Sobibor, die 2013 bei den Feiern zum 70. Jahrestag noch am Leben waren, sind Pawlos zufolge inzwischen einige gestorben. Keinem von ihnen war es möglich, zur Ausstellungseröffnung nach Berlin zu kommen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli im Lichthof des Auswärtigen Amtes in Berlin-Mitte, Werderscher Markt 1, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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