Ukraine

Rabbiner verlässt die Krim

Warten auf den Ausgang des Krim-Referendums: Kinder mit russischen Flaggen am Lenin-Platz in Simferopol Foto: dpa

Der letzte Rabbiner hat die Krim verlassen. Wie Michael Kapustin der Jüdischen Allgemeinen in einem Telefoninterview sagte, sei er am Sonntagmittag gemeinsam mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern mit dem Zug nach Kiew abgereist. Er plane nicht zurückzukehren – es sei denn, die Umstände würden sich ändern.

»Es war eine sehr schwierige Entscheidung für mich, aber es würde die Gemeinde gefährden, wenn ich weiterhin meine Meinung sage«, so Kapustin. Der 34-Jährige hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach gegen den russischen Einmarsch auf der Krim ausgesprochen. In Internetforen war er dafür antisemitisch beschimpft worden.

Simferopol »Ich möchte kein Ausländer sein in meinem eigenen Land«, sagte der Reformrabbiner. Seit 2007 hat er in der jüdischen Gemeinde in Simferopol amtiert. Bei der Purimfeier am Samstagabend verabschiedete er sich von seiner Gemeinde. Die meisten Mitglieder hätten auf seinen Entschluss verständnisvoll reagiert, sagt er. Das Gemeindeleben gehe weiter. Der Vorsitzende könne Gebete leiten. »Und wenn die Krim demnächst tatsächlich offiziell zu Russland gehören sollte, werden sich meine russischen Kollegen um die Juden in Simferopol kümmern.«

Für einige Tage wohnt Kapustin nun bei Freunden in Kiew. Danach müsse man sehen, wie es weitergeht, sagt er. »Es ist nicht leicht, ein Flüchtling zu sein.« tok

Schweiz

Jugendlicher plante Blutbad

Der Prozess gegen einen Schüler, der einen Juden in Zürich töten wollte, beginnt am 1. Juli. Die Anklageschrift zeichnet das Bild eines sich früh radikalisierenden Jugendlichen

von Nicole Dreyfus  18.06.2026

USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme feiern Cornell-Studenten

Der 19-jährige Austin Franco wird für ein Praktikum von einem Softwareunternehmen der Brüder Gabe und Aiden Einhorn angenommen. Doch dann schreibt er, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«

 18.06.2026

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

Bonn/Berlin

»Habt keine Angst«: Zeitzeuge Marian Turski vor 100 Jahren geboren

Er gehörte zu den bekanntesten Schoa-Überlebenden. Seine Worte ermutigen viele Menschen auch über seinen Tod im Jahr 2025 hinaus. Zum 100. Geburtstag blickt ein Freund Turskis auf die Zukunft des Erinnerns

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über die wahren Gründe für seinen Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Albanien

Flamingos gegen Kushner

In Tirana wächst der Widerstand gegen einen Inselverkauf. Präsident Edi Rama wirft den Demonstranten Antisemitismus vor. Zu Recht?

von Adelheid Wölfl  16.06.2026

Großbritannien

Einstufung von Palestine Action als Terrorgruppe ist rechtens

Ein Berufungsgericht in London hat der Regierung von Premier Keir Starmer Recht gegeben und das Verbot der militant antiisraelischen Gruppierung bestätigt

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Abstimmung

Schweizer lehnen Bevölkerungsgrenze ab

Soll die Bevölkerung des Landes auf zehn Millionen Menschen begrenzt werden? Darüber sollten die Schweizer heute abstimmen

 14.06.2026