Warschau

Polens Parlament beschließt umstrittenes Gesetz

Debatte im Sejm, dem polnischen Parlament Foto: dpa

Trotz massiver Kritik aus Israel hat Polen eine Gesetzesänderung zu verwaltungsrechtlichen Verfahren verabschiedet. Die Entscheidung hat nach Angaben Israels Auswirkungen auf mögliche Entschädigungen von Opfern des Holocaust.

Das polnische Parlament nahm am Mittwochabend die entsprechende Gesetzesnovelle an. Sie wird nun dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt. In der Gesetzesänderung heißt es unter anderem, dass Verwaltungsentscheidungen nach dem Ablauf einer Frist von 30 Jahren nicht mehr gerichtlich angefochten werden können.

Opfer Israels Außenminister Yair Lapid sagte laut einer Mitteilung: »Der Staat Israel wird in keiner Weise einen Kompromiss in Bezug auf die Erinnerung an den Holocaust eingehen.« Er verurteile das neue Gesetz, »das sowohl die Erinnerung an den Holocaust, als auch die Rechte der Opfer beschädigt«. Er forderte Polen auf, die Gesetzesnovelle wieder aufzuheben.

Das polnische Außenministerium hatte im Juni gesagt, dass mit der Novellisierung des Gesetzes »das Vertrauen der Bürger in den Staat und die Umsetzung der Rechtssicherheit« gesichert werden müssten. »Die Möglichkeit, Entscheidungen öffentlicher Behörden infrage zu stellen, kann nicht zeitlich unbegrenzt sein«, hieß es damals.

»Der Staat Israel wird in keiner Weise einen Kompromiss in Bezug auf die Erinnerung an den Holocaust eingehen.«

Israels Außenminister Yair Lapid

Die World Jewish Restitution Organization (WJRO) hatte damals kritisiert: »Das neue Gesetz würde es für Holocaust-Überlebende und ihre Familien sowie andere jüdische und nichtjüdische rechtmäßige Eigentümer praktisch unmöglich machen, während des Holocaust und der kommunistischen Ära geraubten Besitz zurückzubekommen oder dafür entschädigt zu werden.« 

Bereits 2018 hatte Polens umstrittenes Holocaust-Gesetz das Verhältnis erschüttert. Hintergrund für die neue Gesetzesänderung ist eine Entscheidung des polnischen Verfassungsgerichtshofs aus dem Jahr 2015. Das Gericht hatte damals geurteilt, es sei nicht mit den rechtsstaatlichen Prinzipien eines demokratischen Staates vereinbar, wenn die Möglichkeit bestehe, eine administrative Entscheidung, die unter Rechtsverstoß zustande gekommen sei, ohne jede zeitliche Begrenzung anzufechten. dpa

Italien

Mann in Mailand wegen Anschlagsplänen auf Synagoge festgenommen

Im Großraum Mailand stellt die Polizei einen 22 Jahre alten Mann, der Anschläge auf eine Synagoge und eine islamische Einrichtung geplant haben soll. Die Hintergründe sind noch unklar

 29.10.2026

»A young woman in a dress and a man in a plaid shirt sit at a small outdoor restaurant table at night, smiling and talking, with food and drinks on the table and city lights in the background.«

Hollywood

Nach dem Happy End ist davor

In der dritten Staffel der Erfolgsserie »Nobody Wants This« machen Joanne und ihr »Hot Rabbi« den Neben-Romanzen Platz. Und dann wird auch noch konvertiert. Spoiler Alert

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Frankreich

»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

Der Philosoph und Fernsehmoderator Raphaël Enthoven über Verantwortung, Spinozas Erbe und das Einzige, was uns wahrhaft zu erfüllen vermag

von Ute Cohen  28.10.2026

USA

Mike Tyson will seine Flagge zurück

Der Ex-Boxweltmeister legt sich mit einer Streetwear-Marke an, die ein altes Design in seinem Namen politisiert hat. Dabei geht es auch um Israel

von Hanna Persson  28.10.2026

Showbiz

Noah Wyle ist der »Sexiest Man Alive«, meint das »People«-Magazin

Der »The Pitt«-Star darf sich über den Titel freuen, der einst auch Harrison Ford schmückte. Seine Kinder sticheln schon, sagt Wyle

 28.10.2026

Medien

BBC zahlt 480.000 Euro Entschädigung nach Antisemitismus-Vorwurf

Die entlassene Produzentin Lucie Kon erhält fast 500.000 Euro von der BBC nach Antisemitismus-Vorwürfen. Nach dem 7. Oktober 2023 wurde ihre Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Sender unerträglich

von Jamie Shapiro  27.10.2026

San Francisco/New York

KI mit Elvis-Songs gefüttert: Millionenklage gegen Anthropic

»Return To Sender« und diverse weitere Lieder des King of Rock’n’ Roll sollen ohne Zustimmung ins KI-Training geflossen sein

 27.10.2026

Island

Wo die Mikwe eine heiße Quelle war

Seit diesem Jahr hat der Inselstaat erstmals ein jüdisches Gemeindezentrum. Juden spielten in der Geschichte des Landes allerdings eine wichtigere Rolle als bisher bekannt

von Elke Wittich  26.10.2026

Miami

Bei den koscheren Panthern

Seit 2015 gibt es an der Florida International University die jüdische Studierendenorganisation »Hillel«. Zu Besuch an einem Nachmittag im Oktober

von Katrin Richter  26.10.2026