Ausstellung

Olympioniken im KZ Buchenwald

Die Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald Foto: picture alliance / Andreas Franke

Die Ausstellung »Fußball und das KZ Buchenwald« auf dem Gelände der gleichnamigen KZ-Gedenkstätte erinnert noch bis zum 31. August an die Leiden von ehemaligen Spielern dieser Sportart. Sie wurde anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft konzipiert.

Doch die Schau weist auch auf Sportler wie den 1901 in Budapest geborenen Henrik Nádler hin, der vor 100 Jahren als Mitglied der ungarischen Fußballnationalmannschaft an den Olympischen Sommerspielen teilnahm, die wie die am kommenden Freitag beginnenden ebenfalls in Paris stattfanden. Nádler wurde 1944 in das Außenlager des KZ Buchenwald in Ohrdruf deportiert und kurz vor Kriegsende auf den Todesmarsch nach Bergen-Belsen geschickt. Dort verliert sich seine Spur.

Auch andere ehemalige Teilnehmer von Olympischen Spielen litten in Buchenwald und anderen deutschen Konzentrationslagern, so etwa Thierry de Briey (1895-1945). Der belgische Adlige hatte 1920 an den Olympischen Spielen in Antwerpen teilgenommen. Nach der Besetzung seines Heimatlandes hatte er sich der dortigen Widerstandsbewegung angeschlossen und wurde 1944 verhaftet. Er starb nach der Inhaftierung im KZ Buchenwald und dem Außenlager von Mittelbau Dora auf einem Todesmarsch.

Aufarbeitung weiterer Schicksale geplant

Die Schicksale dieser und weiterer in Buchenwald inhaftierten Olympioniken seien bisher nicht im Einzelnen aufgearbeitet, erklärte ein Sprecher der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Dies werde möglicherweise zu den nächsten Olympischen Sommerspielen 2028 geschehen. Dann würden auch die Geschichten von Walter Meyer (1904-1940) und Karl Ferdinand Ritter von Halt (1891-1964) beleuchtet. Beide Ex-Olympioniken seien ebenfalls in Buchenwald inhaftiert gewesen, jedoch nach 1945, als es ein sowjetisches Speziallager war.

Nach Kriegsende wurde etwa der ehemalige Weltklasse-Ruderer Walter Meyer von Angehörigen der Roten Armee in Tangermünde in Sachsen-Anhalt verhaftet. Der Gewinner der Goldmedaille im Vierer bei den Olympischen Sommerspielen von 1932 in Los Angeles war nach seiner Sportkarriere in die Geschäftsführung des elterlichen Süßwarenkonzerns gewechselt.

Meyer war seit 1933 Mitglied der NSDAP. Das Unternehmen produzierte während des Zweiten Weltkriegs Panzerschokolade für Soldaten und beschäftigte dafür mindestens 800 Zwangsarbeiter. Mayer wurde 1947 ins sogenannte Speziallager II in Buchenwald gebracht, wo er 1949 laut Totenschein an Tuberkulose starb.

Nach 1945 sowjetisches Speziallager

Der Mehrkämpfer und Fahnenträger der Olympischen Spiele von 1912 in Stockholm, Karl Ferdinand Ritter von Halt, war auch nach seiner aktiven Laufbahn als Sportler eng mit dem Nationalsozialismus, aber auch mit dem Olympischen Komitee (IOC) verbunden, in das er 1929 gewählt wurde. Der Bankier wurde ein Fürsprecher für den Zuschlag der Olympischen Sommerspiele von 1936 an Berlin. Überliefert ist etwa ein Treffen mit Adolf Hitler, der ihm versprach, die Unversehrtheit ausländischer Athleten zu garantieren. Damit war der Weg frei für die Vergabe der Spiele nach Berlin.

Lesen Sie auch

Von Halt wurde 1945 von der Roten Armee in Berlin verhaftet und 1946 nach Buchenwald gebracht. Aus der Gefangenschaft wurde er auch mithilfe des IOC im Jahr 1950 entlassen.

Der Sporthistoriker Arnd Krüger betont, das IOC habe seine Freilassung zur Bedingung für Aufnahmeverhandlungen mit der Sowjetunion gemacht. Bereits 1951 wurde von Halt zum Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees in Westdeutschland gewählt. Auf der Internetseite des IOC heißt es über von Halt, er habe während des Dritten Reiches zum Freundeskreis Reichsführer-SS gehört, einer Gruppe von deutschen Industriellen in der NS-Zeit.

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026

USA

Süß und gut zu werfen

»Sunkist Fruit Gems« gehören in vielen Gemeinden zum Feiern. Ihr angekündigtes Aus sorgte für Aufregung – nun kommen sie zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  13.10.2026

»Imanuels Interpreten« (26)

Paul Simon: Der Brückenbauer

Seit den 60er Jahren schreibt und spielt der New Yorker Künstler Musik, deren Texte durchweg stark sind. Mehrere Generationen haben zugehört. Heute wird das jüdische Talent 85 Jahre alt

von Imanuel Marcus  13.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026 Aktualisiert