Aufarbeitung

NS-Zeit: Fast 10.000 jüdische Bittbriefe an den Vatikan

Papst Pius XII. war der Adressat zahlreicher Briefe verfolgter Juden Foto: picture alliance / dpa

Aufarbeitung

NS-Zeit: Fast 10.000 jüdische Bittbriefe an den Vatikan

Forscher arbeiten in den Beständen des Vatikanischen Archivs zu Pius XII.

von Michael Althaus  22.05.2024 23:02 Uhr

Die Erforschung der Bittschreiben von während der NS-Zeit verfolgten Juden an den Vatikan dauert nach Einschätzung des Kirchenhistorikers Hubert Wolf noch Jahrzehnte. Nach vier Jahren Arbeit gingen er und sein Team von fast 10.000 solcher Briefe aus, sagte Wolf im Interview der Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück. »Damit hätten wir nie gerechnet.«

Die Forscher arbeiten derzeit in den Beständen des Vatikanischen Archivs zu Pius XII., der von 1939 bis 1958 Papst war. Die Bestände wurden erst 2020 der Forschung zugänglich gemacht.

»In den Tausenden Schachteln haben wir unzählige Briefe jüdischer Menschen aus der Zeit der Schoah gefunden, in denen sie den Papst und den Vatikan um Hilfe anflehen: ‚Retten Sie uns, Heiliger Vater!‘ «, so heißt es dort laut Wolf. Ganz oft seien es die letzten Texte, die sie vor ihrer Ermordung geschrieben hätten. »Wir sind jetzt die ersten, die diese oft emotionalen Schreiben nach über 70 Jahren in den Händen halten dürfen. Daraus ergibt sich für uns als Team die Verpflichtung, das Schicksal dieser Menschen durch alle Quellen hindurch zu rekonstruieren und ihnen, deren Andenken die Nationalsozialisten auslöschen wollten, wieder eine Stimme zu geben.«

Erste Erkenntnisse: Es gibt zwei Gruppen von Fällen

Ersten Erkenntnissen nach gibt es zwei Gruppen von Fällen zu unterscheiden: »Solche, in denen der Vatikan selbst helfen konnte, wenn er wollte, und solche, wo er auf die Mithilfe Dritter angewiesen war«, so der Kirchenhistoriker aus Münster. Zur ersten Kategorie gehöre finanzielle Hilfe, Vermittlung von Wohnungen und Verstecken, Beschaffung von Informationen über verschwundene Angehörige. Bei der Erteilung von Visa, Aufenthaltserlaubnissen oder der Befreiung aus einem Konzentrationslager habe der Heilige Stuhl nur als Bittsteller einer staatlichen Stelle gegenüber auftreten können.

Was ebenfalls schon jetzt feststehe: »Bittschreiben jüdischer Menschen sind in der Zeit von 1939 bis 1945 kontinuierlich im Vatikan angekommen. Das bedeutet, dass man in der jüdischen Community also offenkundig nicht den Eindruck hatte, dass Schreiben an den Papst vergebens seien.«

Für weitere, wissenschaftlich fundierte Aussagen sei es angesichts der schieren Masse des Materials jedoch zu früh. »Erst wenn alle Bittschreiben und ihre vatikanische Bearbeitung in unserer Datenbank enthalten und ausgezeichnet sind, werden belastbare Antworten möglich sein«, sagte Wolf.

Italien

Viererbob und Eisprinzessin

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina treten mindestens 16 israelische und jüdische Athleten an

von Sophie Albers Ben Chamo  06.02.2026

Frankreich

Haftbefehle wegen »Beihilfe zum Genozid«

Die Justiz wirft zwei französisch-israelischen Frauen vor, Hilfslieferungen in den Gazastreifen behindert zu haben

 05.02.2026

USA

»Get the fuck out of Minneapolis!«

Jacob Frey ist Bürgermeister der Stadt, die derzeit für das aggressive Vorgehen der ICE steht. Der Demokrat stellt sich energisch gegen die Immigrations-Politik von US-Präsident Donald Trump

von Eva Schweitzer  05.02.2026

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026

London

Epstein-Skandal stürzt Starmer in die Krise

Obwohl der britische Premier von der Freundschaft Peter Mandelsons zu Jeffrey Epstein wusste, ernannte er ihn zum Botschafter in den USA. Selbst in den eigenen Reihen ist der Ärger groß

 05.02.2026

Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Die US-Regierung hat das historische Programm für religiöse Minderheiten aufgekündigt. Damit sind aktuell Hunderte Juden im Iran gestrandet

 04.02.2026

Geschichte

Kühe und das große jüdische Erbe

In Endingen und Lengnau liegt die Wiege des Schweizer Judentums – von dort ging es in die Welt. Zu Besuch bei einem der letzten Viehhändler im Surbtal

von Nicole Dreyfus  03.02.2026

Alltag in Zürich: Orthodox gekleidete Juden im Stadtteil Wiedikon, wo sihc der jüngste Vorfall ereignete.

Schweiz

Jüdischer Mann in Zürich mit Fäusten attackiert

Am Montagabend kam es in Zürich auf einer Straße erneut zu einem Vorfall antisemitischer Gewalt

 03.02.2026

USA

Coole Saftas

Wie jüdische Großmütter endlich das Kino erobern

von Sarah Thalia Pines  01.02.2026