Geschichte

Niederlande entschuldigen sich für Versagen bei Srebrenica-Massaker

Wunden, die nie verheilen werden: Im Juli 1995 hatten Polizei und serbische Paramilitärs in Srebrenica und Umgebung mehr als 8000 bosnische Muslime ermordet. Foto: imago images / Pixsell

Die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren hat in Bosnien-Herzegowina bei Überlebenden des Massakers von Srebrenica im Namen ihres Landes um Verzeihung gebeten. »Die internationale Gemeinschaft hat dabei versagt, den Menschen in Srebrenica angemessenen Schutz zu bieten, und als Teil dieser Gemeinschaft trägt die niederländische Regierung eine Mitverantwortung für die Situation, in der es zu diesem Versagen kam, und dafür entschuldigen wir uns zutiefst«, sagte Ollongren während einer Gedenkzeremonie am Montag mit Blick auf das Versagen der niederländischen Blauhelmsoldaten, das Massaker zu verhindern. 

Am 27. Jahrestag des Massakers gedachten Tausende der Opfer von damals. Sie wohnten nach der Ansprache Ollongrens der Bestattung von 50 jüngst identifizierten Opfern des Massakers bei, das als größtes Kriegsverbrechen der Nachkriegszeit in die europäische Geschichte einging. Es handelte sich um die Überreste von 47 Männern und drei Jungen in jugendlichem Alter. Neu identifizierte Opfer werden jährlich am Jahrestag des Beginns des Massenmordes auf dem Friedhof an der Gedenkstätte Potocari vor den Toren Srebrenicas bestattet.

Idriz Mustafic kam nach Srebrenica, um die Überreste seines Sohnes Salim zu bestatten, der bei dem Völkermord, der am 11. Juli 1995 begann, als 16-Jähriger ermordet wurde. Mindestens 8000 ganz überwiegend männliche und meist muslimische Bosnier wurden nach der Einnahme der UN-Schutzzone Srebrenica durch die Armee der selbst ernannten »Republik Srpska« in den letzten Tagen des Bosnienkrieges (1992 bis 1995) ermordet. Die Soldaten verscharrten die Opfer in Massengräbern. Später hoben sie diese mit Baggern teils wieder aus und verteilten sie auf andere Gräber, um die Beweise für das Kriegsverbrechen zu vertuschen. Dabei wurden die Überreste der getöteten Jungen und Männer teils auseinandergerissen, sodass in Massengräbern in und um Srebrenica noch immer vereinzelte Körperteile gefunden werden, die per DNA-Analyse zusammengesetzt und identifiziert werden. 

Das Massaker von Srebrenica war der blutige Höhepunkt des Bosnienkrieges, bei dem sich nach dem Zerfall Jugoslawiens Nationalismus und Territorialansprüche Bahn brachen. In dem Krieg brachten bosnisch-serbische Milizen militärisch unterstützt von Serbien weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle. 

Mustafic sagte, »Mein älterer Sohn Enis wurde ebenfalls getötet. Wir haben ihn im Jahr 2005 begraben. Nun beerdige ich Salim.« Der Schädel des Jungen sei nicht gefunden worden. Doch weil seine Frau wegen einer Krebserkrankung operiert worden sei, habe die Familie nicht länger warten können und bestatte nun die Knochen, die gefunden worden seien - »um zumindest zu wissen, wo ihre Gräber sind«, sagte er. 

Mana Ademovic, die bei dem Massaker ihren Ehemann und viele weitere männliche Verwandte verlor, nahm am Montag ebenfalls an den Gedenkzeremonien teil. Die unvollständigen Überreste ihres Mannes bestattete sie bereits vor Jahren, erklärte aber, sie müsse »jeden 11. Juli in Srebrenica sein.« Es sei leichter, wenn es ein Grab gebe, das man besuchen könne, unabhängig davon, wie viele Knochen darin lägen, sagte sie. Es sei unmöglich, zu beschreiben, wie es sich anfühle, wenn man sich das Leid der Opfer vor ihrem Tod vorstelle, sagte sie. Bislang sind die Überreste von mehr als 6600 Menschen gefunden und auf dem Friedhof bestattet worden. 

Der juristische Berater des Jüdischen Weltkongresses, Menachem Rosensaft, wandte sich am Montag ebenfalls an die Trauernden. Das Gedenken an das Massaker sei von großer Bedeutung für all jene, denen die internationalen Menschenrechte am Herzen lägen, »für alle, die ein Gewissen haben«, sagte er.

Die Erinnerung an den Genozid an jedem 11. Juli sei nicht nur aus Respekt vor den Opfern wichtig, sondern auch als Gegenmaßnahme mit Blick auf wiederholte Versuche, den Genozid zu leugnen. ap

Rotterdam

Wieder Brandanschlag auf Synagoge - diesmal in Holland

Erneuter Terrorakt gegen die jüdische Gemeinschaft: Am Freitagmorgen wurde am Eingang des Gotteshauses der jüdischen Gemeinde Rotterdam ein Feuer gelegt

 13.03.2026

Michigan

Anschlag auf Synagoge: »Gezielter Gewaltakt gegen die jüdische Gemeinschaft«

Der Täter fährt mit einem Fahrzeug in die Synagoge »Temple Israel«. Dort wird er erschossen, bevor er Gemeindemitglieder ermorden kann

 13.03.2026

Trondheim

Vorfall vor Synagoge in Norwegen

Im norwegischen Trondheim drang ein bewaffneter Mann in die Synagoge ein. Die Polizei konnte ihn festnehmen

 13.03.2026 Aktualisiert

Michigan

Antisemitischer Anschlag: Amokläufer fährt mit Truck in Synagoge

Ein Amokläufer hat ein jüdisches Gemeindezentrum angegriffen, in dem sich auch ein Kindergarten befindet. Donald Trump spricht von einer »schrecklichen Sache«

 13.03.2026 Aktualisiert

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  12.03.2026

Belgien

Steckt der Iran hinter dem Terroranschlag von Lüttich?

Ein Bekennervideo, das die Explosion vor der Lütticher Synagoge am frühen Montagmorgen zeigt, deutet auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin

 12.03.2026

Supercentenarians

Älteste Holocaust-Überlebende Mollie Horwitz wird 110 - oder gar 113

Mit 110 Jahren steigen Hochbetagte auf in die Gruppe der »Supercentenarians«, von denen es nicht viele auf der Welt gibt. Gehört Mollie Horwitz jetzt dazu oder schon seit drei Jahren, wie Wissenschaftler vermuten?

von Christiane Laudage  11.03.2026

Brüssel

Belgische Juden fordern Antisemitismusbeauftragten

Nach dem Sprengstoffanschlag auf die Synagoge von Lüttich verlangt der jüdische Dachverband CCOJB größere Anstrengungen der Politik im Kampf gegen Judenhass

 10.03.2026

Antisemitismus

Schweiz: Dauerbelastung durch Judenhass

In seinem Jahresbericht zum Antisemitismus verzeichnet der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zwar einen Rückgang bei tätlichen Angriffen - aber einen massiven Zuwachs im Online-Bereich

von Michael Thaidigsmann  10.03.2026