Bahamas

Nach dem Sturm

»Dorian« hinterlässt ein Bild der Verwüstung. Foto: imago images / ZUMA Press

Nachdem Hurrikan »Dorian« vergangene Woche mit unvorstellbarer Zerstörungswut über die Bahamas getobt ist, wird nach und nach das gesamte Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Auch jüdische Hilfsorganisationen leisten seit Tagen humanitäre Hilfe für den karibischen Inselstaat – an vorderster Front Rabbi Sholom D. Bluming und seine Frau Sheera von Chabad Bahamas. Sie sitzen in der Hauptstadt Nassau, telefonieren mit Einwohnern, sammeln Spenden, rekrutieren Freiwillige und koordinieren die Hilfe mit Regierungsbeamten.

Zwei Tage lang fegte »Dorian« über die Inseln. Er war einer der stärksten je gemessenen Wirbelstürme, mit meter­hohen Flutwellen und großflächigen Überschwemmungen. Mindestens 43 Menschen kamen ums Leben, Hunderte – manche sprechen von Tausenden – werden vermisst. Man geht davon aus, dass die Zahl der Todes­opfer in den kommenden Tagen noch weiter steigen wird.

Schäden Premierminister Hubert Minnis sprach von einer »historischen Tragödie« mit »nie da gewesenen und weitreichenden« Schäden. Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen mindestens 70.000 der 350.000 Einwohner der Bahamas dringend Hilfe.

Die Schäden machen auch die Rettungsarbeiten schwierig. Viele Ortschaften sind weiterhin ohne Strom und manche Gebiete nur schwierig zu erreichen.

»Während des Hurrikans haben wir so viele Anrufe, Nachrichten und E-Mails von Leuten aus aller Welt erhalten, die gefragt haben, wie sie helfen könnten«, sagt Rebbetzin Sheera Bluming. »Wir tun nun alles, um unseren Nachbarn in diesen Notzeiten zu helfen.«

Abaco-Inseln Die rund 1000 Mitglieder der jü­dischen Gemeinde in der Hauptstadt Nassau hätten den verheerenden Sturm relativ unbeschadet überstanden, sagt Rabbi Bluming. »Unser Fokus liegt jetzt auf der Unterstützung der Menschen auf den Abaco-Inseln.« Die Situation der wenigen Juden dort im Norden der Bahamas, die von »Dorian« am Härtesten getroffen wurde, ist weiterhin ungewiss. Das Rote Kreuz schätzt, dass allein auf der Insel Grand Bahama und auf den Abaco-Inseln etwa 13.000 Wohnhäuser schwer beschädigt oder zerstört wurden.

Gemeinsam mit Chabad Florida sammeln und koordinieren die Blumings Hilfsgüter: Lebensmittel, Generatoren, Planen, Trinkwasser, Moskitonetze. Sieben Gemeinden in Florida sammeln Spenden. Auch der Katastrophenhilfsfonds der jüdischen Organisation B’nai B’rith International rief zu Spenden auf. Sie sollen lokalen Helfern und Wiederaufbauteams zugutekommen.

Ende vergangener Woche traf ein Team der israelischen Hilfsorganisation IsraAID auf den Bahamas ein. Zu der Gruppe gehören fünf Spezialisten für posttraumatischen Stress sowie Wasseringenieure und Katastrophenexperten. »Wir haben mit der Regierung und lokalen Helfern Verbindung aufgenommen und wissen jetzt, was vor Ort benötigt wird«, sagte Yotam Polizer, einer der Geschäftsführer von IsraAID, der »Jerusalem Post«. Die Israelis helfen unter anderem mit Wasserfiltern, Decken und Zelten.

Hilfe Ein weiteres israelisches Hilfsteam bricht dieser Tage in die Karibik auf. »Die größte Herausforderung ist, überhaupt ins Katastrophengebiet zu gelangen«, sagt Polizer. »Fast die Hälfte der Bevölkerung hat ihre Häuser verloren.«

Inzwischen wird vermehrt Kritik an der bahamaischen Regierung laut. Viele Betroffene werfen ihr vor, sie würde nicht genug tun – und vor allem nicht schnell genug agieren. Soweit sie in der Lage sind, erledigen die Menschen die Aufräumarbeiten selbst, unterstützt von ausländischen und privaten Hilfsorganisationen.

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