Großbritannien

Mobil am Schabbat

Wie in Israel: Draht spannen für den Eruv Foto: Flash 90

Er erleichtert Tausenden von praktizierenden Juden das Leben: Vergangene Woche am Schabbat ist in Manchester Großbritanniens größter Eruv eröffnet worden. Innerhalb des Eruv-Bezirks ist es nach traditioneller Lesart auch am Schabbat erlaubt, Gegenstände zu tragen, Kinderwagen zu schieben und Rollstühle zu bewegen. Der Gründer des neuen Eruv, Shimmy Lopian, sagte, der Schabbatzaun werde das Leben vieler orthodoxer Familien verbessern: »Sie können nun öfter in die Synagogen kommen und in den Park gehen.«

FAmilien Junge orthodoxe Familien in der nordenglischen Stadt bestätigten, die Einrichtung des neuen Eruv bedeute für sie eine Verbesserung der Lebensqualität. Rob Kanter, Geschichtslehrer und Vater von zwei Kindern, sagte: »Früher steckten wir am Schabbat in unserer Zweizimmerwohnung fest und konnten nicht mit dem Baby rausgehen. Während der langen Schabbattage im Sommer war das sehr umständlich. Wir fühlten uns wie in einer Falle. Dabei soll der Schabbat doch ein Tag der Freude sein – aber ohne Eruv kann man ihn nicht wirklich genießen.«

Martine Weizman, Mutter von zwei Kindern, sagte, nun könne sie sich am Schabbat wieder mit Mitgliedern der Gemeinde treffen. »Der Eruv verändert mein Leben und besonders das meiner Söhne Bobby (6), Jack (3) und Eli (18 Monate). Seit drei Jahren halten wir den Schabbat, aber wir leben in einer ziemlich abgelegenen Gegend. Mit dem Auto wäre es okay, aber zu Fuß ist es überallhin sehr weit.«

Der Eruv, so Weizman, komme für sie genau zur richtigen Zeit: »Erst vor einer Woche hat Bobby mir erzählt, dass er den Schabbat nicht mag, weil ihm dann langweilig ist und er keine Freunde trifft, mit denen er spielen kann.«

Fläche Im deutschsprachigen Raum gibt es bisher nur in Wien einen Eruv. Er wurde 2012 eingerichtet und hat eine Fläche von 35 Quadratkilometern. Der neue Eruv in Manchester umfasst eine Fläche von 21 Quadratkilometern und steht unter der Aufsicht des dortigen Beit Din.

Dessen Chef, Rabbi Yehuda Brodie, sagte, auch eine Stadt wie Berlin könne einen Eruv haben. »Das Wichtigste für eine jüdische Gemeinde, die einen Eruv einrichten will, ist, Brücken zur lokalen Politik zu bauen, damit sie empfänglich ist für ein Konzept, das manchmal schwierig zu erklären ist.« Das sei der Grund, warum überall in den USA Eruvim entstehen: Die Beziehungen zwischen den örtlichen Behörden und den jüdischen Gemeinden dort sind gut.

Der neue Eruv in Manchester ist größer als die bestehenden vier Eruvim in London. Auch in technischer Hinsicht ist er aufwendiger, denn er umfasst drei Stadtbezirke.
Die jüdische Gemeinde in Manchester zählt ungefähr 24.000 Mitglieder. Innerhalb des Eruv liegen nun das größte jüdische Altersheim der Stadt in Heathlands Village, der King-David-Schulkomplex mit rund 1200 Schülern und das Maccabi-Gemeindezentrum.

Kosten Zehn Jahre hat es gedauert, bis der Eruv nun schließlich eingerichtet ist. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 420.000 Euro. International anerkannte Eruv-Experten aus Jerusalem hatten die letzten Vorbereitungen zehn Tage lang überwacht. Bereits im vergangenen Monat war in Manchester ein Eruv eingerichtet worden, der etwas kleiner ist als der neue und nur 55.000 Euro gekostet hat, weil innovative Techniken genutzt wurden. So hat man zum Beispiel Befestigungen an der Spitze von Straßenlaternen angebracht, anstatt neue, sechs Meter hohe Masten für Seile zu errichten.

Der Autor ist Nordengland-Korrespondent des Jewish Chronicle (JC).

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

USA

Antisemitische Empörungswelle gegen Sesamstraße

Nach einem Post zum Monat des jüdisch-amerikanischen Erbes überschlagen sich die hasserfüllten Kommentare

von Sabine Brandes  05.05.2026

Meinung

Der Antisemitismus und wie Sir Tony ihn (nicht) sah

Nach der Messerattacke auf zwei Juden in Golders Green hat ein ehemaliger britischer Diplomat der »Times« einen Leserbrief geschickt. Er verdeutlicht, warum einem als Jude in Großbritannien mulmig zumute sein muss

von Stephen Pollard  05.05.2026

New York

Juden am meisten von Hassverbrechen betroffen

Im April waren jüdische New Yorker erneut in einem erschreckendem Ausmaß mit Judenhass konfrontiert

 05.05.2026

London

Starmer lädt zu Antisemitismus-Gipfel in Downing Street

Der Premier will Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Spitzentreffen in London zusammenbringen. Ziel ist es, Strategien gegen Judenhass zu entwickeln

 05.05.2026

Kommentar

Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Ein Mann wollte in Zürich eine Synagoge in Brand stecken. Der Täter gestand die Attacke. Er kam vor Gericht. Nun wurde er freigesprochen

von Nicole Dreyfus  04.05.2026

Frankreich

Mit einer Prise Antisemitismus in den Elysée?

Mit 74 Jahren nimmt Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon zum vierten Mal Anlauf auf das Präsidentenamt. Dabei operiert er gezielt mit antisemitischen und antiisraelischen Narrativen

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  04.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026