Ein Foto hat Karin Prien in der Ausstellung des Holocaust-Museums in Washington besonders bewegt: eine Frau, die von den Nationalsozialisten der »Rassenschande« bezichtigt wurde. »Da denke ich: Meine Großmutter, die war für die Nazis genau so eine Frau«, sagt die Bildungsministerin nach einem Besuch des Museums.
»Meine Familie floh 1935 in die Niederlande, weil mein Großvater als Jude Opfer der Verfolgung war, aber eben auch, weil meine Großmutter sich mit einem Juden eingelassen hatte«, erzählt Prien der Deutschen Presse-Agentur. »In solchen Momenten bin ich tief in Gedanken an meine Familie.«
»Es macht mich unendlich traurig«
Prien ist eine von sehr wenigen Kabinettsmitgliedern in der Geschichte der Bundesrepublik mit einer jüdischen Biografie. Auf ihrer USA-Reise hat sie sich in den vergangenen Tagen mit jüdischen Verbänden über den heutigen Antisemitismus ausgetauscht. Der Besuch des 1993 eröffneten Museums in Washington ist ein bewusst gewählter Abschluss. Dort entzündet sie eine Kerze für die Millionen ermordeter Juden in der NS-Zeit.
»Das bewegt mich, und es macht mich unendlich traurig, wenn ich das sehe«, sagt die CDU-Politikerin in Erinnerung an das Schicksal ihrer Familie. Zugleich sei sie sich ihrer Rolle als Vertreterin des deutschen Staates bewusst. Zu dessen Geschichte gehöre eben auch die der NS-Täter. Es sei ihre Verantwortung, für junge Menschen zeitgemäße Zugänge zu dieser Geschichte zu ermöglichen, sagte die Bildungsministerin.
»Darüber denke ich viel nach«, sagt die Ministerin. »Wie kann man zur Geschichte des Holocaust Zugänge öffnen für Kinder, deren Eltern überhaupt keinen Bezug dazu haben, weder als Täter noch als Opfer?« Ein Berührungspunkt sei die eigene Fluchterfahrung junger Leute mit Migrationsgeschichte.
»Man muss die Leute abholen, wo sie stehen und wo sie herkommen«, sagt Prien. »Es gibt Dinge, die uns verbinden und an die wir anknüpfen können. Es reicht nicht mehr aus, nur von der Vergangenheit zu erzählen.«