USA

Magische Momente

Wer bei David Blaine an einen dieser Zauberer denkt, die an Kindergeburtstagen weiße Kaninchen aus Zylindern ziehen oder eine präparierte Münze hinter dem Ohr eines Freiwilligen zum Vorschein bringen – der hat noch nie eine seiner Shows gesehen. David Blaine ist ein Magier, Illusionist und Performer der alten Schule − einer vom Schlage der ganz Großen wie Harry Houdini oder David Copperfield.

David Blaine White, 1973 im New Yorker Stadtteil Brooklyn als Sohn eines puerto-ricanischen Vaters und einer jüdischen Mutter mit russischen Wurzeln geboren, liebt die große Show. Die Absicht hinter seinen waghalsigen Aktionsperformances der vergangenen Jahre ist stets dieselbe: Blaine will an die Grenzen der menschlichen Physis und Psyche gehen und sie bis aufs Letzte, eigentlich schon Unmögliche, ausreizen.

Magier Dass er dazu immer wieder aufs Neue in der Lage ist, hat der Magier erst im vergangenen September wieder bewiesen. Bei seiner Performance mit dem Titel »Ascension« flog er über sieben Kilometer hoch in die Lüfte über der Wüste von Arizona – festgekettet an 52 mit Helium gefüllte riesige Luftballons aus Latex.

Zur Sicherheit trug der 47-Jährige einen Fallschirm und eine Atemmaske, mit der er in schwindelerregender Höhe zusätzlich mit Sauerstoff versorgt wurde. »Es ist wie Magie, es fühlt sich an, als würde ich in der Luft schweben«, sagte Blaine während des Aufstiegs über Funk zu seinem Team am Boden.

Nach 30 Minuten war das Himmelfahrts-Spektakel vorbei, und Blaine kam sicher und wohlauf auf den Boden zurück. Laut der Videoplattform YouTube, die Blaines Performance live und in voller Länge übertrug, war der draufgängerische Stunt das bis dato meistgeklickte Live-Event in der Geschichte der Website mit rund 770.000 Zuschauern auf der ganzen Welt.

Wer nun aber denkt, dass dieser Stunt schon ziemlich extrem war, sollte sich die Liste von Blaines Performances in der Vergangenheit zu Gemüte führen. Mit dabei waren Aktionen wie »Vertigo«, bei der der Ausnahmekünstler für rund 35 Stunden auf einer 30 Meter hohen und äußerst schmalen Säule ohne Sicherungsnetz im Zentrum von New York verharrte. Und Burried Alive» – seine vielleicht extremste Live-Performance, bei der sich der Magier in einen durchsichtigen Sarg legte, auf den mehrere Tonnen Wasser in Behältnissen platziert waren, sodass Blaine augenscheinlich keine Chance zur Flucht hatte.

In diesem Sarg verharrte der Zauberkünstler sieben Tage ohne Wasser und Essen. Als er dann aus dem Sarg stieg, sagte er, dass er eine prophetische Vision gehabt habe, in der Menschen verschiedener Religionen und Hautfarben friedlich zusammenleben und gemeinsam Hand in Hand arbeiten.

Illusionen Was auch immer man nun von derartigen Performances und magischen Illusionen halten möchte − David Blaine hat es in seiner langen Karriere, die mit der New Yorker TV-Straßen-Zauberkunstshow «Street Magic» begann, immer wieder geschafft, Menschen unterschiedlicher ethnischer und sozialer Herkunft zum Staunen zusammenzubringen und sie ihre Alltagssorgen für einen Moment vergessen zu lassen.

Sein letzter Stunt wurde bei YouTube 700.000-mal live geklickt − ein Rekord.

Tatsächlich ist es auch genau das, was er mit seiner Magie erreichen will. Blaine hat immer wieder betont, dass er seine Magie nicht nur als Entertainment, sondern als soziale Aufgabe versteht. «Ich möchte den Schmerz lindern», sagte er etwa im Sommer 2006, als er im Norden Israels Menschen in Krankenhäusern besuchte, die von Raketen aus dem Libanon verletzt worden waren. «Ich möchte den Menschen, die unter der Gefahr von Raketenangriffen leben, ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, ihnen wieder Hoffnung geben und Magie in ihr Leben bringen», so Blaine damals.

Sein früherer Manager Yossi Siegel sagte damals, die Überzeugung, dass Magie für Menschen in schwierigen Lebenssituationen heilende Kräfte habe, entspringe aus Blaines persönlichem Judentum. «Es gibt ein hohes Maß an Überzeugung in ihm, Gutes tun zu wollen. Er identifiziert sich definitiv selbst als Jude», so Siegel gegenüber der «Jerusalem Post».

Inwieweit das Judentum Blaine bei seinen magischen Auftritten nun tatsächlich antreibt, ist schwer zu sagen. Wie bei seinen Illusionstricks und Stunts lässt sich der New Yorker auch in seinem Privat­leben nicht gern in die Karten gucken. So sind keine Aussagen von ihm zu finden, in denen er sich über seine religiösen und spirituellen Ansichten äußert.

Tattoo Bekannt ist, dass David Blaine auf seinem linken Unterarm ein Tattoo mit der Zahlenkombination 174517 trägt – der Häftlingsnummer des Auschwitz-Über­lebenden Primo Levi. Zur Begründung sagte Blaine einmal: «Ich war in Paris und habe Survival in Auschwitz gelesen. Dort erwähnt er (Levi) seine Nummer. Als ich das zum zweiten Mal las, war ich so gerührt, dass ich in einen Tattoo-Shop lief, um es zu bekommen.»

Levis Berichte über seinen Überlebenskampf im Konzentrationslager sei das beste Buch, das er in seinem Leben je gelesen habe, sagte Blaine.

Wohltätigkeit Jüdische Werte sind für den Zauberkünstler ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens und seiner Arbeit. Wie schon bei seinem Israel-Besuch 2006 organisiert Blaine regelmäßig Wohltätigkeitsveranstaltungen. Sich dafür die nötige Zeit zu nehmen, scheint ihm wichtig zu sein.

Kurz nach seiner Reise veranstaltete Blaine im November 2006 einen Aktionsstunt am New Yorker Times Square, bei dem er sich nach über 50 Stunden aus Fesseln befreite, die ihn zuvor an einem drehenden Gyroskop über dem Boden gehalten hatten. Das Eintrittsgeld der Zuschauer ging an die Heilsarmee.

Gerade auch in Corona-Zeiten engagiert sich David Blaine für jüdische Werte. So nahm er im Dezember an einem Online-Event der jüdisch-philanthropischen Vereinigung «Chai Lifeline» teil, die sich der Unterstützung schwerkranker Kinder verschrieben hat. Tikkun Olam, die Verbesserung der Welt, scheint Blaine genauso wichtig zu sein wie die Magie. Man darf gespannt sein, welche halsbrecherischen Stunts und Performances er in Zukunft noch aus seinem Hut zaubert.

Italien

Viererbob und Eisprinzessin

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina treten mindestens 16 israelische und jüdische Athleten an

von Sophie Albers Ben Chamo  06.02.2026

Frankreich

Haftbefehle wegen »Beihilfe zum Genozid«

Die Justiz wirft zwei französisch-israelischen Frauen vor, Hilfslieferungen in den Gazastreifen behindert zu haben

 05.02.2026

USA

»Get the fuck out of Minneapolis!«

Jacob Frey ist Bürgermeister der Stadt, die derzeit für das aggressive Vorgehen der ICE steht. Der Demokrat stellt sich energisch gegen die Immigrations-Politik von US-Präsident Donald Trump

von Eva Schweitzer  05.02.2026

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026

London

Epstein-Skandal stürzt Starmer in die Krise

Obwohl der britische Premier von der Freundschaft Peter Mandelsons zu Jeffrey Epstein wusste, ernannte er ihn zum Botschafter in den USA. Selbst in den eigenen Reihen ist der Ärger groß

 05.02.2026

Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Die US-Regierung hat das historische Programm für religiöse Minderheiten aufgekündigt. Damit sind aktuell Hunderte Juden im Iran gestrandet

 04.02.2026

Geschichte

Kühe und das große jüdische Erbe

In Endingen und Lengnau liegt die Wiege des Schweizer Judentums – von dort ging es in die Welt. Zu Besuch bei einem der letzten Viehhändler im Surbtal

von Nicole Dreyfus  03.02.2026

Alltag in Zürich: Orthodox gekleidete Juden im Stadtteil Wiedikon, wo sihc der jüngste Vorfall ereignete.

Schweiz

Jüdischer Mann in Zürich mit Fäusten attackiert

Am Montagabend kam es in Zürich auf einer Straße erneut zu einem Vorfall antisemitischer Gewalt

 03.02.2026

USA

Coole Saftas

Wie jüdische Großmütter endlich das Kino erobern

von Sarah Thalia Pines  01.02.2026