USA

Lasst sie frei!

»Vermisst«: Plakat für eine der Geiseln Foto: Marco Limberg

USA

Lasst sie frei!

Zwei in New York lebende israelische Straßenkünstler setzen sich für die Geiseln der Hamas ein

von Dana Wüstemann  26.10.2023 09:59 Uhr

»Kidnapped« steht in großen weißen Buchstaben auf rotem Hintergrund. Dazu ein Foto, Name und Alter: Eden Zecharya (28), Oded Lifshitz (83), Ema Konio (3). Mehr als 220 Israelis wurden von der Hamas entführt, darunter Babys, Kleinkinder, Teenager und Holocaust-Überlebende. Die Poster der Geiseln sind jetzt auf der ganzen Welt zu sehen.

Initiiert haben die Plakataktion die israelischen Straßenkünstler Dede Bandaid und seine Partnerin Nitzan Mintz. Bandaid ist Graffitikünstler und besonders bekannt für sein Pflastermotiv, das mittlerweile in vielen Großstädten auf der ganzen Welt prangt. Mintz produziert visuelle Poesie, sie verbindet Gedichte und Straßenkunst.

Vor einem Monat kam das Paar nach New York. Doch statt wie geplant an ihren Kunstprojekten zu arbeiten, haben sie die größte Guerilla-Kampagne der Welt ins Leben gerufen. »Es ist schmerzhaft, so weit weg zu sein, wenn eine solche Katas­trophe in unserem Land geschieht«, sagt Dede Bandaid. »Wir mussten etwas unternehmen.«

Und so legten die beiden schon wenige Tage nach den Massakern in Israel los und begannen, Poster der entführten Israelis aufzuhängen, die sie zusammen mit der Grafikdesignerin Tal Huber entworfen hatten.

Inspiriert von den »Missing«-Anzeigen in den USA

Inspiriert wurden die drei von den »Missing«-Anzeigen in den USA. Doch seien die israelischen Geiseln nicht »vermisst«, sondern »gekidnappt«, betonen die beiden Künstler. Sie wollen der Welt die Taten der Terrororganisation vor Augen halten. Bandaid erklärt: »Unser Ziel ist es, dass Leute sehen, die Geiseln sind Menschen genau wie sie, die zu Opfern der Hamas wurden.« Die Idee der beiden Künstler war es, die Poster im öffentlichen Raum zu verbreiten, genauso wie ihre Straßenkunst.

Schnell merkten Nitzan Mintz und Dede Bandaid, dass die Initiative in viel größerem Rahmen verbreitet werden müsse, um bemerkt zu werden. So teilten sie die Poster auf ihren Kanälen in den sozialen Medien. »Und in nur einer Nacht ging das Projekt viral«, erklärt Bandaid. Menschen in Europa, Australien, einfach überall, begannen, die Poster auszudrucken und in ihren Städten aufzuhängen. Auch die Familien der Entführten sind bei dem Projekt aktiv: Sie drucken, kleben, veröffentlichen, posten.

Besonders beeindruckt ist Dede Bandaid von der Motivation mancher Privatpersonen: »Leute, die im digitalen Bereich arbeiten, haben uns kontaktiert, und plötzlich sah ich unsere Poster auf riesigen Bildschirmen – ja sogar auf dem Gebäude der Vereinten Nationen hier in New York. Und all das ohne jegliche Finanzierung.«

Studenten der Harvard University waren die Ersten, die die Poster auf dem Campus aufhängten.

Studenten der Harvard University waren die Ersten, die die Poster auf dem Campus aufhängten, auch als Reaktion auf die Israelfeindlichkeit, die an der Uni verbreitet wurde. Viele weitere Hochschulen in den Vereinigten Staaten schlossen sich an. So machen inzwischen auch Studenten der Northeastern University in Boston mit. Als israelische und amerikanisch-jüdische Studenten die Poster an Wände klebten, wurden sie von nichtjüdischen Amerikanern gefragt, worum es bei der Aktion ginge. Als eine Studentin von dem Massaker und den Entführungen erzählte, weinten sie gemeinsam.

Das Projekt, das nichts anderes will, als Aufmerksamkeit auf die Geiseln zu lenken, trifft allerdings auch auf viel Widerstand. Viele Poster wurden schon kurz nach dem Kleben wieder abgerissen. Überall auf der Welt. Doch Dede Bandaid und Nitzan Mintz demotiviert das nicht. »Wir raten davon ab zu diskutieren. Wir versuchen nicht, die Meinung der Gegner zu ändern, sondern ihnen zu zeigen, dass wir Menschen sind, genau wie sie.«

Rotterdam

Wieder Brandanschlag auf Synagoge - diesmal in Holland

Erneuter Terrorakt gegen die jüdische Gemeinschaft: Am Freitagmorgen wurde am Eingang des Gotteshauses der jüdischen Gemeinde Rotterdam ein Feuer gelegt

 13.03.2026

Michigan

Anschlag auf Synagoge: »Gezielter Gewaltakt gegen die jüdische Gemeinschaft«

Der Täter fährt mit einem Fahrzeug in die Synagoge »Temple Israel«. Dort wird er erschossen, bevor er Gemeindemitglieder ermorden kann

 13.03.2026

Trondheim

Vorfall vor Synagoge in Norwegen

Im norwegischen Trondheim drang ein bewaffneter Mann in die Synagoge ein. Die Polizei konnte ihn festnehmen

 13.03.2026 Aktualisiert

Michigan

Antisemitischer Anschlag: Amokläufer fährt mit Truck in Synagoge

Ein Amokläufer hat ein jüdisches Gemeindezentrum angegriffen, in dem sich auch ein Kindergarten befindet. Donald Trump spricht von einer »schrecklichen Sache«

 13.03.2026 Aktualisiert

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  12.03.2026

Belgien

Steckt der Iran hinter dem Terroranschlag von Lüttich?

Ein Bekennervideo, das die Explosion vor der Lütticher Synagoge am frühen Montagmorgen zeigt, deutet auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin

 12.03.2026

Supercentenarians

Älteste Holocaust-Überlebende Mollie Horwitz wird 110 - oder gar 113

Mit 110 Jahren steigen Hochbetagte auf in die Gruppe der »Supercentenarians«, von denen es nicht viele auf der Welt gibt. Gehört Mollie Horwitz jetzt dazu oder schon seit drei Jahren, wie Wissenschaftler vermuten?

von Christiane Laudage  11.03.2026

Brüssel

Belgische Juden fordern Antisemitismusbeauftragten

Nach dem Sprengstoffanschlag auf die Synagoge von Lüttich verlangt der jüdische Dachverband CCOJB größere Anstrengungen der Politik im Kampf gegen Judenhass

 10.03.2026

Antisemitismus

Schweiz: Dauerbelastung durch Judenhass

In seinem Jahresbericht zum Antisemitismus verzeichnet der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zwar einen Rückgang bei tätlichen Angriffen - aber einen massiven Zuwachs im Online-Bereich

von Michael Thaidigsmann  10.03.2026