Venezuela

Krise in Caracas

Demonstration gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro (23. Januar) Foto: imago/Agencia EFE

Zwei Männer, die jeder für sich beanspruchen, legitimer Staatspräsident zu sein. Ein Land, das inzwischen am Rande eines Bürgerkrieges steht – wenn nicht ein friedlicher Ausweg aus der politischen Krise gefunden wird. Eine Hyperinflation von 80.000 Prozent. Leere Regale in den Supermärkten, Lebensmittel zu horrenden Schwarzmarktpreisen. Wer kann, verlässt das Land.

Mit Sorge schaut die jüdische Gemeinde Venezuelas auf die Ereignisse der vergangenen zwei Wochen. Derzeit möchte die aktuelle Entwicklung in dem lateinamerikanischen Land allerdings niemand kommentieren. Die Äußerungen sind zurückhaltend und diplomatisch.

Präsidenten »Es gibt eine wirklich konfuse Situation mit zwei Präsidenten. Die Lage der jüdischen Gemeinschaft ist, ebenso wie die der übrigen Bevölkerung, nicht gut«, zitiert die israelische Tageszeitung Israel Hayom den derzeitigen Präsidenten der Konföderation der israelitischen Gemeinden von Venezuela (CAIV), Elias Farache.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Mehrzahl der Juden dem Land mit den größten Erdölvorkommen der Welt den Rücken gekehrt. Mehr als 20.000 sind ausgewandert – nicht zuletzt auch deshalb, weil immer wieder mit antiisraelischer Rhetorik indirekt gegen die starke jüdische Gemeinschaft des Landes Stimmung gemacht wurde.

»Die wirtschaftliche Krise ist schwerwiegend«, sagt Farache. »Wir hoffen, dass alle Seiten die Probleme friedlich lösen.« Die Gemeinde verhalte sich neutral. »Offiziell unterstützen wir niemanden«, betont Farache. »Wir hoffen und beten, dass es friedlich im Land bleibt und es keine Gewalt gibt.«

Für die verbliebenen mehr als 5000 Juden sei die Situation in Venezuela derzeit noch halbwegs erträglich.

Für die verbliebenen mehr als 5000 Juden sei die Situation in Venezuela derzeit noch halbwegs erträglich. »Die Regierung versucht uns zu respektieren und lässt uns die Freiheit, als Juden zu leben. Es gibt Synagogen und Schulen, Gottesdienste sind möglich.«

Nationalversammlung Als schwierig sieht Farache das Verhältnis zwischen Israel und Venezuela an. Schon vor Jahren hat die Bolivarische Republik die diplomatischen Beziehungen zu Israel wegen des Nahostkonflikts abgebrochen. Die Lage dürfte sich nun weiter verschlechtern, nachdem Israel den Präsiden­ten der Nationalversammlung, Juan Ge­rar­do Guaidó Márquez, als Interimspräsidenten anerkannt hat.

Klare Worte findet Faraches Vorgänger David Bittan Obadia im Gespräch mit der jüdischen Nachrichtenagentur Agencia Judía de Noticias (AJN): »Die einzige rechtmäßige Autorität ist die Nationalversammlung.« Die wiederum spricht dem alten Präsidenten Nicolás Maduro jede Regierungslegitimität ab. In Einklang mit der Opposition des Landes fordert Obadia »freie Wahlen«. Damit »der Wille des Volkes respektiert wird«, unter internationaler Aufsicht. »Wir brauchen einen Ausweg, friedlich und demokratisch. Und wir brauchen Wahlen.«

Bonn/Berlin

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