London

Koscher in Westminster

Egal, welche Politik im britischen Parlament gemacht wird – seit vergangener Woche können die Abgeordneten koschere und halal Mahlzeiten am Arbeitsplatz bekommen. Dass dies so ist, geht auf die Initiative zweier Labour-Abgeordneter zurück: der Muslimin Zarah Sultana und der Jüdin Charlotte Nichols.

Vor zwei Jahren hatten die beiden gemeinsam begonnen, sich dafür einzusetzen, dass im Westminster-Palast, in dem sowohl das House of Commons (Unterhaus) als auch das House of Lords (Oberhaus) sowie verschiedene Ausschüsse untergebracht sind, koschere und halal Speisen angeboten werden. Rund 100 im britischen Parlament arbeitende Menschen gehören einer der beiden Religionen an.

angebot Für das erweiterte Angebot auf der Speisekarte des Parlaments ist Natalie Salama-Levy (48) und ihre koschere Cateringfirma 1070 zuständig. Das Unternehmen liefert seit Jahren feine koschere Küche ins Londoner Banken- und Finanzviertel. Vor Jahren führte Salama-Levy zudem ein Res­taurant neben der Bevis-Marks-Synagoge sowie das koschere Delikatessengeschäft »Adafina« in der Abbey Road im Londoner Stadtviertel St. Johns Wood. Außerdem belieferte sie das Londoner Luxuskaufhaus Selfridges an der Oxford Road mit koscherer Feinkost.

Salama-Levy erzählt, dass sie koscheres Essen jedoch nicht einfach auch halal nennen konnte, obwohl das Schächten ähnlich ist. »Um im Parlament sowohl Juden als auch Muslime zu bedienen, mussten wir unsere Küche und Zulieferungen zunächst von einer muslimischen Behörde als halal zertifizieren lassen«, erklärt Salama-Levy der Jüdischen Allgemeinen. Außerdem hatte das Parlament sie gebeten, die Schächtungsmethoden und das Wohl der Tiere schriftlich zu erklären, »wegen der bereits bekannten Debatten um koscher, halal und Tierrechte, um möglichen Fragen zuvorzukommen«.

Für viele observante Abgeordnete und Mitarbeiter ist das neue Angebot eine Erleichterung.

Salama-Levy liefert die tiefgefrorenen Mahlzeiten in doppelt eingehüllten Verpackungen, die dann im Parlament in einem speziellen Kühlschrank gelagert und in einem Mikrowellenherd, der nur für diese Mahlzeiten verwendet wird, aufgewärmt werden.

auswahl »Wir haben zurzeit Schnitzel mit Kartoffeln und grünen Bohnen, Rind mit Tomatensoße und Reis oder gebratenes Hühnchen mit Bratkartoffeln und Karotten mariniert in Honigsoße sowie marokkanischen Lachs mit rotem Quinoa-Salat.« Die Auswahl werde sich im Laufe der Zeit, je nach Saison, ändern, sagt Salama-Levy. Und obwohl die Mahlzeiten bereits jetzt recht würzig an der Cuisine des Nahen Ostens ausgerichtet sind, werde sie sich in Zukunft noch mehr an den Kochbüchern und dem Geschmack muslimischer Kunden orientieren.

Für viele observante Abgeordnete und Mitarbeiter ist das neue Angebot eine Erleichterung: Es bedeutet, dass sie ihr Mittagessen künftig nicht mehr von zu Hause mitbringen müssen oder sich in der Kantine auf vegane Speisen zu beschränken haben.

Als der Verkauf letzte Woche begann, war Salama-Levy auf alles gefasst – aber nicht auf den Ansturm von Medienanfragen aus aller Welt. »Nicht nur britische, sondern auch israelische Zeitungen und Radiosender riefen an, und es gab viel Interesse in sozialen Medien wie Instagram.«

SCHOKOLADE Natalie Salama-Levy fing vor ein paar Jahren damit an, dass sie aus Belgien, Deutschland und Frankreich Schokolade importierte und an die feinen Londoner Kaufhäuser wie Harrods und Selfridges verkaufte.

Mit koscherem Essen begann sie wegen ihres Ehemannes Lionel Salama, den sie als echten Foodie bezeichnet. Er hatte bemerkt, dass es in St. Johns Wood trotz der jüdischen Anwohner kein koscheres Essen gab. Daraufhin eröffnete Salama-Levy ihr Delikatessengeschäft in der Abbey Road. Jetzt, wo es die Mahlzeiten im Parlament gibt, hofft sie auf zahlreiche Bestellungen.

Italien

Viererbob und Eisprinzessin

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina treten mindestens 16 israelische und jüdische Athleten an

von Sophie Albers Ben Chamo  06.02.2026

Frankreich

Haftbefehle wegen »Beihilfe zum Genozid«

Die Justiz wirft zwei französisch-israelischen Frauen vor, Hilfslieferungen in den Gazastreifen behindert zu haben

 05.02.2026

USA

»Get the fuck out of Minneapolis!«

Jacob Frey ist Bürgermeister der Stadt, die derzeit für das aggressive Vorgehen der ICE steht. Der Demokrat stellt sich energisch gegen die Immigrations-Politik von US-Präsident Donald Trump

von Eva Schweitzer  05.02.2026

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026

London

Epstein-Skandal stürzt Starmer in die Krise

Obwohl der britische Premier von der Freundschaft Peter Mandelsons zu Jeffrey Epstein wusste, ernannte er ihn zum Botschafter in den USA. Selbst in den eigenen Reihen ist der Ärger groß

 05.02.2026

Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Die US-Regierung hat das historische Programm für religiöse Minderheiten aufgekündigt. Damit sind aktuell Hunderte Juden im Iran gestrandet

 04.02.2026

Geschichte

Kühe und das große jüdische Erbe

In Endingen und Lengnau liegt die Wiege des Schweizer Judentums – von dort ging es in die Welt. Zu Besuch bei einem der letzten Viehhändler im Surbtal

von Nicole Dreyfus  03.02.2026

Alltag in Zürich: Orthodox gekleidete Juden im Stadtteil Wiedikon, wo sihc der jüngste Vorfall ereignete.

Schweiz

Jüdischer Mann in Zürich mit Fäusten attackiert

Am Montagabend kam es in Zürich auf einer Straße erneut zu einem Vorfall antisemitischer Gewalt

 03.02.2026

USA

Coole Saftas

Wie jüdische Großmütter endlich das Kino erobern

von Sarah Thalia Pines  01.02.2026