Niederlande

Kompromiss beim Schlachten

Im Kühlregal: koscheres Geflügel Foto: Marco Limberg

Jahrelang war rituelles Schlachten in den Niederlanden heftig umstritten. Ein Konzeptpapier des Landwirtschaftsministeriums soll den Konflikt jetzt lösen und mithilfe eines multilateralen Abkommens künftig den Rahmen abstecken, in dem koscher und halal geschlachtet werden darf. Aushandeln sollen dies Vertreter jüdischer und muslimischer Gemeinden sowie der beteiligten Schlachthäuser, dazu Tierärzte, Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Organisationen.

Tierschutzpartei Mit diesem Vorschlag reagierte Landwirtschaftsstaatssekretär Henk Bleker Anfang der Woche auf die parlamentarische Pattstellung bezüglich eines möglichen Schächtverbots. Ein solches war auf Initiative der Tierschutzpartei von der Zweiten Kammer, dem Unterhaus des Parlaments, im Sommer beschlossen worden. Der Senat indes sprach sich am 13. Dezember unter Berufung auf die Religionsfreiheit deutlich dagegen aus. Während dieser Debatte hatten die Senatsmitglieder Bleker gebeten, eine Alternative zum Verbotsplan zu formulieren, die sowohl dem Tierwohl als auch der Religionsfreiheit Rechnung trage.

Im Brief des Staatssekretärs an den Senat heißt es, künftig solle die Anwesenheit eines Tierarztes beim Schächten obligatorisch sein. Weiter schlägt Bleker vor, die Zeit, während der die Tiere bei Bewusstsein sind, möglichst abzukürzen und die Zahl der notwendigen Halsschnitte auf ein Minimum zu begrenzen. Auch an die Ausbildung des Schächters sollen höhere Anforderungen gestellt werden. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, kann die Lizenz zum rituellen Schlachten verlieren.

Fleischmenge Innerhalb von drei Monaten soll eine entsprechende Rahmenvereinbarung stehen. Diese muss auch die Anforderungen jüdischer und muslimischer Gemeinschaften an Qualität und Menge des Fleisches enthalten.

Das Konzept Blekers drückt einen Stimmungswandel in der niederländischen Politik aus. Schon vor der Entscheidung des Unterhauses im Juni hatte sich auch bei den dortigen Verbotsbefürwortern Skepsis breitgemacht. Der abschließende Gesetzesentwurf hatte daher ein winziges Hintertürchen offen gelassen: Rituelles Schlachten könnte demnach weiterhin möglich sein, sofern wissenschaftlich erwiesen werden könne, dass die Tiere nicht stärker leiden als bei konventionellen Schlachtmethoden.

Juden und Muslime äußerten sich erleichtert über das Ergebnis. Der Dachverband orthodoxer Gemeinden und andere jüdische Organisationen in den Niederlanden erinnerten in einer gemeinsamen Erklärung an die Beunruhigung, die das drohende Verbot während der vergangenen Monate ausgelöst hatte. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, sagte in New York: Vernunft und religiöse Freiheit hätten über politischen Eifer gesiegt.

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