England

Kauffrau aus dem Mittelalter

Mit ihrem Sohn Asher: Denkmal der Licoricia Foto: Deutsch-Englische Gesellschaft

England

Kauffrau aus dem Mittelalter

In der Stadt Winchester wird eine Statue für Licoricia eingeweiht

von Jérôme Lombard  19.02.2022 20:59 Uhr

Sie gilt als die bedeutendste Jüdin im England des 13. Jahrhunderts: die Kauffrau Licoricia. Seit vergangener Woche erinnert eine Bronzestatue in ihrer Heimatstadt Winchester an sie.

Licoricia war zu ihrer Zeit eine der führenden Persönlichkeiten in der jüdischen Gemeinde von Winchester und eine der reichsten Frauen Englands. Sie war als Geldverleiherin von König Heinrich III. und Königin Eleanor tätig. Geld aus ihrem Nachlass wurde beispielsweise für den Bau von Westminster Abbey verwendet.

Oberrabbiner Zur Einweihungsfeier der Statue, die Licoricia in der Tracht der Zeit mit ihrem Sohn Asher zeigt, war unter anderem auch der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis in die Stadt im Südwesten Englands gekommen. Prinz Charles musste seine Teilnahme wegen einer Coronainfektion kurzfristig absagen.

In seiner Rede sprach der Oberrabbiner von der »anhaltenden schrecklichen Verfolgung von Juden in diesem Land, die im Jahr 1290 schließlich zur Vertreibung der Juden aus England führte«. In diesen außergewöhnlich schwierigen Zeiten habe es mit Licoricia eine außergewöhnliche Frau gegeben, die ihrem Judentum verpflichtet und »entschlossen war, ihre Familie großzuziehen, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen und einen Beitrag von unschätzbarem Wert für ihr Land zu leisten«, sagte Mirvis.

Licoricia wurde im Jahr 1200 in Winchester geboren. Zu dieser Zeit galten Juden in England als privates »Eigentum« des Königs. Sie waren von den meisten Berufen ausgeschlossen, der Geldverleih war fast die einzige Möglichkeit für sie, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Trotz der widrigen Umstände brachte es Licoricia zu Wohlstand. Ihr Schicksal ist tragisch: 1277 wurde sie bei einem Messerangriff getötet.

Spenden Vor fünf Jahren kam die Idee auf, Licoricia mithilfe von Spenden ein Denkmal zu setzen. Der britische Künstler Ian Rank-Broadley hat die Skulptur geschaffen. Er orientierte sich an zeitgenössischen Darstellungen von Frauen ihres Standes. Denn: Von Licoricia selbst ist kein Bild überliefert.

Lawrence de Donges-Amiss-Amiss, der Präsident der Deutsch-Englischen Gesellschaft und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Gießen − Winchesters deutscher Partnerstadt −, hatte die Spendentrommel für das Projekt gerührt. Winchester würdige mit der Statue eine bedeutende Frau ihrer Zeit, sagt er. »Dies soll die Öffentlichkeit über die aktive, mittelalterliche jüdische Gemeinde sowie über das Erbe von Winchester aufklären.«

USA

»Wenn es nötig wird, wollen wir bereit sein«

Die Familie Wertheimer durchlebt das Dilemma unserer Zeit: Wo fühlen sich Juden noch sicher?

von Sebastian Moll  25.08.2026

ESC

Moroccanoil steigt als Hauptsponsor aus

Die israelische Kosmetikmarke hat ihr Sponsoring des Musikwettbewerbs nach sechs Jahren beendet.

von Nicole Dreyfus  25.08.2026

Mythos

Wie lange Haare zum männlichen Machtsymbol wurden - Vom biblischen Samson zum norwegischen Haaland

Seine blonde Mähne wurde zu seinem Markenzeichen - ebenso wie seine reichlichen Tore. Nun hat der norwegische Stürmer Erling Haaland sich die Haare abrasiert. Verliert er damit seine Macht? Vorbilder legen das nahe

von Johannes Peter Senk  25.08.2026

Schweiz

Das sind die beliebtesten Vornamen für neugeborene Jungen und Mädchen

Eine neue Rangliste des Bundesamts für Statistik gibt Aufschluss

von Nicole Dreyfus  25.08.2026 Aktualisiert

Österreich

Exodus über die Alpen

Zehntausende Juden flohen nach der Schoa über die Hohen Tauern nach Italien und weiter nach Palästina. Heute folgen ihre Nachfahren und andere Wanderer der historischen Route

von Pascal Beck  24.08.2026

Russland

Putins Doppelschlag gegen Jabloko

Die einzige Antikriegs-Partei wurde von der Wahl ausgeschlossen und ihr Anführer zu mehr als elf Jahren Straflager verurteilt

von Alexander Friedman  24.08.2026

New York

Gouverneurin Hochul fordert Mamdani auf, sich weniger auf Israel zu konzentrieren

In einem Interview legt die Gouverneurin des Bundesstaats New York dem Bürgermeister der gleichnamigen Metropole nahe, seinen Fokus auf das »Handwerkszeug der Stadtregierung« zu legen

 23.08.2026

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Philanthropie

Lauder-Stiftung lässt Förderung jüdischer Schulen in sieben europäischen Städten auslaufen

Zum Abschluss der jahrzehntelangen Förderung stellt die Ronald S. Lauder Foundation noch einmal 75 Millionen Dollar bereit. Die Strategie: Hilfe zur Selbsthilfe

 21.08.2026