Iran

Jüdischer Vertreter im Land kritisiert erstmals iranische Regierung

Während das Mullah-Regime gerade die Hinrichtung des jungen Mannes Hamidreza Sabet Esmaeilipour, dem Spionage für den Mossad vorgeworfen wurde, meldet, hat sich der Vertreter der jüdischen Gemeinschaft im iranischen Parlament, Humajun Sameh Jah Nadschafabadi, erstmals kritisch gegenüber der Regierung geäußert.

Bisher hat sich die jüdische Gemeinschaft immer zurückgehalten, um die Duldung durch das islamistische Regime, das Juden nicht verfolgt, solange sie sich regimetreu und anti-israelisch geben, nicht zu gefährden. Juden im Iran gelten als Bürger zweiter Klasse und unterliegen starken Repressionen. Nun kritisierte Sameh Jah Nadschafabadi unmissverständlich Präsident Massud Peseschkian und warnte davor, dass die wachsende öffentliche Wut über den Umgang der Regierung mit den landesweiten Unruhen sich festsetzen werde.

»Leider ist es Realität, dass die gesamte Nation von einem Gefühl der Wut erfüllt ist«, zitieren israelische Medien wie der Sender »Kan« den Vorsitzenden, der mit iranischen Medien gesprochen haben soll. Die jüngsten Proteste im Land gegen die schlechten Lebensbedingungen waren mit größter Brutalität niedergeschlagen worden. Von mehr als 30.000 Toten ist die Rede. Die Mullahs geben wesentlich niedrigere Zahlen an.

»Versprechen erfüllen«

Sameh Jah Nadschafabadi gab dem Präsidenten direkt die Schuld für die sich verschlechternde Lage. »Protest ist ein vom Gesetz gegebenes Recht des Volkes«, aber das Hervorbringen dieses Zorns schade dem Iran, sagte er. »Ich habe an Präsident Peseschkian geglaubt, ich habe für Herrn Peseschkian gestimmt, aber die aktuelle Situation ist durch ihn entstanden.« Peseschkian habe versprochen, die Situation zu verbessern. »Die Regierung und ihr Präsident müssen nun entsprechend ihrer Versprechen handeln«, so Sameh Jah Nadschafabadi. »Der wirtschaftliche Druck nimmt Tag für Tag zu und erzürnt die Menschen.«

In Bezug auf die Berichte über die gewaltsame Unterdrückung der Proteste durch die Sicherheitskräfte, darunter auch Angriffe auf Krankenhäuser und angebliche Hinrichtungen verwundeter Demonstranten, betonte er, dass medizinische Einrichtungen tabu bleiben müssten, so »Kan« und »Ynet«. »Jeder muss wissen, dass ein Krankenhaus ein Ort ist, an dem Kranke behandelt werden, und niemand das Recht hat, es anzugreifen«, so Sameh Jah Nadschafabadi.

»Niemand hat das Recht, ein Krankenhaus anzugreifen«

Humajun Sameh Jah Nadschafabadi

Zu den Opferzahlen selbst äußerte er sich vage: »Ich kenne die Zahl nicht, aber leider geht das Thema Tötung im Iran weiter, und es sind alles Kinder Irans und dieser Gesellschaft.« Er forderte auch eine Untersuchung der Geschehnisse. Sameh Jah Nadschafabadi warnte, dass die öffentliche Empörung, wenn sie ignoriert werde, weiter eskalieren könnte. »Wenn ein Kind wütend auf jemanden ist, müssen wir es unterstützen, damit seine Wut verschwindet und nicht alle trifft«, sagte er. »Der Kreislauf der Gewalt kann kurzfristig gestoppt werden, aber leider wird er nicht vollständig ausgelöscht werden.«

Lesen Sie auch

Auf Nachfrage zu den Internetabschaltungen durch das Regime, lehnte Sameh Jah Nadschafabadi eine direkte Stellungnahme ab und sagte lediglich: »Sie sollten den Obersten Nationalen Sicherheitsrat zu diesem Thema fragen.«

Sameh Jah Nadschafabadi sitzt seit rund fünf Jahren als einziger jüdischer Abgeordneter im iranischen Parlament. Ende vergangenen Jahres war er zum Verhör einbestellt worden. Im Anschluss hatte er die jüdische Gemeinschaft im Iran aufgefordert, allen Kanälen und Links, die der israelischen Regierung zugeschrieben werden könnten, zu entfolgen. ja

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Heute wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  28.01.2026

Sydney

Australien verweigert jüdischem Islamgegner die Einreise

Australien hat in der vergangenen Woche seine Gesetze gegen Hassverbrechen verschärft. Ein jüdischer Influencer, der ein »Islamverbot« fordert, darf das Land nicht betreten

 27.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 27.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  26.01.2026

Europäische Rabbinerkonferenz

»Israel ist unverzichtbar für unseren Zusammenhalt«

Der Dachverband orthodoxer Rabbiner in Europa wird in diesem Jahr 70 - zu seiner 33. Generalversammlung in Jerusalem werden rund 400 Teilnehmer erwartet

 26.01.2026

Spanien

Grabschändung in Barcelona - Bürgermeister verurteilt die Tat

Die Stadt und das israelische Außenministerium reagieren mit scharfer Kritik

 25.01.2026

Georgien

Zwischen Tel Aviv und Tiflis

In Israel geboren, kaukasische Wurzeln und in Mailand entdeckt: Tammy Aligo ist als Top-Model überall zu Hause

von Mikheil Khachidze  25.01.2026

USA

Ein Stück Heimat

1943 gründeten Flüchtlinge aus Europa einen Stammtisch in New York. Mehr als acht Jahrzehnte war er eine Institution. Mit dem Tod einer der letzten Überlebenden aus dieser Zeit endet eine Ära

von Heidi Friedrich  22.01.2026