Karl Pfeifer

Journalist und Zeitzeuge

Karl Pfeifer (M.) mit Laudatorin Ulrike Lunacek und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig Foto: privat

Der österreichische Journalist und Autor der Jüdischen Allgemeinen, Karl Pfeifer, hat am Montag im Wiener Rathaus das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien erhalten. Bürgermeister Michael Ludwig überreichte dem 93-Jährigen die Auszeichnung.

Die ehemalige Vizepräsidentin des Europaparlaments, Ulrike Lunacek, lobte Pfeifer in ihrer Laudatio als »Seismograph gegen Antisemitismus und Rassismus«. Als Zeitzeuge bringe er vor allem an Schulen »auf prägnante Weise jungen Menschen die Gräuel des Nazi-Regimes und die Notwendigkeit von Zivilcourage zum Erhalt und zur Weiterentwicklung unserer Demokratie nahe«.

Geboren wurde Pfeifer 1928 als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern in Baden bei Wien. 1938 floh die Familie nach Budapest. 1943 gelang Pfeifer die Flucht nach Palästina: über Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Beirut. Dort machte er in einem Kibbuz eine Ausbildung und kämpfte 1948 im israelischen Unabhängigkeitskrieg. 36 Mitglieder seiner Familie überlebten die Schoa nicht.

WIEN 1951 kehrte Karl Pfeifer nach Wien zurück – »doch willkommen war er hier nicht«, sagte die Grünen-Politikerin Lunacek. Er erhielt zwar die Staatsbürgerschaft zurück, doch verweigerte ihm der Staat eine Unterstützung. Sie würde ihm nicht zustehen, hieß es, »denn gemäß dem Heimkehrergesetz seien nur jene zu befürsorgen, die in der Wehrmacht oder der Waffen-SS gedient haben«, hob Lunacek hervor.

In Wien machte Pfeifer eine Ausbildung im Hotelgewerbe und brachte es vom Hotelpagen bis zum Empfangschef im Hotel Astoria. Er ging für einige Jahre nach Neuseeland, dann nach Schweden, kehrte nach Wien zurück und wurde Direktor der Bowlingbahn im Wiener Prater und später Manager in London.

UNGARN Ab 1955 reiste er immer wieder nach Ungarn, um einige wenige Verwandte zu besuchen, die die Schoa überlebt hatten. Er freute sich über den regen Austausch mit Intellektuellen, Künstlerinnen und Künstlern – die meisten waren Dissidenten.

1979 fing er an, auch journalistisch zu arbeiten. Wenige Jahre später wurde er Redakteur der Gemeindezeitung der Wiener IKG und kritisierte immer wieder den Antisemitismus im Land.

Faszinierend an Karl Pfeifer sei sein unglaubliches Gedächtnis, sagte Lunacek zum Abschluss ihrer Laudatio. »Er kann Ereignisse, die er in seinem jetzt schon so langen Leben erlebt hat, mit einer Präzision wiedergeben, die nicht nur mich immer wieder in Staunen versetzt.« Und seinen Optimismus habe er nie verloren. »Karl Pfeifer ist eine Kämpfernatur«, so Lunacek, »einer, der immer nach Auswegen und Lösungen sucht.« Er lebe bis heute nach dem Motto: »Die schreckliche Vergangenheit kann nicht geändert werden, doch für die Gegenwart tragen wir alle die Verantwortung.« ja

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