Grossbritannien

»It’s zakable!«

Seit seinem 17. Lebensjahr als Musiker unterwegs: der Sänger und Songwriter Zak Abel (24) Foto: Daniel Zylbersztajn

Im Restaurant eines schicken Hotels im Herzen Londons, einen Steinwurf vom Piccadilly Circus entfernt, sitzt ein junger Mann lässig in weißem T-Shirt und Jeans. Er hat die Haare nach hinten gekämmt, trinkt grünen Tee und wirkt sehr aufgeweckt.

Zak Abel ist 24 und seit seinen Teenagerjahren ein Profi im Musikgeschäft. Er erzählt von vielen Stunden allein in seinem Schlafzimmer mit Gitarre und davon, wie er als 17-Jähriger frühmorgens von »Joker«, einem sechs Jahre älteren exzentrischen britischen afrikanisch-karibischen Dubstep- und Grime-Musiker, zu einer Studioaufnahme nach Bristol eingeladen wurde und sofort losfuhr. »Ich musste das allerdings erst einmal mit meiner Mutter klären«, gesteht er.

Erfolge Seit jenem Tag sind viele andere Namen hinzugekommen, darunter Tom Misch, Paloma Faith, John Legend und Kaytranada. Auch für den 2018 verstorbenen schwedischen Top-DJ Avicii hat Zak Abel Musik geschrieben. »Leider bin ich ihm nie begegnet«, bedauert er.

An Erfolgen fehlt es nicht. Vor fünf Jahren kam die Gruppe »Gorgon City« mit der Deep-House-Tanznummer »Unmissable« auf Platz fünf der britischen Dance Charts. Die starke und ausschlaggebende Tenorstimme auf dem Track war die von Zak. Inzwischen ist er bekannt für viele eigene Pop- und Dance-Nummern, von denen es bisher einige in die Top 100 schafften.

Sein 2017er Soulhit »Unstable« aus dem Album Only When We’re Naked, in den er westafrikanische Highlife-Rhythmik mit eingebaut hat, wurde bisher mehr als 50 Millionen Mal gestreamt. Die Filmaufnahmen dazu entstanden in Südafrika.

Durch seine Mutter fand er Zugang zur Musik, vor allem zu Soul.

Begonnen hat alles mit der Person, die ihn am meisten inspirierte: seine Mutter. »Durch sie bekam ich Zugang zur Musik, vor allem zu Soul, wie Aretha Franklin, Bill Withers oder Quincy Jones.«

Die Mutter, eine britische Jüdin, war auch in vielen anderen Bereichen die wichtigste Person für ihn. Zak wuchs in einer jüdischen Gegend im Norden Londons bei ihr auf. Der Vater, ein marokkanischer Jude, lebte in Eilat. Zak besuchte ihn einmal im Jahr. »Er hatte die Stimme eines Sängers, erzählen Leute, die ihn kannten. Angeblich sang er wie Joe Cocker«, sagt Zak. Durch die hebräischen Lieder in der jüdischen Grundschule und die Besuche bei seinem Vater habe er schon in der Kindheit ganz verschiedene Musikstile kennengelernt.

Als 2006 in jüdischen Schulen eine junge Stimme gesucht wurde, die zum israelischen Unabhängigkeitstag im Londoner Wembley-Stadion singen könnte, stieß man auf den damals elfjährigen Zak. »Ich musste zusammen mit einem Chasan das jüdische Hochzeitslied ›Menera HaSchem‹ singen«, erinnert er sich.

Stimme Seine markante hohe und immer richtig sitzende Stimme würde auch gut zu einem Kantor passen, der in der Synagoge auf der Bima steht. »Das behauptet auch der Freund meiner Mutter, der ziemlich religiös ist«, sagt Zak und lacht.

Wie hält es der junge Sänger und Liedermacher, der in einem seiner letzten Songs fröhlich pfeift und davon singt, dass beim Sex die Frau zuerst ihren Orgasmus haben soll, mit seinem Judentum?

»Ich bin jüdisch, aber eher kulturell und fast stoisch«, ist Zaks Antwort. Anders sei es mit Israel, sagt er. »Ich würde auch gern einmal dort auftreten, gerade weil da viele meiner Freunde und Verwandten leben.«

Bisher gab es dazu keine Möglichkeit. Stattdessen tourte er im Frühjahr durch Deutschland, ein Land, das er als eines der besten für Musiker beschreibt. »Ich reise sehr gern und trete an verschiedenen Orten auf.« Und immer wieder schreiben ihm Fans, vor allem über Instagram, dass ihnen seine Musik viel bedeute, sagt er.

Im nächsten Jahr will er ein neues Album herausbringen. Die Musik soll etwas langsamer sein.

Dass er trotz solcher Tourneen und dem Musikgeschäft nicht wie manch andere auf die »falsche Bahn« geraten ist, liege am Sport, sagt Zak. »Ich rate allen Nachwuchsmusikern, ein festes Hobby zu haben.« Nach dem Tod seines Vaters – Zak war damals erst zwölf Jahre alt –, begann er, intensiv Tischtennis zu spielen, unter anderem bei Maccabi. Er sagt, das habe ihm den für seine heutige Karriere notwendigen Widerstand gegeben. Und nicht nur das, er hatte im Sport auch Erfolg: Als 14-Jähriger stand er in der Jugendliga auf Platz eins der nationalen Rangliste.

Video In seinem Musikvideo zum Song »Everybody Needs Love« kehrt Zak in diese Zeit zurück. Er hat den Film als Tischtennis-Match drehen lassen. Der Mann, der ihm dabei gegenübersteht, ist sein ehemaliger israelischer Trainer Eli Baraty. »Ich bin bis heute mit ihm im Kontakt, obwohl ich kaum mehr Tischtennis, sondern Brasilianisches Jiu-Jitsu trainiere«, sagt er. Dies und seine Freunde von früher sorgen dafür, dass er auf dem Boden bleibt.

Sie sind auch mitverantwortlich für seinen Künstlernamen Zak Abel, denn eigentlich ist sein Familienname Zilesnick. »Sie fragten mich immerzu, ob dies oder jenes ›zakable‹ sei, also möglich für mich. Und so wurde daraus das Pseudonym Zak Abel.«

album Im nächsten Jahr will der junge Mann ein neues Album herausbringen. Die Musik soll etwas langsamer als die bisherigen House- und Garage-Tanznummern sein, eher in Richtung des bekannten britischen Sängers Paolo Nutini und Shawn Mendes, sagt Zak.
Dann streicht er sich für das Foto noch rasch die Haare zurecht. Perfektionismus und ein Auge fürs Detail – sowohl im Sport als auch in der Musik und bei seinem Äußeren – ja, das macht ihn zakable.

Bonn/Berlin

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