World Jewish Congress

In eigener Sache

Neben vielen politischen Tagesordnungspunkten stand auch ein Ausflug zum Brandenburger Tor auf dem Programm. Foto: WJC

In Berlin sind am Sonntag 45 junge jüdische Diplomaten (JD) aus 20 Ländern zu einem dreitägigen Regionaltreffen zusammengekommen. Sie gehören zum sogenannten Jewish Diplomatic Corps (JD Corps) des Jüdischen Weltkongresses (WJC).

Das Corps besteht seit zwölf Jahren und sieht seine Aufgabe darin, Entscheidungsträger weltweit für jüdische Interessen zu sensibilisieren. So haben die jüdischen Diplomaten in den vergangenen fünf Jahren mehr als 80 Erklärungen beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen abgegeben. Sie nehmen jedes Jahr an hochrangigen Treffen der UN-Vollversammlung teil und treffen sich regelmäßig mit Diplomaten und Regierungsvertretern auf der ganzen Welt.

Ziel des Treffens ist es, die neuen JDs weiter auszubilden und sie über Herausforderungen zu informieren.

Ziel des Berliner Treffens ist es, die neuen JDs weiter auszubilden und sie über Herausforderungen zu informieren, vor denen die jüdischen Gemeinden stehen. Unter dem Titel »Diplomatie im Auftrag des jüdischen Volkes« stand am ersten Tag des Treffens ein Briefing mit Maram Stern auf dem Programm. Der Vizedirektor des WJC ist der führende europäische Diplomat in jüdischer Sache.

auswärtiges amt Am Montag trafen die jüdischen Diplomaten im Auswärtigen Amt mit Staatssekretärin Antje Leendertse zusammen sowie mit dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, wandte sich am Montagnachmittag in einem Grußwort an die Diplomaten. Er hieß sie in Deutschland willkommen und sagte: »Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ein Besuch in diesem Land ein Besuch mit gemischten Gefühlen sein kann. Auch wenn Sie bereits zur dritten Generation nach der Schoa gehören, ist die Geschichte immer noch präsent – in Deutschland wahrscheinlich mehr als anderswo.« Im Verlauf seiner Ansprache skizzierte Lehrer den wachsenden Antisemitismus und Rechtspopulismus in Deutschland und beklagte, dass das Wissen über die Schoa abnimmt.

Im Verlauf seiner Ansprache skizzierte Lehrer den wachsenden Antisemitismus und Rechtspopulismus in Deutschland.

»Meine Damen und Herren, es gibt viel zu tun! Wir müssen uns zusammenschließen: Politiker, Strafverfolgungsbehörden und die Zivilgesellschaft, aber auch die jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt. Wir können und dürfen nicht akzeptieren, dass der Rechtspopulismus den sozialen Zusammenhalt zerstört oder Islamisten unsere liberalen Werte bedrohen. Und wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Israel das Ziel unfairer und voreingenommener Kritik ist, die antisemitische Motive verbirgt.«

Lesen Sie mehr dazu in unserer Printausgabe am Donnerstag.

Pilot Adam Edelman (links) und Bremser Menachem Chen auch Israel, was noch keinem israelischem Bob-Team vor ihnen gelang: eine Olympia-Qualifikation ohne Trainer

Winterspiele

RTS entschuldigt sich für Olympia-Kommentar

Ein Live-Kommentar über den israelischen Bobfahrer Adam Edelman sorgte für Empörung – nun entschuldigt sich RTS und spricht von einem »unangemessenen Format«

von Nicole Dreyfus  19.02.2026

Belarus

Die Kushner-Karte

Alexander Lukaschenko sucht die Nähe zu den USA und gibt sich philosemitisch

von Alexander Friedman  18.02.2026

Antisemitismus

In Andorra wird zum Karneval eine Israel-Puppe hingerichtet

In dem kleinen Fürstentum in den Pyrenäen wurde beim Karneval einer Puppe mit Davidstern der Prozess gemacht - die jüdische Gemeinschaft ist empört

 18.02.2026

Meinung

Eklat im Schweizer öffentlich-rechtlichen: Das RTS und der Israelhass

Der eigentliche Skandal ist die Rechtfertigung des öffentlich-rechtlichen Senders. Eine Rundfunkanstalt sollte ihre publizistischen Leitlinien immer einhalten und auch bei Israel keine Ausnahme machen.

von Nicole Dreyfus  17.02.2026

Der israelische Bobfahrer Adam Edelman nimmt die Hasstiraden gegen seine Person gelassen und will sich auf den Wettkampf konzentieren.

Olympische Winterspiele

Sender verteidigt »Genozid«-Kommentar, nimmt ihn aber offline

Die politischen Einordnungen eines Schweizer TV-Kommentators bei der Abfahrt des israelischen Bobfahrers Adam Edelman sorgen für Debatten. Der Sender verteidigt sich, der Sportler sieht es gelassen

 17.02.2026

Brüssel

Streit um Beschneider: US-Botschafter nennt Belgien »antisemitisch«

In mehreren X-Posts griff Bill White die belgische Regierung scharf an, die wiederum sich die Einmischung verbat. Hintergrund ist ein Strafverfahren gegen drei Mohelim in Antwerpen

von Michael Thaidigsmann  17.02.2026

Boston

Dokumentarfilm-Pionier Frederick Wiseman gestorben

»Dokumentarfilme sind wie Theaterstücke, Romane oder Gedichte – sie haben keine messbare soziale Nützlichkeit«, sagte der Verstorbene einst. Er wurde 96 Jahre alt

 17.02.2026

Österreich

Wiens Oberrabbiner wandert nach Israel aus

Sechs Jahre leitete der gebürtige Schweizer Engelmayer mit einer internationalen Berufsbiografie die jüdische Gemeinde in Wien. Jetzt siedelt er mit seiner Familie nach Israel über

von Burkhard Jürgens  16.02.2026 Aktualisiert

Trauer

»Teheran«-Produzentin Dana Eden stirbt mit 52 Jahren

Sie wurde tot in ihrem Hotelzimmer in Athen aufgefunden

 16.02.2026