USA

Gegen Trump, aber ohne Jüdinnen?

Der Women's March am 20. Januar 2018 in Washington Foto: dpa

Zum »Women’s March« für Frauenrechte werden am Samstag Tausende Teilnehmer in der US‐Hauptstadt Washington erwartet. In Dutzenden Städten sind weitere Kundgebungen geplant. Die Aktionen sollen »die politische Macht von Frauen unterschiedlicher Herkunft« zum Ausdruck bringen, heißt es im Aufruf. Ziele seien ein sozialer Wandel und wirtschaftliche Gerechtigkeit. Doch nun werden Antisemitismus‐Vorwürfe gegen einige der Veranstalterinnen laut.

Frauenrechte Die Kundgebung ist der dritte »Women’s March«. An Präsident Donald Trumps erstem vollen Amtstag am 21. Januar 2017 hatten sich Hunderttausende von seiner Wahl schockierte Menschen in Washington und Millionen auf der ganzen Welt versammelt. »Frauenrechte sind Menschenrechte« und »Love Trumps Hate« stand auf den Plakaten. 2018 kündigten viele Frauen beim zweiten »Women’s March« an, sie wollten vermehrt in die Politik einsteigen.

In die Berichterstattung über den bevorstehenden »Women’s March« mischen sich nun Misstöne. In mehreren Städten distanzierten sich örtliche Veranstalterinnen vom nationalen Büro, vielerorts sind Parallelveranstaltungen geplant.

führungsgruppe Denn einigen Führungspersönlichkeiten des »Women’s March«, vornehmlich Ko‐Präsidentin Tamika Mallory, wird Nähe zum Antisemitismus vorgeworfen. Eine der ursprünglichen Organisatorinnen, Vanessa Wruble, sei ihrer Ansicht nach wegen ihrer jüdischen Identität aus der Führungsgruppe verdrängt worden, hieß es in der »Times«. Vertreterinnen des »Women’s March« bestreiten das.

Mallory steht bereits in der Kritik wegen ihrer positiven Haltung zum Anführer der afro‐amerikanischen Religionsbewegung »Nation of Islam«, Louis Farrakhan. Auf Instagram lobte Mallory den für seine antisemitischen Aussagen bekannten 85‐jährigen Farrakhan als »Größten aller Zeiten«.

Im Februar vergangenen Jahres besuchte sie eine »Nation of Islam«-Veranstaltung, bei der Farrakhan laut Bürgerrechtsverband »Anti‐Defamation League« über eine angebliche »jüdische Kontrolle der Regierung« schimpfte. Juden seien verantwortlich für Dekadenz in Hollywood, so Farrakhan.

Vorwürfe Im Sender ABC wies Mallory Mitte Januar die Antisemitismusvorwürfe zurück. Als schwarze Führungspersönlichkeit gehe sie oft an »schwierige Orte«, sagte Mallory. Sie stimme mit »vielen Aussagen« Farrakhans nicht überein.

Im November 2018 spielte die Auseinandersetzung auch in Deutschland eine Rolle. Der Vorstand der SPD‐nahen Friedrich‐Ebert‐Stiftung machte bekannt, er habe die Verleihung seines Menschenrechtspreises an die Organisatoren des »Women’s March« ausgesetzt. Man könne nicht mit Sicherheit beurteilen, ob Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder der Organisation zutreffen. Nach Stiftungsangaben ist die Prüfung des Sachverhalts durch externe Fachleute noch nicht abgeschlossen.

Auch Linda Sarsour, Vorstandsmitglied und frühere Präsidentin des Women’s March, steht wegen ihrer Haltung zu Israel und der israelfeindlichen BDS‐Bewegung in der Kritik. Dazu gehören ihre Aussagen, dass Feministinnen keine Zionistinnen sein könnten und dass Zionisten Nazis seien. Zudem bezeichnet sich Sarsour als »sehr überzeugte Anhängerin« der antiisraelischen Boykottbewegung BDS.

Sarsour wirft Israel »Apartheid« vor und verbreitet antisemitische Verschwörungsfantasien: Wenn Polizisten in den USA unbewaffnete Schwarze erschießen, würden im Hintergrund »jüdische Verantwortliche lauern«, behauptete sie.

Kampagne Für viele Frauen kommt die Debatte zur Unzeit. Denn eigentlich wollen sie eine Kampagne organisieren, die Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen soll. Sie unterstütze die Anliegen des »Women’s March«, erklärte die Präsidentin der »Nationalen Organisation für Frauen«, Toni Van Pelt. Frauen sollten mitdemonstrieren. Allerdings werde ihr Verband den »Women’s March« nicht finanziell unterstützen, bis Fragen über die Leitung geklärt seien.

»Women’s March«-Mitorganisatorin Carmen Perez räumte am Dienstag im jüdischen Online‐Magazin forward.com Fehler ein. Die Bewegung verabscheue Antisemitismus, betonte sie. Eigentlich gebe es bei der Kundgebung am Samstag Grund zum Feiern, fügte sie hinzu. Denn bei den US‐Wahlen im vergangenen November seien so viele Frauen wie nie zuvor in Ämter im Kongress und auf regionaler Ebene gewählt worden.

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