Interview

Fünf Minuten mit

Danielle Spera über die neue Dauerausstellung in Wien und den Umgang mit Kritikern

von Alexia Weiss  28.08.2012 09:12 Uhr

Seit zwei Jahren im Amt: Danielle Spera Foto: PR

Danielle Spera über die neue Dauerausstellung in Wien und den Umgang mit Kritikern

von Alexia Weiss  28.08.2012 09:12 Uhr

Frau Spera, Sie sind seit zwei Jahren Direktorin des Jüdischen Museums Wien. Woran erkennt man heute Ihre Handschrift?
Es ist mir gelungen, beide Standorte des Museums neu zu positionieren, zu renovieren und technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das Museum präsentiert sich jetzt als offenes Haus, in dem jüdisches Leben aus einer ganz neuen Perspektive erfahrbar wird. Die erste große Ausstellung »Bigger than Life. 100 Jahre Hollywood« hat national und international für ein beachtliches Medienecho gesorgt.

Wann steht die neue Dauerausstellung?
Wir arbeiten seit Beginn meiner Amtszeit daran. Unser Konzept steht. Einen Schwerpunkt wird dabei nicht nur die große Wiener jüdische Geschichte mit all ihren Brüchen darstellen, sondern auch die Zeit von 1945 bis heute. Eine Herausforderung ist für uns allerdings das Raumproblem, da wir nur über ein relativ kleines Haus verfügen. Wir werden die neue Dauerausstellung nächstes Jahr zum 25. Geburtstag des Museums eröffnen.

Welche Aufgabe hat ein Jüdisches Museum in Österreich?
Vor allem wollen wir ein Bewusstsein für die jüdische Geschichte, Religion und Kultur schaffen. Wir leben ja in einer Stadt, die für ihre Gegensätzlichkeit berühmt ist. Es gab hier im 19. Jahrhundert einen großen Optimismus in der jüdischen Gemeinde, der schließlich von einem immer krasseren Antisemitismus begleitet wurde. Nach der Schoa entstand aus einer zerstörten Gemeinde wieder neues Leben, entgegen jeglicher Erwartung. Die heutige Gemeinde ist klein, aber sehr lebendig und farbenfroh. Da gibt es vieles zu erzählen, zu verstehen, zu ordnen und zurechtzurücken.

Ihren Amtsantritt begleiteten Zweifel, dass Sie hier als Medien-, aber nicht als Museumsprofi das nötige Know-how mitbringen. Wie sind Sie damit umgegangen?
Mit Zweiflern konfrontiert zu sein, gehört zu den quasi natürlichen Begleiterscheinungen, wenn man in einen Beruf »quereinsteigt«. Wichtig ist, dass man selbst von den wichtigen Qualitäten überzeugt ist, die man mitbringt und dann auch mit guter Arbeit die anderen davon überzeugen kann. Das ist mir gelungen.

Von anderen Museumsdirektoren kam Kritik, als beim Abbau der bisherigen Dauerausstellung die Hologramme zu Bruch gingen, welche die Geschichte des Judentums in Wien illustrierten. Wären Sie aus heutiger Sicht anders vorgegangen?
Diese Frage stellt sich so nicht, da ich ja auch damals nicht wollte, dass sie zu Bruch gehen. Dass es passiert ist, tut mir leid.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Museen?
Es gibt einen regen wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch. Mir ist die Zusammenarbeit mit allen kultur- und kunsthistorischen Institutionen, jüdisch oder nichtjüdisch, wichtig. In Wien habe ich einen »Circle of Female Directors« ins Leben gerufen, da erfreulicherweise viele Museen von Frauen geleitet werden.

Und wie sieht die internationale Kooperation aus?
Wir arbeiten mit vielen Museen eng zusammen. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren intensiviert, sei es in Israel, den Niederlanden oder auch den USA. Derzeit ist eine Schau von uns in Argentinien, eine andere in Südtirol zu sehen. Nächstes Jahr eröffnen wir eine Ausstellung in Tel Aviv, außerdem arbeiten wir daran, die Hollywood-Ausstellung nach Los Angeles zu bringen.

Mit der Direktorin des Jüdischen Museums Wien sprach Alexia Weiss.

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