Interview

Fünf Minuten mit ...

Oskar Deutsch über Transparenz, Herausforderungen und die Wiener Kultusgemeinde

von Alexia Weiss  21.02.2012 09:36 Uhr

Oskar Deutsch Foto: Alexia Weiss

Oskar Deutsch über Transparenz, Herausforderungen und die Wiener Kultusgemeinde

von Alexia Weiss  21.02.2012 09:36 Uhr

Herr Deutsch, Sie haben diese Woche Ariel Muzicant als Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien abgelöst. Woran wird man Ihre neue Führung erkennen?
Wir haben in Wien in den vergangenen 25 Jahren eine wunderbare jüdische Infrastruktur geschaffen: Es gibt vier jüdische Schulen, ein Elternheim, Synagogen, Rabbiner, koschere Geschäfte, ein jüdisches Berufsbildungs- sowie ein Sportzentrum und vieles mehr. In all diesen Institutionen findet jüdisches Leben statt. Das gilt es zu bewahren. Doch die Gemeindemitglieder sollen sich noch mehr mit unserer Gemeinde identifizieren. Ich will, dass allen klar ist: Wir sind nicht die Gemeinde von ein paar Leuten, die irgendetwas beschließen, sondern es ist die Gemeinde von jedem Einzelnen.

Was verbindet Sie mit Ihrem Vorgänger?
Ich arbeite seit 23 Jahren eng mit ihm zusammen und kann nur sagen: Er ist ein wunderbarer Mensch, der manchmal vielleicht nicht sympathisch angekommen ist. Aber wir haben gemeinsam enorm viel erreicht.

Was wollen Sie anders machen?
Da möchte ich eben die Identifikation der Menschen mit der Gemeinde als wichtigstes Ziel nennen. Ich möchte den Leuten ein Zuhause, eine Heimat geben. Jeder soll wissen: Ja, das ist meine Gemeinde.

Der Kultusvorstand wird im November neu gewählt. Sie treten als Spitzenkandidat von Atid an. Doch zwei neue Listen stehen bereits in den Startlöchern. Kritisiert wird genau das, was Sie ansprechen: dass die Infrastruktur mit mehr Leben gefüllt werden muss.
Ich habe gesagt, dass es mehr Leben geben soll. Das ist aber keine Kritik am Bestehenden. Zum Beispiel gehen allein in die Zwi-Perez-Chajes-Schule jeden Tag rund 400 Kinder, und das vielfältige Kulturprogramm wird von vielen Leuten wahrgenommen. Ich kann voller Stolz sagen, dass das jüdische Leben vibriert. Die Kritik ist unberechtigt.

Kritisiert wird auch die mangelnde Transparenz von Entscheidungsprozessen in der IKG. Sie sind seit vielen Jahren Vizepräsident. Ist mehr Transparenz nötig?
Wir haben acht Parteien im Kultusrat. Unsere ist mit elf Mandaten die größte, das heißt, wir sind in jeder Kommission vertreten. Dort werden verschiedenste Themen gemeinsam besprochen, ausgearbeitet, analysiert und dann zur Abstimmung in den Kultusrat gebracht. Die anderen Parteien – außer der sefardischen Vereinigung mit fünf Sitzen – haben ein bis zwei Mandate. Sie können nicht in jeder Kommission mitarbeiten. Somit fehlen ihnen Informationen. Die erhalten sie erst in der Kultusratsitzung, und das ist manchmal zu spät. Doch am Ende entscheiden alle 24 Kultusräte – und nicht der Präsident oder das Präsidium. Sicher kann man über mehr Effizienz in der Kommunikation reden. Ich höre mir jeden Vorschlag an.

Wo sehen Sie in den kommenden Monaten neben dem Wahlkampf die größte Herausforderung als IKG-Präsident?
Mir ist sehr wichtig, dass wir es schaffen, eine Einheitsgemeinde zu bleiben.

Gibt es Anzeichen, dass sich das ändern könnte?
Es gibt immer Anzeichen. Es ist schwierig, wenn wir auf der einen Seite die Orthodoxen haben und auf der anderen Seite die Liberalen. Wir haben Georgier, Bucharen, Ur-Wiener, Leute, die aus Ungarn oder aus Polen nach Wien zugewandert sind. Sie alle und ihre Interessen unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. Aber genau diese Vielfallt macht uns stark.

Mit dem neuen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sprach Alexia Weiss.

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