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Auch Freundschaft kennt Grenzen: Männer links – Frauen rechts Foto: Fotolia, (M) Frank Albinus

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Das Online-Portal »FaceGlat« wendet sich an orthodoxe User – nach Geschlechtern getrennt. Ein Selbstversuch

von Tamara Goldstein  28.11.2011 16:23 Uhr

Was passiert, wenn Chaya Muschka ihren neuen Bikini auf Facebook ihrer besten Freundin Sura zeigen will? Dann hat Chaya Muschka ein Problem – denn was, wenn Suras Gatte Sruli sie online im Bikini sieht? Oj Gewalt! Endlich, endlich gibt’s jetzt für Probleme dieser Art eine Lösung: eine clevere Art von digitaler Mechitza, eine koschere Facebook-Edition, nach Männlein und Weiblein getrennt. »FaceGlat« hat sie ihr Erfinder Yaakow Swisa aus dem israelischen Kfar Chabad genannt.

Das neue, glatt koschere Social Network zählt bereits 2.000 Mitglieder. Und jede Woche kommen offenbar 100 neue User hinzu, die meisten aus Israel oder Russland. Doch solle das neue Tool seine Fans nicht vom Tora-Studium abhalten und sie zu stundenlangem Surfen verleiten, warnt FaceGlat-Gründer Swisa. Der neue Auftritt richtet sich vielmehr an diejenigen, die bereits bei Facebook sind, jedoch eine »saubere« Version bevorzugen.

FaceGlat bietet hierfür ein spezielles Programm, das vermeintlich schmutzige Inhalte in Wort und Bild herausfiltert. Und wer sich daneben benimmt, dessen Account wird geblockt. Wie das wohl funktionieren soll? Ich werde es herausfinden.

Sonnenbrille Ich melde mich also als »Sheindi234« auf der Männerseite an, um zu testen, wie lange es dauert, bis mich FaceGlat aufspürt und wieder vor die Tür setzt. Ich gehe auf faceglat.com und klicke auf das pastellblaue Schild für Männer. Dann kann man sich – genau wie bei Facebook – einloggen oder als neuer User anmelden. Ich werde nach allen möglichen persönlichen Daten wie Adresse und Wohnort gefragt, die verschlüsselt werden und auf der Website nicht zu sehen sind. Auch ein Foto kann man hochladen. Mein Alter Ego Sheindi234 bekommt auf meinem User-Foto einen überdimensionalen Scheitel verpasst. Außerdem habe ich eine dunkle Sonnenbrille auf. Mal sehen, was jetzt passiert. Eingeloggt! Hoho, ich bin drin! Niemand hat bemerkt, dass sich gerade eine Frau Zutritt auf die Männerseite verschafft hat.

Jetzt kann ich oben auf einer Leiste die Tabs »Friends«, »Groups«, »Fotos« und »Events« anklicken. Rechts sind Fotos der Neuzugänge als Thumbnails platziert. Wie erwartet, treffe ich hier eine Vielzahl von Jossis, Jankels und Joshuas. Alle haben einen sehr heimischen Look à la »Perfekter Schwiegersohn« für ihre Icons ausgewählt, die meisten tragen gut sichtbar eine gehäkelte Kippa.

Filter Als Sheindi234 spaziere ich unbelästigt auf den Events- und Groups-Seiten umher und versuche, Kontakte zu knüpfen. Ich schicke einigen Usern eine Message: »Hi, my name is Sheindi! I am new here, do you want to be friends?« Meine Rufe scheinen jedoch ungehört im digitalen Nirgendwo zu verhallen. Niemand antwortet, ich werde einfach ignoriert. Ein paar weitere Neuzugänge haben sich in den vergangenen Tagen angemeldet und sind dem gestrengen FaceGlat-Filter anscheinend wie ich durch die Maschen geschlüpft: Ein User (FaggotXY) hat einen Schwulen-Hass-Klub gegründet, ein anderer (Jewish Niggah) postet Messages mit eindeutig nicht jugendfreiem Inhalt.

Ich versende blindlings ein paar Freundschaftsanfragen. Das geht genauso wie bei Facebook: In einer Liste kann man Namen eingeben, die man gern auf Facebook finden möchte, dann kann man ein Freundschaftsangebot verschicken.

Als ich auf den Event-Tab der FaceGlat-Jungs gehe, gibt es als einziges Event ein »Farbrengen im Londoner Chabad-Haus«, unter »Groups« bekomme ich Zugang zu einer Online-Diskussion über den Wochenabschnitt der Tora. Aus lauter Langeweile klicke ich die Icons der anderen User an. Jedes Mal gibt es ein Pop-up mit persönlichen Infos, kürzlichen Aktivitäten und einer Liste der Freunde. Sämtliche User haben genau wie ich null Freunde und sind anscheinend nie online. Es gibt keine witzigen Gimmicks und Apps wie bei Facebook, niemand traut sich, lustige Filmchen hochzuladen, niemand reagiert auf meine immer aufdringlicheren Freundschaftsanfragen.

Und jetzt das Ganze andersherum: Ich checke als Shmuli1973 auf der anderen Seite bei den Girls ein. Pastellrosa unterlegte Ödnis begrüßt mich auch hier. Es gibt zwar jede Menge Mitglieder von Hanna über Rivka bis runter zu Zelda, aber die Action findet auch hier woanders statt und nicht auf FaceGlat. Weder Zelda noch Rivka pflegen irgendwelche FaceGlat-Freundschaften. Viele der Mitglieder haben erst gar kein Profil-Foto hochgeladen und erscheinen anonym. Vorwurfsvoll starren mich die spärlichen Mitgliederfotos unter ihren Scheitels und Tichels an, verwehren mir aber ihre virtuelle Freundschaft. Niemand antwortet auf meine Mails.

Auch als ich hoffnungsvoll bei einigen der Groups anklopfe (»Kitten Club« heißt eine, das klingt doch vielversprechend!), antwortet niemand. Wie wär’s mit der Gruppe »London Jewish Mothers Network«? Langweilig. Oder: »Support your Local Chabad House«? Auch nicht spannender.

Wüste Sheindi234 und Shmuli1973 checken weiterhin alle paar Tage ihr Profil, um zu sehen, ob irgendjemand auf ihre Nachrichten und Anfragen reagiert hat. Aber nichts, alles tote Hose. Es gibt keine Antworten. Auch Freundschaftsanfragen habe ich meinerseits nicht erhalten. Meine FaceGlat-Seite sieht nach wie vor so öde aus wie die Wüste Gobi.

Eines schönen Tages sind »Jewish Niggah« und auch »Faggot XY« von der Bildfläche verschwunden. Kurz darauf werden auch Sheindi234 und Shmuli 1973 grob aus FaceGlat ausgesperrt. »Your account has been deactivated«, teilt mir FaceGlat mit. Macht nichts. Langweilen kann ich mich auch woanders.

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