Makkabi-Spiele

Fest des Sports

Makkabi Chai! Bei der Eröffnung der Spiele in Wien Foto: Alexia Weiss

Die Party beginnt gegen 23.15 Uhr, als Sarit Hadad das Mikrofon ergreift: In diesem Moment verstummen die zuvor am Wiener Rathausplatz umherwandernden Jugendlichen und wenden sich dem Geschehen auf der Bühne zu.

Die Mannschaft aus Frankreich, jene aus Italien, Deutsche ebenso wie Serben, Österreicher, Israelis: Sie alle singen mit, von »Ata totach« bis »Light A Candle«, applaudieren nach jedem Lied, werfen Leuchtröhrchen in die Luft. Was verbindet jüdische Jugendliche aus aller Welt? Musik aus Israel.

Angefangen hatte die über dreistündige Eröffnungszeremonie der 13. Europäischen Makkabi-Spiele in Wien traditionell mit dem Einmarsch der Nationen. Als erste Mannschaft zog Israel ein, als letzte jene des Gastgeberlandes.

Unkonventionell fiel die Auswahl der Musik aus: »99 Luftballons« begleitete die deutsche Mannschaft, »Born in the USA« von Bruce Springsteen jene aus den Vereinigten Staaten, der Radetzkymarsch die Österreicher. Die Athleten treten in den drei Altersklassen Juniors, Open und Masters an. Mordechai Tichauer, Vorsitzender der European Maccabo Confederation sprach denn auch von einem »Schmelztiegel der Generationen«.

Vergangenheit Eröffnet wurden die Spiele von Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer. Er erinnerte an die Vergangenheit, vor allem aber die Verantwortung des Landes für diese Vergangenheit.

Nun sei man stolz, zu zeigen, wie gut sich jüdisches Leben in Wien in den vergangenen Jahren entwickelt habe. Nachdenklich auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl, wie Fischer Sozialdemokrat: die Makkabi-Spiele seien »ein besonderes Fest«, doch auch in dieser Feierstunde »sind wir uns der dunklen Jahre der Schoa bewusst«.

Oskar Deutsch, der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien und Vorsitzende der diesjährigen Spiele, hielt dem entgegen: Dass 1.800 jüdische Sportler nun in Wien zusammenkommen, sei Beweis, »dass das Gute gewonnen hat«.

Das erfuhr an diesem Abend auch Theodor Herzl, dargestellt von Werner Brix. Die beiden Moderatoren des Abends, die Sängerin Timna Brauer und der österreichische TV-Präsentator Volker Piesczek, entführten ihn in die Gegenwart und machten dabei auch einen langen Stopover in der NS-Zeit.

Auf die filmische Darstellung der rüden Unterbrechung eines Schabbatmahls durch einen SS-Mann folgte eine getanzte Interpretation der Reichspogromnacht im November 1938. Filmaufnahmen von Hitler auf dem Heldenplatz vor den jubelnden Massen waren dabei ebenso zu sehen wie abgemagerte KZ-Überlebende. Die Tänzer wurden schlussendlich von Bühnennebel dahingerafft. Selbst das Gas hat der künstlerische Direktor des Abends, Tom Blue, nicht ausgelassen.

1.800 Sportler Vielleicht muss man an einem Ort wie Wien gerade als jüdische Gemeinde die historische Wahrheit so markant hervorstreichen. Schließlich sind es auch die ersten Makkabi-Spiele in einem deutschsprachigen Land seit 1945. Bis 13. Juli treten hier 1.800 Sportler aus 39 Ländern in 17 Disziplinen gegeneinander an.

Das Team aus Deutschland, das mit über 200 Athleten angereist ist, wird in Sportarten wie Feldhockey, Target Shooting und Futsal antreten. Einen Tag zuvor stieg die Aufregung im Team schon einmal an, als es zum Empfang in die Deutsche Botschaft gebeten wurde, um dort auch von Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, begrüßt zu werden.

Interessant schien das ambitionierte Kulturprogramm vor allem für die jugendlichen Sportler allerdings erst zu werden, als der US-Sänger Jeremy Schonfeld sowie etwas später Falco-Imitator Michael Patrick Simoner performten.

Veteranen Als die Hatikwa vom Wiener Jüdischen Chor angestimmt wurde, sangen tausende Menschen mit. Die österreichische Bundeshymne, vorgetragen von den Wiener Sängerknaben, blieb dagegen weitgehend unbegleitet.

Nur die anwesenden österreichischen Politiker bewegten hierzu ihre Lippen. Am berührendsten fiel der Einzug von Veteranen mit der Flagge der Makkabi-Spiele aus. Und auch das von Wiens Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg vorgetragene Jiskor-Gebet sorgte für einige Momente der Stille. Das Makkabi-Feuer wurde von Rafael Rotter, Profi-Eishockeyspieler der Vienna Capitals und Mitglied der Nationalmannschaft, entzündet.

Das Urteil des Publikums nach Ende des Spektakels auf dem Rathausplatz gegen 23.45 Uhr reichte von »zu lange« bis »wunderschön« und »Jetzt haben wir gezeigt, wie Wien auch sein kann«. Die Jugend ist einander jedenfalls spätestens bei Sarit Hadad näher gekommen. Durch intensiv betriebenen Tausch der Nationen-T-Shirts – und auf Hebräisch. So funktioniert die Kommunikation in der globalen jüdischen Familie.

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