Lateinamerika

Warum Guatemalas neuer Präsident Hebräisch spricht

Bernardo Arévalo am Wahltag Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Guatemala steht vor einer Kehrtwende: Der sozialdemokratische Korruptionsbekämpfer Bernardo Arévalo wird der nächste Präsident des mittelamerikanischen Landes. Der Kandidat der Partei Movimiento Semilla (Bewegung Saatkorn), der bis vor zwei Monaten als Außenseiter galt, erhielt bei der Stichwahl am Wochenende 58 Prozent der Stimmen. Seine Gegnerin, die dreimalige Präsidentschaftskandidatin Sandra Torres, kam auf 37,2 Prozent.

Für Israel und Juden in aller Welt ist der Stichwahlausgang in Guatemala von Interesse, was auch damit zusammenhängt, dass Arévalo im jüdischen Staat gelebt hat und Iwrit spricht. Er gab in einem Interview an, Zuneigung zu Israel zu verspüren.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Gemeinsamer Kampf »Dieser Sieg gehört dem guatemaltekischen Volk, und jetzt werden wir gemeinsam gegen die Korruption kämpfen«, sagte der Wahlsieger. Ab seinem Amtsantritt am 14. Januar werde er Politik für alle 17 Millionen Einwohner Guatemalas machen.

Die Europäische Union gratulierte Arévalo zu dem Wahlsieg und dem guatemaltekischen Volk für sein starkes Engagement für die Demokratie. Nun sei von entscheidender Bedeutung, dass alle staatlichen Institutionen und Bereiche der Gesellschaft zum geordneten Übergang beitrügen, hieß es in einer Mitteilung.

Der Soziologe Arévalo wurde 1958 in Uruguay geboren. In den 1990er Jahren war er Vizeaußenminister und Botschafter Guatemalas in Spanien. Später arbeitete er bei der internationalen Organisation Interpeace im Bereich Konfliktlösung. Er war auch Abgeordneter seiner Partei, die nach den Bürgerprotesten von 2015 gegen Korruption gegründet wurde.

Mutmaßliche Rechtsverstöße Die Generalstaatsanwaltschaft hatte vor den Wahlen angekündigt, wegen mutmaßlicher Rechtsverstöße weiter gegen die Partei Semilla zu ermitteln. Kritiker werfen der Staatsanwaltschaft vor, von korrupten Machteliten beeinflusst zu sein.

Nach Arévalos Wahlsieg feierten viele Menschen mit Blau-Weißen-Fahnen auf den Straßen. »Der Frühling ist da«, war auf Plakaten zu lesen. Guatemala ist das bevölkerungsreichste Land in Mittelamerika und die größte Volkswirtschaft der Region mit hohen Armutsraten. Tausende Menschen verlassen jeden Monat das Land und versuchen, auf der Suche nach einem besseren Leben, über Mexiko in die USA zu gelangen. Weitere wichtige Themen für die Guatemalteken sind Kriminalität, Inflation und Arbeitslosigkeit.

Die im US-Exil lebende Ex-Generalstaatsanwältin Thelma Aldana spricht von der Aussicht auf einen »demokratischen Frühling« mit Arévalo. Allerdings dürften korrupte Machteliten versuchen, die künftige Regierung zu destabilisieren, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Semilla wird mit nur 23 von 160 Abgeordneten keine eigene Mehrheit im Parlament haben.

Informelle Allianz »Da der «Pakt der Korrupten» stark ist, weil er über wirtschaftliche und politische Ressourcen verfügt und die Institutionen der Justiz zu seinen Diensten hat, besteht immer ein Risiko«, sagte die Juristin, die 2018 für ihre Arbeit gegen die Korruption mit dem als alternativen Nobelpreis bekannten Right Livelihood Award ausgezeichnet wurde. Die Bürger würden aber das Gegengewicht bilden. »Die Legitimität ist sehr wichtig, wenn es um Regieren geht«, sagte sie.

Unter dem »Pakt der Korrupten« versteht man in Guatemala eine informelle Allianz zwischen politischen, wirtschaftlichen, juristischen und kriminellen Akteuren zum Schutz der eigenen Interessen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Im Juni war Arévalo, der gegen die Korruption und Erosion der Demokratie in Guatemala vorgehen will, unerwartet zweitstärkster Kandidat im ersten Wahlgang geworden. Auf dem ersten Platz landete Torres. Bei den vorherigen beiden Wahlen war Torres jeweils in der Stichwahl gescheitert.

Enges Verhältnis Bernardo Arévalos enges Verhältnis zu Israel begann sich in den 1950er-Jahren zu entwickeln, als sein Vater Juan Jose Arévalo, der zuvor Guatemalas erster demokratisch gewählter Präsident war, dort Botschafter wurde. Unter Arévalo Senior war Guatemala eines der ersten Länder, das den frisch gegründeten jüdischen Staat anerkannte.

Der zukünftige Präsident in Guatemala Stadt studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Soziologie und Geschichte. Wie zuvor schon sein Vater arbeitete er später, nämlich in den 1980er-Jahren, für die Botschaft Guatemalas in Israel - als Konsul und Berater. Dass Bernardo Arévalos Hebräisch spricht, ist daher keine Überraschung. Auf TikTok verbreitete sich unlängst ein Videoclip, in dem er ein Gespräch in dieser Sprache führt.

Arévalo gehört zu den Kritikern der derzeitigen israelischen Regierung und Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung. Im vergangenen Jahr erklärte er nach einem Treffen mit dem »Botschafter von Palästina« in Guatemala, die Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes sei die Schaffung zweier Staaten - einer für jedes der »beiden Völker« - sowie »Friedensverhandlungen mit multilateraler Unterstützung«.

Kritik an Umzug Auch kritisierte Bernardo Arévalo die 2018 getroffene Entscheidung seines Vorgängers Jimmy Morales, die Botschaft Guatemalas von Tel Aviv in die Hauptstadt Israels, nämlich nach Jerusalem, zu verlegen. Dieser Schritt sei »für die Beilegung des Konfliktes nicht hilfreich.«

In Interviews mit guatemaltekischen Medien wartete Arévalo jedoch mit einer regelrechten Liebeserklärung auf: »Israel ist ein Land, für das ich viel Zuneigung empfinde. Ich habe 10 Jahre meines Lebens in Israel verbracht. Es waren sehr wichtige Jahre.« dpa/ja

Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Eine iranisch-islamistische Terrorgruppe bekennt sich zu einem Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.03.2026

London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

Das Engagement des Monarchen für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« passe eng zur Arbeit des Community Security Trust, so die Organisation

 25.03.2026

Nachruf

Chuck Norris ist doch sterblich

Der Actionstar und Meme-König wurde 86 Jahre alt. Und war immer ein großer Freund Israels

von Sophie Albers Ben Chamo  25.03.2026

Russland

Kleines Haus, große Herausforderung

Einst trugen Schoa-Überlebende in Sankt Petersburg eine Ausstellung zusammen. Nun ist daraus ein Museum geworden, das auch jungen Menschen die jüdische Geschichte näherbringt

von Polina Kantor  24.03.2026

Belgien

Zwei Festnahmen nach Brandstiftung in Antwerpen

Zwei Minderjährige sollen an der Grenze zum jüdischen Viertel ein Auto angezündet haben

 24.03.2026

Großbritannien

Vier Krankenwagen vor Synagoge in Brand gesteckt

Die Londoner Polizei geht von einem antisemitischen Motiv aus

 23.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  20.03.2026 Aktualisiert

New York

Zohran Mamdani missbraucht St. Patrick’s Day für Anklage gegen Israel

Elisha Wiesel wirft dem Bürgermeister vor, an dem irischen Feiertag »eine bösartige Ritualmordlegende gegen Juden« verbreitet zu haben, indem er behauptete, sie hätten in Gaza einen »Genozid« begangen

 19.03.2026