Kuba

Dekret mit Folgen

Synagoge Beith Shalom in Havanna Foto: Andreas Knobloch

Große Besorgnis unter der jüdischen Bevölkerung Kubas erregt die Ankündigung von US-Präsident Trump, die erst vergangenes Jahr beschlossene Entspannungspolitik seines Amtsvorgängers Obama gegenüber der Karibikinsel teilweise zurückzudrehen. Das von dem republikanischen Staatschef unterzeichnete Dekret erschwert unter anderem US-Bürgern die Reisen nach Kuba.

In einem auf der Washingtoner Internetplattform Engage Cuba veröffentlichten Brief fordern führende Vertreter der kubanischen Juden ihre Glaubensgenossen in den USA auf, »zusammenzuarbeiten, damit unsere Länder nicht wieder hinter das Erreichte zurückfallen«. Beide Gemeinschaften müssten daran arbeiten, »der kubanischen und amerikanischen Bevölkerung eine friedliche und prosperierende Zukunft zu gewährleisten«.

Israel Die Bindung zwischen den beiden Gemeinden sei in der Vergangenheit oft einer der wenigen Bereiche der »Beziehung zwischen dem kubanischen und dem amerikanischen Volk« gewesen, heißt es in Anspielung auf die jahrzehntelang unterbrochenen diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA sowie Israel.

»Wir teilen mit unseren Besuchern die Meinung, dass die Beziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden Nordamerikas und Kubas fortgesetzt werden sollen. Dies beeinflusst direkt die Beziehungen zwischen unseren Ländern«, schreiben die Verfasser. Mit dem Schreiben wolle die jüdische Gemeinde dazu beizutragen, »den Normalisierungsprozess fortzusetzen«.

Der offene Brief ist von der Präsidentin der jüdischen Gemeinde Kubas, Adela Dworin, und ihrem Vizepräsidenten David Prinstein sowie von weiteren führenden Mitgliedern der mehrheitlich sefardischen Gemeinden auf der Zuckerinsel unterzeichnet worden. Dazu gehören auch die Vorsitzenden der Synagogengemeinden in Havanna, der Chef der B’nai-B’rith-Maimonides-Loge und mehrere Präsidiumsmitglieder der anderen Synagogen des Landes.

Besuche Die kubanischen Juden appellieren in dem Schreiben daran, sich verstärkt für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern einzusetzen. Die Unterzeichner fürchten, dass sich die von Trump verkündete Executive Order vor allem auf die Besuche von US-Bürgern auswirken könnte.

Trump will durch neue Verhandlungen über ein Reiseabkommen Druck auf Kubas Regierung ausüben, sich wirtschaftlich weiter zu öffnen und »politische Gefangene« freizulassen.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Situation der rund 1500 kubanischen Juden wesentlich verbessert. Vor allem Juden in Kanada und den USA unterstützen sie mit Geld, Rabbinern und Hilfslieferungen wie koscherem Essen für die Feiertage.

Die Infrastruktur der Gemeinden im Land wurde erheblich verbessert. Inzwischen sind sie auch mittels elektronischer Kommunikation mit der jüdischen Welt verbunden. Organisationen in den USA finanzieren die Schabbatgottesdienste und den anschließenden Kiddusch sowie regelmäßigen Religionsunterricht, Barmizwa-Zeremonien und Ferienlager für die Jugendlichen. Eine eigene Apotheke versorgt die Mitglieder mit notwendigen Medikamenten.

Synagoge All dies sei gefährdet, fürchten die Gemeindeverantwortlichen. Die Unterstützung für »Programme und Projekte« komme nicht nur den Synagogen im Land zugute. Auch bedürftige Gemeindemitglieder profitierten von den Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen habe bereits erste positive Resultate gezeigt, die wie im Fall der jüdischen Gemeinde direkt der kubanischen Bevölkerung zugutegekommen seien, resümiert der Chef der Internetplattform Engage Cuba, James Williams. Er fordert Trump zu einem Gespräch mit der Führung der kubanischen Juden auf. Dieses werde zeigen, dass die Zusammenarbeit beider Länder »die Religionsfreiheit und den Wohlstand der kubanischen Bevölkerung« verbessert habe.

Bonn/Berlin

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