Ungarn

Aus für Kulturprojekt?

Im Gemeindehaus Auróra treffen sich regelmäßig junge Juden. Jetzt kämpfen die Betreiber gegen die Schließung. Foto: László Mudra

An einem Nachmittag klingelte ein Postbote und überreichte die Beschlüsse der Kommunalbehörden: Alle Genehmigungen wurden entzogen, mit sofortiger Wirkung solle der Café- und Gartenbetrieb des Kulturprojekts eingestellt werden.

Das Gemeindehaus Auróra, eine mutige Initiative junger engagierter Juden, kämpft seit zwei Wochen gegen die Schließung. Das Ganze erinnert an einen Kafka-Roman. Im offiziellen Schreiben weisen die Behörden auf ein Gerichtsverfahren hin sowie auf angebliche, nicht weiter präzisierte Verstöße, die den Betreibern allerdings nicht bekannt sind.

initiator »Wirklich überrascht waren wir nicht«, gibt Ádám Schönberger, der Hauptinitiator des Projekts, zu. »Schließlich haben wir schon ähnliche Situationen erlebt – und überlebt. Das Fiese aber ist jetzt, dass dies mitten in der Hochsaison kommt. Mit jedem weiteren Tag ohne Cafébetrieb fallen wichtige Einnahmen aus.«

Kritische Beobachter erkennen darin eine beliebte Vorgehensweise der Orbán-Regierung: Selbst wenn das Gericht die Vorwürfe letztendlich ablehnt, wird die unliebsame Einrichtung in den Ruin getrieben, oder sie bleibt auf einem enormen Schaden sitzen, so das politische Kalkül.

Soros Gleichzeitig betreibt die Regierung eine neue Kampagne gegen den alten Staatsfeind Nummer eins, den aus Ungarn stammenden amerikanisch-jüdischen Milliardär und Mäzen George Soros. Dessen Bild ist jetzt im ganzen Land auf Zigtausenden Plakaten zu sehen, die suggerieren, er stecke hinter der »illegalen Einwanderung« zahlreicher Menschen aus dem Nahen Osten.

Diese Verschwörungstheorie ist seit 2015 ein Leitmotiv des offiziellen ungarischen Diskurses: Soros wird vorgeworfen, Menschen aus anderen Kulturkreisen unbedingt nach Europa bringen zu wollen, um die europäischen Nationalstaaten zu schwächen und die kulturelle Identität der »Völker« zu zerstören.

MAZSIHISZ, der Dachverband der jüdischen Gemeinden in Ungarn, protestierte gegen die antisemitischen Untertöne der Kampagne und stellte mit großer Besorgnis fest, dass es in den vergangenen Wochen vermehrt zu antisemitischen Vorfällen kam.

Lesen Sie mehr in unserer Printausgabe am Donnerstag.

Großbritannien

Radikal pragmatisch

Ahmed Fouad Alkhatib arbeitet an einem palästinensischen Staat. Für den brauche es vor allem Frieden und Zusammenarbeit in der Region, sagt der Mann, der in Gaza und in den USA aufgewachsen ist

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  04.03.2026

Österreich

Der jiddische Sherlock Holmes

Der Schriftsteller Jonas Kreppel schuf im Wien der k. u. k. Zeit einen jüdischen Meisterdetektiv. Nun wurde die Krimireihe von einem New Yorker Autor wiederbelebt

von Jörn Pissowotzki  04.03.2026

Kalifornien

»Tehrangeles« jubelt

Im Großraum Los Angeles lebt die größte persische Exilgemeinde der Welt. Sie unterstützt das militärische Vorgehen der USA und Israels. Auch über die Zukunft des Iran machen sich viele Gedanken

von Gunda Trepp  04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Schweiz

Drohung gegen koscheren Supermarkt

In Zürich ist es am Samstagabend zu einem Großaufgebot der Polizei vor jüdischen Einrichtungen gekommen

von Nicole Dreyfus  01.03.2026

Deutschland

Warnung vor Terror-Gefahr in Deutschland wegen Iran-Krieg

Wegen des Krieges in Nahost rechnet der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer »gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland«

 01.03.2026

Israel

Netanjahu an Iraner: »Vollendet es«

Regierungschef Benjamin Netanjahu richtet sich mit einer Ansprache auf Farsi an die iranische Bevölkerung

 01.03.2026

Iran

Britischer Verteidigungsminister: »Iran verliert die Kontrolle über seine Kommandostrukturen«

Großbritannien beteiligt sich am Militäreinsatz gegen den Iran. Verteidigungsminister Healey warnt vor wahllosen iranischen Angriffen

 01.03.2026

Türkei

Exil-Iraner im Glück

Nach dem Tod Chameneis feiern Exil-Iraner in der Türkei die Möglichkeit ihrer Rückkehr. Doch schwingt auch Sorge mit

 01.03.2026