Reisen

Zu Wasser und zu Lande

Der Norden Israels ist um zwei Attraktionen reicher – eine neue und eine alte. Mit der Vergnügungsschiffslinie von Haifa nach Akko und zurück gibt es ein echtes Novum im Land. Die Zuglinie durch die Täler der Region, »Rakewet Ha’Emek«, dagegen hat schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Nach 65 langen Jahren Pause hat sie jetzt wieder Fahrt aufgenommen. Und die Begeisterung im Jisrael-Tal ist groß.

Mosche Katz lebt in der Region und erinnert sich noch an die Tage, als er mit dem Zug aus dem Tal in Richtung Osten zuckelte – vor 70 Jahren. Der 80-Jährige war ein Kind, als er regelmäßig mit seinem Vater mit der Bahn nach Beit Schean fuhr. »Ich war ein kleiner Steppke. Und diese Fahrten waren eine große Aufregung für mich. Ich kann mich erinnern, dass ich schon die Nacht davor kaum schlafen konnte. Dass der Zug nun, auf meine alten Tage, wieder fährt, finde ich wunderbar.«

Damaskus Die ursprüngliche Linie verkehrte bereits zu osmanischer Zeit. Damals war sie Teil der türkischen Hejaz-Bahn. Eröffnet wurde die Strecke im Jahr 1905 und fuhr ununterbrochen bis 1951 von Haifa über Zemach am südlichen Rand des Sees Genezareth bis nach Damaskus in Syrien. Heute endet sie natürlich vorher. Doch sie führt durch die Felder des Jisrael, des Zevulun und des Jordantales bis in die Stadt Beit Schean und weiter zum Grenzübergang nach Jordanien, der Scheich-Hussein-Brücke. Die Fahrt dauert rund 50 Minuten. In den ersten Tagen des Betriebes ist sie kostenlos, für die Bewohner der Täler wird es dauerhaft einen Rabatt von 50 Prozent geben.

Der Leiter der israelischen Zuggesellschaft Israel Railways, Boaz Zafrir, erklärt, dass die Verbindung heute vom Hafen in Haifa bis an den jordanischen Grenzübergang führt. Er freut sich sehr darüber: »Diese Verbindung ist eine Brücke des Friedens – und das ist ein wahrer Grund zum Feiern.« Bei der ersten Fahrt vor einigen Tagen war Katz verhindert, doch er hat sich fest vorgenommen, sich schon bald ins Abteil zu setzen und die Landschaft, die er so liebt, an sich vorbeiziehen zu lassen. »Und dabei nehme ich natürlich meine drei Enkel mit.«

Jungfernfahrt Nur wenige Kilometer weiter fand fast zur selben Zeit eine andere Jungfernfahrt statt: und zwar die der neuen »Vergnügungsschiffverbindung zwischen Haifa und Akko«. So beschreibt sie das Tourismusministerium, das die Fähre gemeinsam mit den Stadtverwaltungen der beiden Orte sowie der Entwicklungsgesellschaft für das alte Akko initiiert hat. Minister Yariv Levin und die Bürgermeister der Städte Haifa und Akko, Yona Yahav und Schimon Lankri, schipperten mit.

»Es ist das erste Projekt dieser Art in ganz Israel«, machte Minister Levin klar, »eine regelmäßige Fährverbindung zum Vergnügen.« Doch er sprach auch über die Schwierigkeiten, die der Realisierung im Weg standen. Jahrelang habe man geredet, doch geschehen sei lange Zeit nichts. Denn es sei nicht damit getan, ein Schiff zu Wasser zu lassen, und die Leute hin- und herzufahren. Die beiden Häfen von Haifa und Akko mussten zunächst angepasst und ausgebessert werden. Allein dafür investierte das Tourismusministerium fast 2,6 Millionen Euro. Doch nun ist es geschafft.

Die Fähre kann bis zu 220 Passagiere transportieren und fährt die Route nach einem festen Zeitplan an sieben Tagen in der Woche, einmal morgens und einmal abends, an Feiertagen sogar viermal. In Haifa legt sie an der Zugstation Zentrum-Ha’Schmona ab, in Akko vom neuen Terminal der Seepromenade in der Altstadt.

Die Passagiere fahren in 45 Minuten entlang der beschaulichen Küste von Galiläa, vorbei am Carmel-Gebirge, Downtown Haifa und sehen das bunte Treiben im Fischerhafen von Akko. Während der Fahrt werden Tonaufnahmen über die Region und ihre einstigen Bewohner informieren – von den Römern über die Mamelukken und die Kreuzritter bis zu den Türken und Briten. In der nahen Zukunft sollen die Fährtickets zusammen mit Touren zu den vielfältigen Sehenswürdigkeiten in beiden Städten angeboten werden.

maulbeerbäume Für die Schiffslinie wurden sogar die alten Obstgärten des Paschas Al-Jazaar restauriert, des Gouverneurs des Osmanischen Reiches, der hier von 1775 bis 1804 das Zepter schwang. Die Gärten waren Teil seines Palastes, der heute das Museum des Gefängnisses der Untergrundkämpfer beherbergt. Auf 7000 Quadratmetern finden die Besucher jetzt wieder gepflegte Zitrus- und Granatapfelplantagen, alte knorrige Olivenbäume und Maulbeerbäume vor. Manche sollen noch aus der Originalzucht des Paschas stammen.

»Die Linie ist von großer Bedeutung, um die Tourismusinfrastruktur im Norden zu stärken«, sagte der Tourismusminister eindringlich. Die neue Attraktion hat feste Preise und soll für jeden erschwinglich sein. Eine einfache Fahrt kostet 30 Schekel, Hin- und Rückfahrt 55 (umgerechnet rund 7 und 12,50 Euro). Levin hat keine Zweifel, dass sie Besucher aus dem In- und Ausland in Scharen anlocken wird. Davon ist auch Kapitän Eduard Huri überzeugt, für den es ein Traumjob ist, Besucher zwischen seinen Lieblingsstädten Haifa und Akko hin- und herzuschippern.

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