Idee

Zionistisches Risiko

Das Spiel beginnt mit der Balfour-Erklärung 1917 und endet mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1949. Foto: Andrea Jarach

Die Bedeutung des »spielerischen Lernens« wird immer wieder hervorgehoben. Ein Professorenduo der Universität für Kunst, Musik und Schauspiel DAMS in Turin (Italien) hat ein Spiel kreiert, mit dem die historischen Ereignisse im Nahen Osten vor und nach der Staatsgründung Israels mit fundiertem Wissen einem breiten Publikum nähergebracht werden sollen.

Giaime Andrea Alonge und Riccardo Fassone, der eine Professor für Kinogeschichte, der andere für Medienverständnis und seit seiner Doktorarbeit mit Gaming beschäftigt, haben die Gründung Israels ausgewählt, weil sie zum einen dazu schon eine ausreichende Dokumentation besaßen; zum anderen handelt es sich um ein wichtiges Thema, »über das gewissenhaft nachzudenken, auch durch ein nur scheinbar leichtes Instrument wie das Spiel, geboten ist«, wie Alonge anmerkt.

Vor etwa zehn Jahren sei er der Rolle des amerikanischen Drehbuchautors Ben Hecht (ein überzeugter Verfechter des Zionismus) nähergekommen. Dies brachte ihn dazu, seinen Kollegen Fassone in eine gemeinsame vertiefende Recherche der unterschiedlichen Strömungen des Zionismus zu involvieren.

Spieler können den Ausgang historischer Ereignisse verändern.

 

UNPARTEILICHKEIT »Zwangsläufig ist der Entwicklungsprozess eines Spiels von der Idee und den Meinungen der Verfasser beeinflusst; aber in diesem Fall sind wir überzeugt, aus uns bekannten historischen Fakten und Debatten die zentralen Schnittpunkte dieser Ereignisse mit der höchstmöglichen Unparteilichkeit wiedergegeben zu haben«, versichert Alonge. »Die Hoffnung ist somit, dass durch das Spiel die Teilnehmer ihre eigenen Kenntnisse über die wiedergegebenen historischen Fakten vertiefen, durchdenken oder zur Debatte stellen«, fügt er hinzu.

Das Spiel beginnt mit der Balfour‐Erklärung im Jahr 1917 und den widersprüchlichen Auswirkungen des Endes des Ersten Weltkrieges auf den Nahen Osten und endet mit dem Ende des ersten arabisch‐israelischen Krieges im Jahr 1949. Natürlich kann man das Spiel auch ohne Vorkenntnisse zum Zionismus und zur Gründung Israels spielen, aber unstreitig helfen solche, es mehr zu schätzen.

Die jüdische Gemeinde von Turin hat sich zu dem Spiel noch nicht offiziell geäußert.

REGELN Auf jeden Fall bleibt es ein Spiel, das sich, wie jedes Kriegsspiel – außer vielleicht »Risiko«, von dessen Regeln es teilweise inspiriert ist –, nur an ein Nischenpublikum wendet. Kriegsspiele bewegen sich zwischen der genauen historischen Rekonstruktion und der spielerischen Dimension und beinhalten für den Spieler die Möglichkeit, den Verlauf gegenüber den geschichtlichen Tatsachen zu beeinflussen.

Zwar müssen die Stärke der Parteien auf dem Feld und der Weg ihrer Aktionen mit den historischen Ereignissen übereinstimmen. Wenn aber ein Spieler andere Entscheidungen trifft als die, die historisch gemacht worden sind, kann sich der Ausgang ändern.

Als Beispiel führt Alonge an: Wenn der Spieler in der Rolle der Araber die Revolte der 30er‐Jahre erfolgreicher führt, als dies damals unter palästinensischer Führung geschah, könnte der Erfolg des Zionismus zweifelhaft werden, und es könnten die Palästinenser statt Israel gewinnen. Hingegen ist in der letzten Spielrunde im Jahr 1949 auf dem Feld die Stärke, sowohl militärisch als auch demografisch, mindestens vergleichbar mit der historischen, sodass der Spieler in der Rolle Israels gewinnt.

Die Marktreife des Spiels war ursprünglich für Herbst 2018 angekündigt worden.

PROBESPIELE Die zwei Professoren lassen ihr Vorhaben noch einen Test und Probespiele durch Partien zu zweit durchlaufen. Die Marktreife des Spiels war zwar ursprünglich für Herbst 2018 angekündigt worden, aber nun gehen die beiden davon aus, dass erst in den kommenden Monaten ein Verlag für die Vermarktung des Brettspiels in Amerika und Europa gefunden wird.

Die jüdische Gemeinde von Turin hat sich zu dem Spiel noch nicht offiziell geäußert. »Wir verfügen über keine Information«, schreibt der Sekretär der Gemeinde, Elio Limentani, auf Anfrage. Das mag daran liegen, dass die beiden Urheber die genaue Spielidee zurzeit noch als Geschäftsgeheimnis hüten. Fassone erklärt: »Bei der Vorstellung des Spiels war die jüdische Gemeinde nicht vertreten, weil es eine universitätsinterne Veranstaltung war. Wir haben nicht daran gedacht, die jüdische Gemeinde einzuladen, und denken auch nicht, dass wir es hätten tun müssen.«

Doch wenn es zu einer Vermarktung ihrer Idee kommen wird, könnte es auch zu Kritik kommen, wie sie jetzt bereits von einigen Studenten geäußert wird. Die Raketen aus Syrien auf die Golanhöhen, die Brandsätze der Hamas aus dem Gazastreifen und die Konflikte mit Palästinensern, die versuchen, die Grenze nach Israel gewaltsam zu übertreten, sind leider kein Spiel.

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