Berlin

»Wir stehen an der Seite Israels«

Israels Iron Dome fängt die Raketen aus Iran ab. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Großangriff Irans auf Israel mit aller Schärfe verurteilt. »Iran - der Schurke unter den Staaten rückt in die erste Reihe. «Bereits seit dem 7. Oktober zieht der Iran die Fäden des Terrors gegen Israel und die westliche Welt, nun greift das radikale Regime direkt an», erklärte ein Sprecher des Zentralrats.

Und weiter: «Israel ist im Ausnahmezustand. Wir stehen an der Seite Israels.» Deutschland und die EU dürften keine Zweifel an einer klaren und harten Position gegenüber Teheran lassen. Die Sanktionen müssten nun auf ein Maximum erhöht, «die iranischen Revolutionsgarden endlich als Terrororganisation gelistet werden», betonte der Zentralrat.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Iran hatte Samstagabend seine Drohung wahr gemacht und Israel erstmals direkt angegriffen. 99 Prozent der in der Nacht zum Sonntag abgefeuerten Geschosse seien abgefangen worden, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari. Er sprach am Morgen von einem «sehr bedeutsamen strategischen Erfolg» gegen mehr als 300 «Bedrohungen verschiedener Art».

Der iranische Angriff war seit Tagen erwartet worden. Hagari wies die Idee, der Angriff des Irans auf Israel könnte eine Art geplanter Show ohne echte Schadensabsicht gewesen sein, vehement zurück. «Ich glaube, der Iran wollte Ergebnisse erzielen und dies ist ihm nicht gelungen», sagte der Armeesprecher am Sonntag im Gespräch mit Journalisten. 

Der Einsatz ballistischer Raketen durch den Iran sei eine klare Eskalation gewesen, sagte Hagari. Mit Blick auf eine mögliche Reaktion Israels sagte er: «Wir prüfen die Situation und zeigen dem Kabinett die Pläne, wir sind bereit, zu unternehmen, was für die Verteidigung Israels notwendig ist.»

Man sei auch auf weitere Bedrohungen durch den Iran vorbereitet. Der UN-Sicherheitsrat in New York plant voraussichtlich noch am Sonntag eine Sondersitzung. US-Präsident Joe Biden kündigte für den Tag ein Treffen der G7-Gruppe wirtschaftsstarker Demokratien an. Er werde die Staats- und Regierungschefs der G7 zusammenrufen, «um eine gemeinsame diplomatische Reaktion auf den dreisten Angriff des Iran zu koordinieren». 

Israels Präsident Isaac Herzog bedankte sich beim Militär, dem Volk und dem Verbündeten USA. «Seid gesegnet, liebe Soldaten und Kommandeure», schrieb er am Sonntagmorgen auf der Plattform X (vormals Twitter) und fügte hinzu: «Segne die Koalition der Nationen unter der Führung der USA» und ihrem Präsidenten. «Gemeinsam werden die Kräfte des Guten die Kräfte des Bösen besiegen». Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb zudem auf X: «Wir haben abgeschossen, wir haben gebremst. Gemeinsam werden wir siegen». 

«Von mehr als 120 ballistischen Raketen sind nur wenige nach Israel vorgedrungen und der Rest wurde abgefangen», sagte Israels Armeesprecher Hagari. «Sie schlugen im Bereich der Flugbasis Nevatim ein und verursachten nur leichten Schaden an der Infrastruktur.» Von 170 unbemannten Flugkörpern, die der Iran losgeschickt habe, seien «null auf das israelische Gebiet vorgedrungen», sagte Hagari.

Dutzende seien von israelischen Kampfjets abgeschossen worden, von der israelischen Luftabwehr sowie «der Luftwaffe und Luftabwehr unserer Partner». Auch von mehr als 30 Marschflugkörpern sei keiner nach Israel eingedrungen. Israels Luftraum wurde unterdessen am Sonntagmorgen wieder geöffnet.

Der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv funktioniere inzwischen wieder normal, berichteten israelische Medien am Sonntagmorgen. In der Nacht waren wegen des Angriffs verschiedene Flüge gestoppt worden. Der Luftraum war sieben Stunden lang geschlossen. Der Flughafen Ramon im Süden Israels solle vorerst weiter geschlossen bleiben, hieß es weiter.

US-Präsident Biden telefonierte noch in der Nacht mit Israels Ministerpräsident Netanjahu. Wie die israelische Regierung am frühen Sonntagmorgen mitteilte, führten die beiden ihr Gespräch nach Beratungen des israelischen Sicherheitskabinetts und des Kriegskabinetts. Das Weiße Haus teilte anschließend mit, Biden habe den iranischen Angriff «auf das Schärfste» verurteilt und das «eiserne Bekenntnis» der USA zu Israels Sicherheit bekräftigt.

Man werde weiterhin wachsam gegenüber sämtlichen Bedrohungen sein, so Biden. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsvertreter, Biden habe Netanjahu im Telefonat gesagt, die USA würden sich ungeachtet ihres militärischen Beitrags zu Israels Selbstverteidigung nicht an «offensiven Operationen gegen den Iran beteiligen».

«Die Angelegenheit kann als abgeschlossen betrachtet werden. Sollte das israelische Regime jedoch einen weiteren Fehler begehen, wird die Reaktion Irans deutlich härter ausfallen», teilte die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen am Samstag (Ortszeit) auf der Plattform X mit. Irans Revolutionsgarden warnten die USA scharf: «Jede Unterstützung und Beteiligung an der Beeinträchtigung der Interessen Irans» werde eine «entschiedene Reaktion der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran nach sich ziehen», hieß es in einer Erklärung, die in der Nacht zum Sonntag im Staatsfernsehen verlesen wurde. 

Ob Israel auf den massiven iranischen Angriff mit einem Gegenangriff reagieren wird, um sich zu schützen, war zunächst offen. «Ein direkter iranischer Angriff wird eine angemessene israelische Antwort gegen den Iran erfordern», hatte Israels Verteidigungsminister Joav Galant am Freitag gewarnt. US-Verteidigungsminister Lloyd J. Austin sicherte Galant in der Nacht zum Sonntag erneut die unerschütterliche Unterstützung der USA zu, wie das Pentagon mitteilte.   

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verurteilte die iranischen Angriffe auf Israel «mit aller Schärfe». «Mit dieser unverantwortlichen und durch nichts zu rechtfertigenden Attacke riskiert Iran einen regionalen Flächenbrand», erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit nach Ankunft des Bundeskanzlers in China am Sonntag in dessen Namen.

«In diesen schweren Stunden steht Deutschland eng an der Seite Israels. Über weitere Reaktionen werden wir uns nun eng mit unseren G7-Partnern und Verbündeten besprechen.» EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb am Sonntagmorgen auf X: «Ich verurteile den unverhohlenen und ungerechtfertigten Angriff auf Israel auf Schärfste. Und ich fordere den Iran und seine Stellvertreter auf, diese Angriffe unverzüglich einzustellen». 

Auch UN-Generalsekretär António Guterres betonte das Risiko einer katastrophalen Zuspitzung der Lage in Nahost. «Ich bin zutiefst beunruhigt über die sehr reale Gefahr einer verheerenden Eskalation in der gesamten Region», sagte er in New York. Er verurteile den Angriff des Irans «aufs Schärfste» und fordere eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten.

EU-Chefdiplomat Josep Borrell schrieb auf X: «Dies ist eine beispiellose Eskalation und eine ernste Bedrohung für die regionale Sicherheit.»

Kulinarisch

Ein Michelin-Stern für die Safta

Tränen, Konfetti und ein Stück Geschichte: Das Restaurant »Mutra« des Israelis Raz Shabtai erhält als erstes koscheres Lokal weltweit die legendäre Auszeichnung

von Sabine Brandes  31.05.2026

Krieg gegen die Hisbollah

Israelische Armee nimmt Burg Beaufort im Südlibanon ein

Die strategische Höhenfestung galt einst als Symbol des Libanonkriegs – nun steht sie wieder unter israelischer Kontrolle

von Sabine Brandes  31.05.2026 Aktualisiert

Blick in die Zukunft

Ehemalige Geisel sucht nach der Hölle die Liebe

Nach 738 Tagen in der Gewalt der Hamas baut Eitan Horn sein Leben neu auf – und wünscht sich Frau und Familie

von Sabine Brandes  31.05.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Libanon

Israel stellt sich auf mehr Angriffe der Hisbollah ein

Am Wochenende griff die Hisbollah Kiriat Schmona im Norden Israels in vier Wellen an. Die israelische Armee bereitet sich auf einen verstärkten Raketenbeschuss vor und weitet ihre Bodeneinsätze im Südlibanon aus

 31.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Tourismusbranche

Trotz anhaltender Konflikte: Israel wirbt wieder verstärkt um Touristen

Eine Werbeoffensive in Nordamerika soll ausländische Urlauber zurückholen

 29.05.2026

Spendensammlung

Nova-Massaker: Gedenkstätte bei Re’im bittet um Spenden für Fertigstellung

Täglich kommen Tausende Menschen zu der provisorischen Anlage nahe der Gaza-Grenze. Der Gedenkort für 378 von Terroristen ermordete Menschen soll nun ausgebaut werden

 29.05.2026

Jordantal

Netanjahu: Israel wird 70 Prozent des Gazastreifens kontrollieren

Auch bestätigt der Ministerpräsident erstmals öffentlich, israelische Bodentruppen hätten während der jüngsten Operationen im Südlibanon den Litani-Fluss überschritten

 29.05.2026