Israel

Wenn Noam aus Gaza zurückkommt ...

Israelische Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen Foto: Flash90

»Hallo?«

»Schalom, wie lieb, dass Du anrufst.«

»Ich weiß. Ich bin wirklich sehr, sehr müde. Ich habe in der letzten Nacht nicht gut geschlafen. Eigentlich habe ich gar nicht geschlafen. Ich kann nicht mehr schlafen, seit er drin ist. Wenn Noam aus Gaza zurückkommt, vielleicht dann…«

»Nein, ich darf nicht sagen, wo er eingesetzt ist. Er kämpft. Genauer weiß ich es selbst nicht. Obwohl ich seine Mutter bin. Dass er in Gaza ist, weiß ich genau. Leider.«

»Ja, ich habe es in der Zeitung gelesen. Es ist eine Tragödie. Ich will nicht daran denken. Und denke doch daran. Pausenlos, ohne Ende.«

»Bis gestern hat eine Familie bei uns im Gästezimmer gewohnt. Eigentlich keine ganze Familie mehr, jetzt ist es eine verwitwete Frau mit zwei Kindern. Wundervolle Menschen, wir haben uns angefreundet und viel miteinander geredet. Sie haben in einem Dorf an der Grenze zum Gazastreifen gelebt. Der Vater ist am Schwarzen Schabbat von der Hamas ermordet worden. Sie mussten das mitansehen.«

Haus völlig zerstört

»Ja, auch die Kinder. Sieben und elf. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie diese Frau jeden Tag weitermacht. Ich habe sie in der Nacht oft weinen gehört.«

»Nein, sie hat noch keine Ahnung, wo sie leben werden. Zurückgehen? Ich glaube, so weit können diese Menschen im Moment gar nicht denken. Ihr Haus sei völlig zerstört, hat sie gesagt. Sie sind noch dabei, den ganzen Horror zu verarbeiten. Nein, das ist das falsche Wort. Verarbeiten werden sie das nie. Sie sind vielleicht noch dabei… Ich weiß es nicht. Es ist einfach alles zu furchtbar, um es je zu verstehen. Es ist unmöglich.«

»Manchmal denke ich, ich weiß gar nichts mehr. Viele Dinge, von denen ich früher überzeugt war, scheinen jetzt auf den Kopf gestellt.«

»Sie sind erst einmal bei Familienangehörigen untergekommen. Der Sohn ist in die Armee eingezogen worden, sein Zimmer ist jetzt frei.«

»Ich weiß nicht, was dann.«

Die Nächte sind lang im Moment

»Oh ja, Schaul kommt für den Schabbat. Er hat gestern gesagt, dass er rechtzeitig zum Abendessen da ist. Ich hoffe es sehr. Ich habe ihn seit sieben Tagen nicht gesehen. Gekocht habe ich. Die ganze Nacht. Die Nächte sind lang im Moment. Es ist so still im Haus.«

»Nein, wann Noam nach Hause kommt, weiß ich nicht.«

»Schön, dass du auch kommst. Nein, nur eine Flasche Wein vielleicht.«

»Ja genau, wir unterstützen uns gegenseitig. Alle. Es ist wirklich gut, dass du am Freitag kommst. Es bedeutet mir sehr viel.«

»Ich weiß. Ich liebe dich auch.«

Die Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert. Das Gespräch wurde mit Erlaubnis aufgezeichnet.

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Jerusalem

Israel greift »New York Times« wegen Gastbeitrag scharf an

Das Außenministerium wirft der Zeitung vor, Israel gezielt zu diffamieren und gleichzeitig Erkenntnisse zu sexualisierter Gewalt der Hamas vom 7. Oktober zu ignorieren

 13.05.2026

Jerusalem

Charedische Parteien drohen Netanjahu mit Sturz der Regierung

»Von jetzt an werden wir nur noch das tun, was gut ist für das charedische Judentum und die Welt der Jeschiwot«, sagt Rabbiner Dov Lando von der Partei Partei Vereinigtes Tora-Judentum

 13.05.2026

Kultur

ESC bald ohne Israel?

Zwischen Europa und Asien: Diskussionen um Israels Zukunft beim Eurovision Song Contest

von Sabine Brandes  13.05.2026

Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Noam Bettan überzeugt mit seinem Lied »Michelle« Jury und Publikum

von Martin Krauß  12.05.2026

Jerusalem

NGO Monitor: Gerald Steinberg gibt Leitung ab

Der amerikanisch-israelische Politikwissenschaftler gründete die Organisation vor einem Vierteljahrhundert. Olga Deutsch übernimmt 2027 die Leitung

 12.05.2026

Jerusalem

Minister Chikli verweigert YouTuber Tyler Oliveira Einreise nach Israel

Das israelische Ministerium für den Kampf gegen Antisemitismus erklärt, der Amerikaner habe »hetzerische Aussagen gegen Juden« verbreitet

 12.05.2026

Massaker vom 7. Oktober

Die Hamas nutzte sexuellen Terror gezielt als Waffe

Tausende unerträgliche Videos, Fotos und Zeugenaussagen: Ein neuer Bericht der Zivilkommission zeigt, wie systematisch die Terroristen Familien erniedrigen und zerstören wollten

von Sabine Brandes  12.05.2026

Hamas-Massaker

Ex-Geisel Rom Braslavski: »Schämt Euch«!

Nachdem Premier Netanjahu seine Schuld erneut relativiert, macht der junge Mann in der Knesset seinem Unmut Luft

von Sabine Brandes  12.05.2026